„Vielen Verwaltern fehlt der Mut“

Andreas Leckelt

Andreas Leckelt

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DAS INVESTMENT.com: Glückwünsch zum zweiten Titel als Vermögensverwalter des Jahres. Wie kam’s dazu?

Andreas Leckelt: Wir haben uns 2012 bereits früh und sehr klar zugunsten deutscher Aktien und europäischer Banken positioniert, Erstere sogar teilweise über einen ETF gehebelt. Dass die Wertentwicklung des Dax 2012 bei gut 30 Prozent lag, hat uns in die Karten gespielt.

DAS INVESTMENT.com: Einige Wettbewerber haben Ihre Übergewichtung deutscher Aktien kritisiert. Verstehen Sie das?

Leckelt: Nein, denn um Wettbewerbe wie die Depot-Meisterschaft zu gewinnen, muss man eine klare Meinung haben. Vielen Verwaltern fehlt der Mut dazu. Dabei wollen Anleger heutzutage eine klare Meinung hören. Das ist auch das Erfolgsrezept von Bert Flossbach und Edouard Carmignac. Die Risiken der jeweiligen Überzeugung müssen natürlich klar aufgezeigt werden. Die Zeiten einer naiven Streuung sind aber vorbei. Die kostet Performance und bietet in Zeiten hoher Korrelationen keinen Risikoschutz.

DAS INVESTMENT.com: Auf welche Überzeugung setzen Sie bei der kommenden Depot-Meisterschaft?

Leckelt: Unser Schwerpunkt für 2013 liegt auf Aktien, und da besonders auf den Schwellenländern. Der erste Teil der Rally läuft erfahrungsgemäß in den etablierten Ländern ab. Die Bewertungen sind dort aber nicht mehr so günstig. Die Märkte sind also in Bewegung gekommen. Der zweite Teil der Rally dürfte jetzt in den Schwellenländern folgen. Vor allem setzen wir auf den Konsum in China und glauben an ein Comeback von US-Technologieaktien.

DAS INVESTMENT.com: Und bei Anleihen?

Leckelt: Die Nische, die wir noch auf der Rentenseite spielen, sind die Frontier Markets. Da holen wir uns beispielsweise nigerianische Staatsanleihen ins Portfolio. Generell sind wir aber sehr negativ eingestellt. Vorstellen können wir uns, dass sich dieses Jahr mit Hochzinsanleihen noch mal rund 5 Prozent Ertrag erzielen lassen. Aber auch die dürften sich in der Endphase der Rally befinden.

DAS INVESTMENT.com: Mischfonds entwickelten sich zuletzt wegen der Anleihe-Rally außergewöhnlich gut. Ist dort ein Ende in Sicht?

Leckelt: Klassische Mischfonds und einfache Risk-Parity-Konzepte gehen schweren Zeiten entgegen. Fondsmanager, die zuletzt den Großteil ihrer Rendite mit Anleihen erzielt haben, müssen sich künftig wohl stärker auf die Steuerung der Aktienquote konzentrieren, um ähnliche Renditen zu erreichen. Das erhöht das Risiko und macht die Fondsstrategie zu einer völlig neuen. Folglich sollten vergangene Wertentwicklungen der Fonds künftig bei der Auswahl nur noch eine untergeordnete Rolle spielen.