Von Fluglehrern lernen So erkennen Anleger einen guten Berater

Frerk Frommholz im Cockpit eines Segelflugzeugs: Das Fliegen hat viel mit der Vermögensverwaltung gemeinsam, meint der Finanzberater und Fluglehrer

Frerk Frommholz im Cockpit eines Segelflugzeugs: Das Fliegen hat viel mit der Vermögensverwaltung gemeinsam, meint der Finanzberater und Fluglehrer

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Seit 15 Jahren bin ich Pilot von Segelflugzeugen und gebe seit einigen Jahren mein Wissen und meine Erfahrung als Fluglehrer weiter. Es zeigen sich ganz erstaunliche Analogien zwischen der Fliegerei und der honorarbasierten Beratung in Finanzdingen.

Vom Flugschüler zum Piloten

Männer und Frauen, Jungen wie Mädchen lernen bei Interesse zwischen 14 und 60 Jahren das Fliegen. Dabei nimmt regelmäßig mit steigendem Alter der Anfänger die Lern- und Sehfähigkeit ab und das Maß an Vorsicht und Vernunft zu. Konsequenterweise muss sich ein Fluglehrer den ganz unterschiedlichen Voraussetzungen des jeweiligen Alters stellen. 

Mit fortgeschrittenem Alter wird eine wachsende Sammlung an Ängsten mit ins Flugzeug geschleppt - oft entstanden aus Erfahrungen und unbekannten oder möglicherweise gefährlichen Situationen.  Auch in der Finanzberatung steigert sich die Ängstlichkeit mit dem Lebensalter. Genannt sei hier nur Karrierestress, Verpflichtungen wie Kinder, einen Kredit auf das Eigenheim und vieles mehr. Im mittleren Lebensalter sind die neuronalen Bahnen wesentlich stärker ausgeprägt, während man bei jüngeren Menschen häufig auf ein deutlich weniger vorgeprägtes Gehirn stößt, das sich leichter formen lässt.

Als guter Fluglehrer ist daher zu beachten: Bei älteren, angehenden Piloten die größeren Ängste zu berücksichtigen und diese psychologisch, fliegerisch und menschlich zu erkennen und geschickt zu meistern. Zusätzlich geht es bei der Pilotenausbildung auch darum, manche Vorprägungen - im Sinne der Flugsicherheit - gänzlich zu verändern. Dies erfordert von den Flugschülern mit reicher Lebenserfahrung, ein hohes Maß an Selbstreflektion und den eigenen Willen, sich selbst zu verändern und weiterzuentwickeln. Pilot zu werden hat auch mit einer viele Bereiche umfassenden Lebensschule zu tun. Spannend aber anstrengend.

Vom Privatanleger zum Investor

Leider sind Privatanleger, die zu uns kommen, selten im Alter um die 14 Jahre, in dem ihre neuronalen Netze Veränderungen schnell erfassen. In diesem Alter sollte es eigentlich eine ganz entscheidende Aufgabe des Bildungssystems sein, Finanzkompetenz zu vermitteln. Die moderne Lebensrealität erfordert schon sehr früh wirtschaftliche Grundkenntnisse. Stichworte wie Handyvertrag, Konsum auf Kredit oder online-Kaufverträge verdeutlichen dies. 10 Jahre nach meinem Abitur kann ich festhalten, dass  eine gehörige Portion Finanzbildung für das wirkliche Leben in vielen Fällen hilfreicher gewesen wäre, als die dritte Gedichtinterpretation oder Spanisch als vierte Fremdsprache.