Vermögensverwalter Wolfgang Juds USA nach den Wahlen: Warum sich gerade jetzt der Einstieg in US-Aktien lohnt

Wolfgang Juds, Geschäftsführer von Credo Vermögensmanagement

Wolfgang Juds, Geschäftsführer von Credo Vermögensmanagement

Zur großen Überraschung vieler Marktbeobachter wurde Donald Trump am 8. November zum 45. Präsidenten der Vereinigten Staaten gewählt. Nachdem sich die Märkte neu sortiert hatten, stellt sich die Frage, wie es konkret weitergeht und was sich ändern wird. Wird Trump seine Versprechen einlösen? Welche Auswirkungen hat dies auf die Kapitalanlagen?

Nach einem kurzen Einbruch in der Wahlnacht kam es an den amerikanischen Aktienmärkten binnen einer Woche zu einer wahren Trump-Rally. Sein Credo „America First“ führte zumindest bei zyklischen US-Aktien zu einem regelrechten Nachfrage-Boom. Neben den Investmentbanken Goldman Sachs und JPMorgan zogen auch die Pharmawerte an sowie alle Aktien, die von Investitionen in Infrastruktur profitieren dürften. Technologieaktien waren hingegen weniger gefragt. Bei den Schwergewichten Alphabet, Apple und Microsoft tat sich wenig. Trump plant Importzölle auf ausländische Güter. Er will den Freihandel begrenzen und möchte die Verträge neu verhandeln. Infolgedessen bleiben die europäischen Exporttitel eher unauffällig. Aktien aus den Schwellenländern hingegen standen unter Druck.

Die Zinsen steigen wieder

Bei den Zinsen zeichnet sich eine Trendwende ab. Die Rendite der 30-jährigen richtungsweisenden US-Staatsanleihen zog von 2,3 Prozent Ende September bis auf knapp drei Prozent an. Ein ähnliches Bild sehen wir bei den deutschen Staatsanleihen. Auch hier zogen die Renditen im selben Zeitraum von minus 0,12 Prozent auf plus 0,3 Prozent an. Kursverluste an den Rentenmärkten waren die Folge. Zu den Auswirkungen gehört ein Ausverkauf bei den Immobilienaktien, die bei steigenden Zinsen geringere Gewinne machen könnten. Sowohl eine Hamborner Reit als auch die im Dax notierte Venovia-Aktie mussten Federn lassen.

Ein Richtungswechsel zeichnet sich ab

An den Kapitalmärkten wird die Zukunft gehandelt. Die Spekulationen schießen ins Kraut und die Erwartungen an den neuen US-Präsident spiegeln sich in den neuen Favoriten am Aktienmarkt. Allerdings scheint es mir für eine abschließende Beurteilung eindeutig zu früh. Dennoch steht Trump für einen Richtungswechsel in der Politik. Ein „Weiter-so“ wird es vermutlich nicht geben. Auf der Suche nach Lösungen wird Trump wieder zu den klassischen Mitteln greifen. Er stellt Steuersenkungen für die großen US-Firmen in Aussicht und versucht mit Investitionen in Infrastruktur die Konjunktur anzukurbeln. Das führt kurzfristig zu mehr Wachstum und gleichzeitig zu höheren Schulden. Da die USA aber bereits hoch verschuldet sind, könnte dies zu steigenden Renditeforderungen der Gläubiger führen.

Anleger sollten Ruhe bewahren

Der Altmeister Warren Buffett sieht die wirtschaftliche Entwicklung in den USA weiterhin positiv – unabhängig von Donald Trump. Er ist davon überzeugt, dass die Auswirkungen des Wahlsiegs von Trump auf die Börsen überschätzt werden. In diesen Tagen wird viel über mögliche Veränderungen spekuliert, aber niemand weiß wirklich, was morgen kommt. Daher rate ich genau wie vor der Wahl auch jetzt zur Besonnenheit.

Bei einer langfristigen Anlagestrategie geht es um die langfristigen Perspektiven wie Wirtschaftswachstum, Gewinnaussichten, Zinsentwicklung und Notenbankpolitik. Vor allem die langfristigen und strukturellen Gewinnaussichten der Unternehmen sind entscheidend für den Anlageerfolg. Phasen wie diese sind von hoher Unsicherheit geprägt, was erhebliche Chancen mit sich bringt. Der Grundstein für die zukünftigen Gewinne wird in Zeiten wie diesen gelegt – wenn es qualitativ hochwertige Unternehmen zu Discountpreisen gibt – wenn Aktien deutlich weniger kosten als sie wert sind. Dann heißt es zugreifen und nicht zögern.