Vom wüsten Wahlkämpfer zum Wirtschaftshelden Neuer US-Wirtschaftsboom dank Donald Trump

Stephan Albrech, Vorstand der Albrech & Cie. Vermögensverwaltung AG

Stephan Albrech, Vorstand der Albrech & Cie. Vermögensverwaltung AG

So unglaublich es klingen mag: Als neuer US-Präsident könnte der Populist Donald Trump in den Vereinigten Staaten einen Wirtschafts-Boom auslösen, von dem Exportnationen wie Deutschland profitieren. Voraussetzung ist, dass Trump seinen angekündigten wirtschaftspolitischen Mix tatsächlich umsetzen kann und wird und ansonsten keinen (außen)politischen Schaden anrichtet.

Wird Donald Trump zum neuen US-Präsidenten gewählt, gibt es an der Börse ein Desaster – so lautete die einhellige Meinung vieler Experten. Sie haben sich ebenso geirrt wie die zahllosen Meinungsforscher, die einen Sieg des wüsten Wahlkämpfers für unmöglich hielten: Nach dem ersten Schreck haben sich die Aktienbörsen noch am selben Tag gefangen und sogar im Plus geschlossen. Drei Wochen später notiert der breite Aktienmarkt in den USA mit 2.200 Punkten auf einem neuen Allzeithoch. Da stellt sich die Frage: Auf was spekulieren die Anleger da?

Anleihe- und Goldbesitzer müssen Federn lassen

Die Antwort findet sich, wenn man die wesentlichen Anlageklassen untersucht. So sind im November die Renditen der US-Staatsanleihen gestiegen und deren Kurse gefallen. Ursache dafür dürfte sein, dass Trump die Infrastruktur mit Abermilliarden von Dollar modernisieren will. Dieses Geld muss er am Kapitalmarkt aufnehmen, was in den Augen der Anleger wohl nur zu höheren, aber noch moderaten Zinsen möglich sein wird. Wegen dieser Erwartung höherer Zinsen mussten nicht nur die Anleihe-, sondern auch die Goldbesitzer bluten. Der Grund: Bei steigenden Nominalzinsen klettert auch der Realzins, sofern es zu keiner unerwarteten und deutlichen Inflation kommt. Je höher aber der Realzins, desto uninteressanter wird Gold.

Aktienmarkt ist stark, doch die Favoriten wechseln

Gleichzeitig profitiert der Aktienmarkt von der Wahl Trumps. Jedoch zeigt unsere Sektor-Strategie für die USA, dass hinter den Kulissen ein Favoritenwechsel im Gange ist. So waren fast das ganze Jahr über die dividendenstarken Versorgeraktien stark. Nun aber übernehmen dank der gigantischen Investitionspläne zyklische Industrie-Unternehmen wie General Electric und United Technologies die Führung. Auch Finanzaktien, zu denen etwa JP Morgan Chase oder Wells Fargo zählen, zeigen Stärke: Sie profitieren von der höheren Differenz zwischen langen und kurzen Zinsen, was ihnen im klassischen Bankgeschäft zugutekommt.

Vertrauen in den Dollar zeigt Stärke der USA

Was die Finanzmärkte aber wirklich von einer Regierung Trump halten, kommt nirgends so gut zum Ausdruck wie im US-Dollar. Der sogenannte Dollar-Index, der das Verhältnis zu mehreren anderen wichtigen Währungen abbildet, hat sich nach dem steilen Anstieg im Jahr 2014 nun auf ein neues Hoch geschraubt – das Vertrauen in den Dollar ist damit so stark wie lange nicht mehr und könnte sich noch etliche Monate fortsetzen, da wichtige charttechnische Marken geknackt wurden. Unseres Erachtens müssen Anleger spiegelbildlich mit einem schwächeren Euro rechnen. Fällt der Euro unter 1,04 Dollar, kann es sogar abwärts gehen bis zum Tief von 2002 – das lag bei gut 0,85 Dollar! Für die Exportwirtschaft in der Euro-Zone wäre das ein Segen

Vom wüsten Wahlkämpfer zum Wirtschaftshelden?

Diese Dollarstärke ist, anders als 2008, nicht das Ergebnis einer globalen Risikoscheu. Unseres Erachtens zeigt sich darin vielmehr, dass die USA aus Sicht von Unternehmen und Anlegern wieder zu einem sehr attraktiven Wirtschaftsraum werden könnten. Verantwortlich dafür dürfte Trumps zweites Vorhaben – die deutliche Senkung der Körperschafts- und Einkommenssteuer – sein. Während die Infrastruktur-Projekte einen Nachfrage-Schock durch den Staat erzeugen und so Gewinne und Einkommen steigen lassen, würde die Steuerreform dazu führen, dass den Bürgern mehr Geld für ihren Konsum bleibt – was zu neuen Gewinnen und Einkommen führt.

Fazit: Wenn die Republikaner im Kongress mitziehen und ansonsten verhindern, dass der impulsive Immobilienmogul politisches Porzellan zerdeppert, könnte Trump vom wüsten Wahlkämpfer zum Wirtschaftshelden mutieren – ähnlich wie Ronald Reagan, in dessen Amtszeit (1981 bis 1989) sich der S&P 500 verdoppelte. Mit einem Unterschied: Trump hat dank der historisch niedrigen Zinsen in Sachen Verschuldung einen weit größeren Spielraum als Reagan.