Vermögensverwaltung: „Die klassischen Banken befinden sich im Dilemma“

Robert Weiher von der V-Bank

Robert Weiher von der V-Bank

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Robert Weiher ist Mitglied der Geschäftsführung und Leiter Vertrieb bei der Münchner V-Bank.

DAS INVESTMENT.com: Sie haben den Trend zu unabhängigen Vermögensverwaltern mit dem Begriff „eine stille Revolution“ umschrieben. Was meinen Sie damit?

Robert Weiher: Der Begriff Revolution beschreibt einen Vorgang, bei dem sich bestehende Strukturen ebenso grundlegend wie abrupt verändern. Auch personell. Genau diese Veränderung sehen wir. Kunden suchen ein neues Betreuungsmodell, Berater ein neues Geschäftsmodell, das dauerhaft trägt und zugleich eine unabhängige Beratung ohne Vertriebsvorgaben ermöglicht.

Still ist die Revolution, weil Kunden wie Berater bislang „leise“ wechselten. Es wurde nicht groß darüber geredet und berichtet. Heute gibt es in Zeitungen und Talkshows ein öffentliches Ringen um die Frage, wie gute Beratung auszusehen hat.

In den beiden vergangenen Jahren sind rund 500 Berater von Banken in die unabhängige Vermögensverwaltung gegangen. Das sind schätzungsweise 10 Prozent aller Berater im Private Banking, die jeweils mehr als 30 Millionen Euro an Kundenvermögen verwalten. Von daher müsste man heute vielleicht ein anderes Adjektiv wählen, um die Revolution im Private Wealth zu beschreiben.

DAS INVESTMENT.com: Wie kommen Sie auf Ihre Abwanderungszahlen?

Weiher: Wir sind von unserer Unternehmensentwicklung ausgegangen. 2012 meldeten uns die bestehenden Geschäftspartner insgesamt 125 neue Berater. Laut Bafin gab es 23 Neugründungen. Wir haben jede zweite relevante Gesellschaft bereits bei deren Gründung unterstützt. Diese hatten im Schnitt drei Berater. Mittlerweile arbeiten mehr als 50 Prozent aller bankenunabhängigen Vermögensverwalter in Deutschland mit uns zusammen. Den 23 Gründungen stehen übrigens nach unserer Recherche nur 17 Gesellschaften gegenüber, die ihre Lizenz zurückgegeben haben.

DAS INVESTMENT.com: Gibt es regionale Schwerpunkte bei den Gründungen oder so etwas wie die heimliche Hauptstadt der unabhängigen Vermögensverwalter?

Weiher: Vermögensverwalter finden sich schwerpunktmäßig in den Vermögenszentren. Von daher braucht man nur einen Vermögensatlas von Deutschland, um die Schwerpunkte festzustellen. Diese liegen vor allem in den Räumen Hamburg, Düsseldorf, Köln, Frankfurt, Stuttgart und München. Ähnlich verhält es sich mit den Neugründungen. Gleichzeitig haben Vermögensverwalter gerade in der Fläche gute Marktchancen, wenn sie nur gegen die Sparkassen sowie Volks- und Raiffeisenbanken als Mitbewerber antreten.

DAS INVESTMENT.com: Warum haben Ihrer Meinung nach Einzelkämpfer in der Zukunft keine Chance?

Weiher: Wer eine hohe Spezialisierung besitzt, im Markt gut eingeführt ist und seine Kosten im Griff hat, der hat auch in Zukunft als Vermögensverwaltung mit ein oder zwei Personen Marktchancen. Die Ursachen liegen weniger im Markt als in der grundsätzlich zu begrüßenden Überwachung der Branche. Das Geld, das man jedes Jahr für den Wirtschaftsprüfer braucht, muss man erst einmal verdienen, um ein Beispiel zu nennen. Abschreckend sind ebenfalls Beiträge an die Entschädigungseinrichtung der Wertpapierhandelsunternehmen, kurz EdW. Voraussichtlich noch einige Jahre wird diese damit zu kämpfen haben, die finanziellen Folgen der Phoenix-Pleite abzuarbeiten.