Vermögensverwalter Thomas Heidel „EU ist bei Zollverhandlungen mit den USA in misslicher Lage“

Thomas Heidel leitet das Research beim Frankfurter Vermögensverwalter Fidal. | © Fidal

Thomas Heidel leitet das Research beim Frankfurter Vermögensverwalter Fidal. Foto: Fidal

Zwar haben die USA 2017 im Güterhandel ein Defizit von 811 Milliarden Dollar erzielt, im Handel mit Dienstleistungen wird aber traditionell seit Jahren ein deutlicher Überschuss erzielt. In 2017 lagen die US-Exporte von Dienstleistungen mit einem Volumen von 781 Milliarden US-Dollar insgesamt 243 Milliarden Dollar über dem Wert der Importe von 538 Milliarden Dollar. Verrechnet man diesen Überschuss mit dem Defizit aus dem Güterhandel, verbleibt für 2017 immer noch ein reichliches Minus im Handelsbilanzsaldo für Güter und Dienstleistungen von 568 Milliarden Dollar. In Relation zum US-Bruttoinlandsprodukt von 19,4 Billionen Dollar sind dies 2,9 Prozent.

Ohne diesen „Bremsklotz“ im Außenhandel würde auch das Wachstum der US-Wirtschaft langfristig höher ausfallen, was ebenso ein Ziel von US-Präsident Donald Trump ist. Kein Wunder also, dass Trump auch eine Senkung des seit 1976 permanent defizitären Außenbeitrags im Visier hat. Deswegen eröffnete er im März den Verhandlungsreigen mit einer Ankündigung von Strafzöllen auf Aluminium und Stahl in Höhe von zehn beziehungsweise 25 Prozent für Erzeugnisse aus der Europäischen Union.

Reaktionen in den USA, der EU und China

Selbst im eigenen Land schlägt Trump reichlich Gegenwind entgegen. 45 US-Unternehmensverbände aus den Branchen Hightech, Textilhandel, Landwirtschaft und Automobil forderten in einer Petition von Trump, seine Pläne für Strafzölle auf chinesische Produkte fallen zu lassen, um eine Kettenreaktion mit negativen Folgen für die Agrar-, Waren- und Dienstleistungsexporte der US-Wirtschaft zu vermeiden. Auch zwischen dem US-Repräsentantenhaus und dem protektionistischen Kurs des Präsidenten deuten sich innenpolitische Spannungen an. Der republikanische Kongress-Sprecher Paul Ryan hat sich gegen die angekündigten Importzölle auf Stahl und Aluminium gestellt und befürchtet, dass die vorgeschlagenen Handelsmaßnahmen das Wirtschaftswachstum in den USA bremsen könnten.

Kurz nach der Ankündigung der angedrohten Zollpläne Trumps und dem Aufschrei der deutschen Industrieverbände reisten schon der Bundesminister Altmaier und EU-Handelskommissarin Celia Malmström in die USA beziehungsweise zum Handelsbeauftragten Robert Lighthizer, um die im Raum stehenden Zölle auf Aluminium und Stahl zu verhindern. Dabei ist die Europäische Union bei den Zollverhandlungen in einer sehr misslichen Lage. Denn die EU verlangt bei allen importierten Handelsprodukten im Schnitt mit 5,2 Prozent einen höheren Zoll als die USA, die sich mit 3,5 Prozent begnügen.