Völlig losgelöst? Aus diesen Gründen steigt der Dax

Burkhard Wagner, Vorstand von Partner Vermögensmanagement in München

Burkhard Wagner, Vorstand von Partner Vermögensmanagement in München

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Deutschlands Aktien scheinen sich von den wirtschaftlichen Rahmenbedingungen abzukoppeln. Nach der stärkeren Korrektur im Sommer stabilisiert sich der Dax trotz weiterer Eintrübungen im konjunkturellen Umfeld und einer unverändert schwierigen geopolitischen Lage in den Krisengebieten im Nahen Osten und in Russland. Es ist Zeit, sich einmal mit den Hintergründen dieser Aufwärtsentwicklung auseinander zu setzen:

Währung/Konjunktur:

Derzeit läuft eine groß angelegte Spekulation gegen den Euro. Amerikanische Hedge-Fonds-Investoren spekulieren wieder verstärkt auf eine Euro-Abwertung. Experten sprechen von dreistelligen Milliardenbeträgen in Form von Euro-Short-Positionen. Das wäre der höchste Wert seit August 2012.

Damals tobte die Euro-Schuldenkrise und Notenbankchef Draghi hielt seine Euro-Brandrede, in der er versicherte „alles Notwendige für den Erhalt des Euro zu tun...“ Grund für die erwartete Währungsschwäche ist eine deflationäre Abwärtsspirale in Europa. Deutschland und Italien hatten bereits im zweiten Quartal über „Negativ-Wachstum“ berichtet.


Quelle: vwd portfolio manager

Einige Marktteilnehmer gehen mittlerweile fest von einer erneuten Rezession in Europa aus. Der ifo-Index befindet sich aktuell auf 17-monats-tief und die deutschen Unternehmen haben kaum Hoffnung auf Wachstum. Allerdings investieren deutsche Firmen Rekordsummen in die USA. Allein 2014 mehr als 70 Milliarden US-Dollar. Prominente Vertreter sind hier zum Beispiel Siemens, Bayer und Merck.

Der Euro hat bereits in den vergangenen Wochen gegen alle anderen Währungen abgewertet. Bei insgesamt zufriedenstellender Weltkonjunktur entstehen somit bessere Wettbewerbsaussichten für deutsche Exportprodukte.

Zinsen:

Die Europäische Zentral Bank (EZB) war gefordert. Notenbankchef Draghi sah eine unmittelbare Deflationsgefahr für Europa und hat Anfang September reagiert.

Neben der weiteren Reduzierung des Leitzinses wurde der Negativzins für Bankeinlagen erhöht. Gleichzeitig beschloss der EZB-Rat den Ankauf von Kreditpaketen und Pfandbriefen, um die lahmende Kreditvergabe endlich in Schwung zu bringen. Die Börse reagierte begeistert. Allerdings gibt es auch zahlreiche Stimmen, die vor solchen Anleihekaufprogrammen warnen. Immerhin werden hier Beträge von bis zu einer Billion Euro genannt.

Aller Voraussicht nach wird ein größerer Teil wieder in die Anlagemärkte fließen. Bei Nahe-Nullzinsen für Staatsanleihen und minimalen Zinsaufschlägen für Unternehmensanleihen mit guter Bonität ist daher mit weiteren Kursaufschlägen in den Aktienmärkten zu rechnen.