Volker Schilling „Interessante Wandlung“: Das ändert sich beim J.P.Morgan Europe Equity Absolute Alpha

Volker Schilling, Vorstand der Investmentboutique Greiff Capital Management und Redakteur von DER FONDS ANALYST | © Conny Ehm Photography

Volker Schilling, Vorstand der Investmentboutique Greiff Capital Management und Redakteur von DER FONDS ANALYST Foto: Conny Ehm Photography

Wenn wir die Dynamik am Markt europäischer Long/Short-Fonds als Gradmesser für ein sich veränderndes Marktumfeld nehmen, dann ist tatsächlich etwas im Busch! Junge Manager mit neuen Fondsideen, etablierte Hedgefondsmanager mit angepassten UCITS-Strategien, Value/Growth, systematisch oder eher spontan, Makro oder Bottom-Up: Die Begrifflichkeiten sind zwar alle irgendwo definiert, doch wer nicht tief in der Materie steckt, dem mag das Vokabular der Fondsgattung Long/Short-Aktien doch fremd vorkommen. Wie soll der interessierte Leser/Investor mit der Vielzahl der Angebote umgehen? Wir möchten Sie dabei unterstützen und vor allen Dingen ehemals präsentierte Anlagekonzepte auch immer mal wieder einem Boxenstopp unterziehen. Da passt es hervorragend, dass einer der erfolgreichsten Long/Short-Fonds des Jahres 2015, der JPMORGAN FUNDS – EUROPE EQUITY ABSOLUTE ALPHA FUND (WKN A1W 91L), per 12.01.2017 wieder erwerbbar ist oder neudeutsch: Hard Closing Status aufgehoben – Fondsanteile können unbegrenzt erworben werden.

Wir rufen uns den Ansatz nochmals in Erinnerung: Der Investmentprozess des Fonds von Nicholas Horne und Michael Barakos verfolgt einen konsequenten Bottom-up-Ansatz und beachtet drei Säulen, die bei der Aktienselektion wegweisend sind. Wir sprechen von der Bewertung, der Qualität und dem Momentum einer Aktie. Die richtige Kombination dieser drei Kriterien hat sich in der Vergangenheit als sehr effektiv dargestellt, senkte die Schwankungsbreite und erhöhte die Rendite der danach gesteuerten Portfolios. Andere Faktoren wie beispielsweise Makrodaten werden seitens des Managements berücksichtigt, stellen aber nicht die gewonnenen Erkenntnisse der ersten Selektionsschritte infrage. Die maximale Gewichtung einer Aktie liegt bei +/- 5 Prozent, die der Sektoren bei +/-15 Prozent und die der Länder ebenfalls bei +/-15 Prozent. In der simulierten Rückbetrachtung zwischen 2009 und 2013 erzielte die Strategie 12 Prozent Performance bei 8 Prozent Volatilität.

Im ersten vollen Kalenderjahr nach Auflage (2014) erzielte der Fonds satte 20 Prozent Wertzuwachs, hatte dabei kein negatives Monatsergebnis und dies mit einem marktneutral ausgerichteten Portfolio. In der Folge häuften sich die negativen Ergebnisse, das Long-Portfolio zeigte sich bezüglich der Wertbeiträge wechselhaft und konnte die negativen Resultate des Short-Portfolios zuletzt nicht mehr kompensieren, kurz gesagt: Es war irgendwie der Wurm drin! So kam es wie es kommen musste, 2016 standen rund 8 Prozent Verlust zu Buche und dies – Anlagehorizont hin oder her – führt bei sensiblen Investoren zu Unmut und resultiert letzten Endes in Mittelrückflüssen. Des einen Leid, des anderen Freud.

Die Halbierung des Fondsvolumens auf rund 430 Millionen EUR nahm die Gesellschaft zum Anlass, den Fonds wieder zu öffnen! Hier finden wir uns nun wieder und schärfen den Blick: Denn das Portfolio des JPMORGAN FUNDS – EUROPE EQUITY ABSOLUTE ALPHA FUND hat eine interessante Wandlung genommen! Gemäß den Kriterien Bewertung, Qualität und Momentum landen die Fondsmanager nun Treffer in Sektoren, die in den vergangenen Jahren bevorzugt Verkaufskandidaten offenbarten. Konkret: Barakos und Horne kaufen gemäß ihrem Selektionsprozess nun verstärkt Bankaktien, Kapitalgüter, Rohstofftitel und Technologiewerte. Auch das Bruttoexposure des Fonds erhöhte sich zum Jahreswechsel von 200 auf 227 Prozent, was als Zeichen dafür zu werten ist, dass sich die Volatilität des Portfolios stabiler zeigt und der Markt im Aufschwung ist.

Beachtenswert ist: Neben der systematisch bedingten Nähe des Fonds zu Zyklikern, sind auch taktisch agierende Manager wie Paul Casson von Artemis oder John Bennett von Henderson im vergangenen Jahr sukzessive ins „Value-Lager“ gerückt. Nun noch die beachtenswerte Wandlung des J.P. Morgan Portfolios hin zu mehr Industrie und Finanzwerten, also klassisch konjunktursensitiven Titeln, denen eine Erholung der Wirtschaft überproportional gut täte. Genug davon an dieser Stelle, die Entwicklung der Kategorie werden wir in diesem Jahr jedoch aufmerksam verfolgen. Auf nach Köln.

Diese Analyse erschien zuerst in DER FONDS ANALYST – dem zweimal monatlich erscheinenden Informationsdienst für professionelle Investmentstrategien in internationalen Aktien-, Renten- und Spezial-Fonds. Herausgeber ist die Greiff capital management AG, Investmentmanager und Analyst für fondsbasierte Anlagestrategien. Verantwortlicher Redakteur ist Edgar Mitternacht, Vorstand und Portfoliomanager weitere Redakteure: Volker Schilling, Vorstand und Portfoliomanager, und Robert Habatsch, Portfoliomanager. Unter https://twitter.com/DERFONDSANALYST können Sie DER FONDS ANALYST auf Twitter folgen.