Vertriebstrends „Wir beschäftigen uns auch mit Crowd-Funding“

Anselm Gehling, Dr. Peters Gruppe

Anselm Gehling, Dr. Peters Gruppe

In Ihrem Empfang zeigt ein riesiger Bildschirm, wo sich die Schiffe Ihrer früher aufgelegten Fonds gerade befinden. Werden Schiffsfonds jemals wieder für Investoren interessant?

Anselm Gehling: Manche Investoren beschäftigen sich schon seit geraumer Zeit wieder mit Schiffsbeteiligungen. Institutionelle Investoren aus Großbritannien etwa suchen Anlagen mit laufendem Cash Flow, um einen Ausgleich zu schaffen zu den schlecht performenden Investmentfonds. Versicherer und Pensionskassen legen einen Teil ihres Kapitals gezielt in Schiffe, Flugzeuge und Erneuerbare Energien an. Sie sind exzellent vorbereitet und verstehen die volkswirtschaftlichen Zusammenhänge - daher erkennen sie auch die Chancen von Investitionen auf den Schiffsmärkten.

Das Geschäft mit Institutionellen erscheint für Fondsinitiatoren attraktiv, bringt allerdings deutlich weniger Marge für ein Emissionshaus.

Gehling: Wir bekommen vorne weg Gebühren von maximal 2 Prozent, die wir uns mit dem Vertrieb teilen. Darüber hinaus profitieren wir von einer angemessenen Managementvergütung. Wir sind an langfristigen Erträgen interessiert, die unseren eigenen Unternehmenswert langfristig positiv beeinflussen.

Dennoch haben Sie nach der Platzierung Ihres jüngsten Flugzeugfonds auch weitere AIF für private Investoren angekündigt.

Gehling: Wir möchten das Geschäft mit Institutionellen ausbauen und gleichzeitig weiterhin Produkte für Privatanleger anbieten. Unser Ziel für 2017 ist es, institutionelle wie private Investoren über AIF zu bedienen. Dafür haben wir unsere KVG gegründet. Angleichen werden wir dabei das Reporting, werden es sachlicher und weniger emotional gestalten.

Welche Assets stehen dabei im Fokus?

Gehling: Bei Immobilien sehen wir Chancen in Fachmarktzentren, Hotels und Logistik, mit Abstrichen auch bei Pflegeimmobilien. Büros halten wir für überteuert, und den Wohnungsmarkt sehen wir unter Investmentgesichtspunkten ebenfalls als gesättigt an. Im Unterschied zu früher, können wir uns durchaus vorstellen, in Projektentwicklungen zu investieren. Das Entwicklungsrisiko muss dabei aber mit ein bis zwei Faktoren belohnt werden.

Und abseits von Immobilien?

Gehling: Wir haben einen Triebwerks-Spezialisten eingestellt, weil wir in diesem Bereich gute Gelegenheiten erkennen. Aktuell verhandeln wir ein erstes Turbinen- Portfolio. Außerdem würden wir gerne einen weiteren Fonds mit einer Boeing 787 anbieten, dem Dreamliner, auch für private Zeichner. Aber der Markt ist derzeit sehr umkämpft.

Der Dreamliner ist ein Flieger von Boeing. Sie haben in der Vergangenheit auch Fonds mit dem Airbus A380 platziert. Wie sehr belastet Airbus mit seinen Aussagen zum A380 das Geschäft?

Gehling: Was fehlt, ist ein klares Statement von Airbus, wie es mit dem A380 weitergeht. Fluggesellschaften tun sich schwer mit dem Kauf, die Banken mit der Finanzierung. Schätzungsweise 50 bis 60 Prozent der Flieger befinden sich in den Bilanzen der Airlines. Da stellt sich die Frage nach der Bewertung. An einen A380 für Investoren ist dabei derzeit nicht zu denken.

Wie erreichen Sie Ihre potenziellen Privatkunden, nachdem sich Banken zunehmend als Vertriebspartner verabschiedet haben?

Gehling: Bei vielen Banken ist die Situation gegenwärtig ungeklärt. Einige haben den Vertrieb von Sachwertprodukten eingestellt, andere zögern noch, den Vertrieb wieder aufzunehmen. Bei freien Vermittlern ist die Situation anders. Wir haben einen Stamm von herausragenden, freien Vertriebspartnern, mit denen wir Kundeninteressen bedienen können. Für die freien Partner stellen sich aber vermehrt der Nachwuchs und auch die Nachfolge als Problem dar. Wer zum Beispiel aus Altersgründen ausscheidet, hinterlässt Kunden, die nicht unbetreut bleiben dürfen. Da wollen wir künftig mit neuen Modellen helfen. Schließlich beschäftigen wir uns intensiv mit neuen Vertriebsformen, wie beispielsweise das Crowd-Funding. Die nachfolgende Generation der Fondszeichner informiert sich selbstständig und trifft ihre Entscheidung vielfach ohne Berater.

Stichwort Digitalisierung.

Gehling: Genau. Mit Social Media und auf Online-Plattformen möchten wir Investoren auf uns und unsere Produkte aufmerksam machen. Sie sollen sich digital informieren und, im besten Fall, auch online beitreten können.

Der Artikel stammt aus DER FONDS Brief Nr. 279. Mehr Infos: www.rohmert-medien.de/fondsbrief