„Vermögensverwaltung ist keine Performance-Rally“

Neun Experten, ein Moderator und jede Menge Inhalt. Bild: Manfred Kötter

Neun Experten, ein Moderator und jede Menge Inhalt. Bild: Manfred Kötter

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DAS INVESTMENT: Angst vor der Zinswende, schwächelnde Emerging Markets, Eurozonen-Blues. Macht Investieren noch Spaß?

Kerstin Behnke, Veritas Investment: Hat man einen Asset-Management-Ansatz, der den volatilen Märkten begegnen kann, ist die Frage mit Ja zu beantworten. Klassische Manager geraten heute aber schnell in eine Situation, wo sie nicht mehr so viel Freude haben. Wir betrachten die Situation als Herausforderung.

Klaus-Dieter Erdmann, MMD: Aber macht das Investieren Kunden auch noch Spaß?

Stefan Lecher, UBS: Ich denke schon. Denn jetzt kann man wieder erkennen, wie wichtig unser Berufsstand ist. Das merken auch die Kunden – dass es nicht mehr darum geht, die richtigen Bonds und Stocks zu picken, sondern auch um eine aktive, taktische Asset-Allokation und kompetentes Asset-Management.

Georg von Wallwitz, Eyb & Wallwitz: Das stimmt. Nur bei Ebbe sieht man, wer nackt schwimmt. Wir sind aufgerufen, einigermaßen intelligente Entscheidungen zu treffen und nicht dem Herdentrieb zu verfallen. Den jüngsten Ausverkauf von US-Treasuries etwa halte ich für stark übertrieben. 10-jährige Staatsanleihen bei 2,6 Prozent sind für uns wieder ein Kauf. Vielfach hat man bei Staatsanleihen Angst, weil die große Inflation kommen könnte. Doch die Wirtschaft ist in der Liquiditätsfalle, der Zuwachs der Geldmenge übersetzt sich im Wesentlichen nicht in Inflation. Inflationsprognosen werden wir uns wohl noch lange anhören müssen, richtiger werden sie aber nicht.

Günther Gerstenberger, Metzler Asset Management: Das sehe ich anders. Ganz klar: Durch die Politik der Notenbanken sind die Realzinsen extrem niedrig. Denn die Menschen sollen konsumieren, um die Wirtschaft anzukurbeln – und nicht sparen. Sollte sich der Weg aus der großen Krise zeigen, werden wir aber wohl recht schnell über Inflationsgefahren reden. Und für mich spiegelt der Zustand der Aktienmärkte nicht wider, dass wir in einer Liquiditätsfalle sind und in die globale Katastrophe schlittern könnten.

Guido Barthels, ETHENEA: Aber werfen wir einen Blick hinter die Kulissen. Als die US-Notenbank FED im September 2011 begann, die langfristigen Zinsen zu drücken, lagen diese bei rund 2 Prozent. Die momentane wirtschaftliche Situation macht zwar einen besseren Eindruck, weil sich durch die niedrigen Zinsen der dortige Immobilienmarkt wieder belebt hat. Das könnte sich schnell ändern. 15 Prozent der Bevölkerung der USA beziehen laut dem Supplemental Nutrition Assistance Program mittlerweile Essensmarken. Das sind fast 50 Millionen Amerikaner. Ist eine solche Wirtschaft stabil? Stabilität ist ein gutes Stichwort. Der Dax hat wieder die 8.000er-Marke geknackt, und oft wird behauptet, er sei so robust wie nie. Sehen Sie das auch so? Philippe Champigneulle, DNCA Finance: Das aktuelle Indexniveau interessiert uns eigentlich kaum. Wir richten uns nicht nach dem Dax oder nach dem französischen Pendant CAC 40, sondern handeln mit unserem Value-Ansatz vorrangig antizyklisch.

Ein Beispiel: Bei der Techno-Blase vor etwas mehr als 10 Jahren waren Immobilien in Frankreich billig, börsennotierte Immobiliengesellschaften waren noch stärker unterbewertet. Heute sind die börsennotierten Immobilienunternehmen mehr als dreifach so teuer.

Aber Sie finden heute interessante Firmen im Technologie-Bereich, etwa STMicroelectronics: deren KGV war damals bei 50, heute ist es bei normalen Werten um 10 mit einer guten Dividendenrendite. Und, ganz pauschal: Frankreich ist heute bezogen auf die Zinsen eher ein nordeuropäisches Land, bei den Aktienbewertungen aber ein südeuropäisches. Barthels: Mit Verlaub – auf der Rentenseite würde ich Frankreich nicht mehr dem Kernbereich der Eurozone zuordnen. Die politischen Bestrebungen deuten eher darauf hin, dass man sich bei der Schuldenproblematik in Richtung Südeuropa orientiert – mit potenziellen Konsequenzen auch für die Zinsmärkte. Insofern wäre ich beim jetzigen Zinsspread von 56 Basispunkten für französische Staatsanleihen eher ein Verkäufer.

Champigneulle: Wobei für uns die politische Situation in Frankreich ebenfalls nicht so wichtig ist, da wir bereits seit Jahren ausschließlich in Unternehmensanleihen investieren.