Vermögensverwalter Uwe Zimmer „So lässt sich aus Trumps wirren Tweets Honig saugen“

Uwe Zimmer ist Geschäftsführer der Kölner Vermögensverwaltung Z-Invest

Uwe Zimmer ist Geschäftsführer der Kölner Vermögensverwaltung Z-Invest

Politische Börsen haben kurze Beine, heißt es immer. Und das ist richtig. Trotzdem macht Donald Trump den Börsen immer wieder Beine – und das bereits seit seiner Wahl. Ein Volatilitätspräsident ist er – und könnte das noch eine Weile bleiben.

Wenn Donald Trump twittert, beben die Börsen. Naja, zumindest aber zucken sie. Findige Investoren wollen mit dem Trump-Index davon profitieren, dass von Trump erwähnte Unternehmen beziehungsweise deren Aktien immer gerne stark ausschlagen. Das aber wird nicht funktionieren, denn Trump zeigt keine Richtung, er zeigt nur Bewegung.

Ein Meister der Volatilität ist er, der neue amerikanische Präsident. Wenn es also eine Börsenstrategie gibt, die aus seinen wirren Tweets Honig saugen mag, wären es Wetten auf Volatilitäten. Und diese könnte in den kommenden Wochen noch zulegen. Zunächst muss der Präsident vor dem Kongress sprechen. Vielleicht wird er dort ja konkreter darlegen, was er für und mit der Wirtschaft vorhat. Oder sogar Steuerpläne enthüllen.

Alle konkret angekündigten Schritte ließen sich dann auf Nutzen und Schaden untersuchen und die Börse könnte in einen Normalzustand zurückkehren, in dem sie nach Fundamentaldaten Entscheidungen trifft. Die Wahrscheinlichkeit, dass das so kommt, ist allerdings sehr gering. Trump wird wohl wieder Dinge im 140-Zeichen-Takt ankündigen, die Details aber schuldig bleiben.

Das lässt Raum für Spekulation, steigert die Unsicherheit und damit die Volatilität. Schwierig wird es, wenn auch in den kommenden 100 Tagen nichts Konkretes vom US-Präsidenten kommt. Spätestens dann werden sich auch seine bislang begeistert hinter ihm stehenden Wähler fragen, wann es denn richtig losgeht. Symbolpolitik sorgt nur sehr bedingt für Arbeitsplätze und schon gar nicht in der langfristig planenden, investitionsfaulen US-Industrie.

Hier wird Trumps Sprunghaftigkeit zum Problem ausgerechnet für seine treuesten Fans. Denn eine US-Regierung, die so kurzfristig handelt, sorgt nicht für solide, dauerhaft gültige Rahmenbedingungen. Und die sind bei aller Freude über gute Stimmung unbedingt notwendig, um Geld in Fabriken zu stecken.

Je länger Trump also wartet mit dem Konkreten, desto schwieriger wird es für die Wirtschaft, seine Ankündigungen in Arbeitsplätze umzusetzen. Daran aber wird er von seinen Anhängern gemessen. In jedem Fall aber wird die Börse noch eine ganze Weile an den Worten des Mannes aus dem Weißen Haus hängen, auf Klarheit hoffen und jede Regung in Kursbewegung umsetzen. Trump könnte es freuen, wenn er denn das ein oder andere Vola-Zertifikat sein eigen nennt. Ein Beispiel, dem auch private Investoren folgen könnten.