Vermögensverwalter Uwe Zimmer „Nicht die Banken, die Banker sind das Risiko“

Trader an der New Yorker Börse während der Finanzkrise 2008. Das größte Risiko für Banken sind die eigenen Angestellten, findet Finanzprofi Uwe Zimmer. | © Getty Images

Trader an der New Yorker Börse während der Finanzkrise 2008. Das größte Risiko für Banken sind die eigenen Angestellten, findet Finanzprofi Uwe Zimmer. Foto: Getty Images

Uwe Zimmer

In den USA, wo die Zinsen langsam aber sicher steigen, verdienen entsprechend auch die Banken. Das ist in Ordnung, ist ihre volkswirtschaftliche Funktion doch als „Geldverteilung“ definiert. Steigt der Preis für Geld, verdienen die Verteiler mehr. In Europa bleiben die Zinsen genauso zurück wie die Gewinne der Banken. Und die Märkte honorieren den Gewinnanstieg: Nach Berechnungen der Beratungsgesellschaft EY sind die zehn größten US-Banken an der Börse etwa doppelt so viel wert wie die zehn größten europäischen. Und das bei fast identischer Bilanzsumme.

Für Anleger könnte es also verlockend sein, in die augenscheinlich wieder boomende US-Bankenbranche einzusteigen. Möglicherweise ließe sich so zumindest kurzfristig auch der Trend nutzen, gute Kurssteigerungen sind noch immer möglich. Vor allem, weil die US-Banken ihre Gewinne noch einmal steigern werden, sobald die Belastungen aus der US-Steuerreform verdaut sind.

Alles wieder wie vor der Finanzkrise?

Ein anderer Gedanke lässt aber zumindest einmal innehalten: Die europäischen Banken haben im Schnitt durch alle Krisen hindurch Gewinne erzielt. Weniger, aber immerhin. In den USA dagegen kam es 2008 und 2009 zu deutlichen Verlusten, die jetzt gerade durch exorbitante Gewinne ausgeglichen werden. Die Frage ist ja: Wollen Anleger das? Wollen Investoren dabei sein, wenn das große Kasino wieder angeworfen wird? Wenn die Wall Street wieder das große Rad dreht?

Das größte Risiko für die Banken und auch für ein langfristiges Investment in Bankaktien ist die Einstellung der Banker: Sie gehen davon aus, dass jetzt alles wieder so ist wie vor der Finanzkrise. Schon bald werden also wieder vermehrt komplizierte, strukturierte Produkte auf den Markt kommen, die nur einen Zweck haben: die Gewinnspirale noch weiter anzuheizen. Und was kommt dann? Der nächste Zusammenbruch? Ein kleiner, mittlerer oder großer Crash?

Sorgfältiges Stockpicking

Manchmal ist es besser, sich nicht von den vordergründigen Zahlen blenden zu lassen. Gewinne sind gut, die Frage ist nur, wie werden sie erwirtschaftet und ist dieser Weg dauerhaft tragfähig. Banken sind gut und sie sind wichtig für das Wirtschaftssystem. Aber eben nicht alle gleichermaßen. Es ist deshalb keine gute Idee, jetzt blindlings US-Banken oder die europäischen Banken mit Nachholbedarf ins Depot zu kaufen.

Dagegen ist es sehr sinnvoll, nach den echten, dauerhaft erfolgreichen Bankhäusern zu suchen, deren Geschäftsmodell solide ist und die auch in den kommenden Jahren gute Geschäfte machen können. Diese zu finden erfordert viel Analyse und Arbeit, die sich aber lohnt. Lieber eine gute Bank im Depot als die ganze Branche.