VZBV-Chef zum Thema Riester Klaus Müller fordert „Provisionsverbot bei allen Anlageprodukten“

Klaus Müller ist Vorstand des Verbraucherzentrale Bundesverbands: Um Vorsorgeprodukte attraktiver zu machen, müsse man die Provisionen abschaffen, sagt er. | © VZBV, Gert Baumbach

Klaus Müller ist Vorstand des Verbraucherzentrale Bundesverbands: Um Vorsorgeprodukte attraktiver zu machen, müsse man die Provisionen abschaffen, sagt er. Foto: VZBV, Gert Baumbach

In einem Interview mit dem Magazin Wirtschaftswoche sprach der Chef des Verbraucherzentrale Bundesverbands (VZBV), Klaus Müller, über die Riester-Rente: „Riester war gut gemeint, aber grottenschlecht umgesetzt. Die Finanzprodukte sind einfach zu teuer und zu kompliziert“, sagte er. Kunden wollten einfache Produkte, denen sie vertrauen könnten.

Sein Lösungsvorschlag: keine Vertriebs- und Marketingkosten mehr. Und: „Wir brauchen ein Provisionsverbot – bei allen Anlageprodukten.“ Noch bekämen die Kunden hauptsächlich das verkauft, was die meiste Provision bringe, so Müller im Interview. „Ohne Provision gebe es sicher weniger Berater, aber die Qualität wäre höher.“ Dazu nannte er Beispiele aus Großbritannien und den Niederlanden. Auch von Online-Portalen als Informationsquelle für Versicherte sei er mittlerweile recht angetan.

Zudem nannte er das Thema Garantien – als Verbraucherschützer ein überraschender Kritikpunkt. 

Müller begründete das so: „Wir sind nicht gegen Garantien, sondern für eine ehrliche Debatte darüber. Viele Verbraucher wünschen sich Garantien in der Ansparphase ohne zu wissen, wie viel Rendite sie tatsächlich kosten. Das sollten wir ihnen erklären, damit sie entscheiden können, wie viel ihnen eine solche Absicherung wert ist.“

Mit einem neuen Namen und einem völlig anderen könne das Konzept der Riester-Rente wiederbelebt werden, so Müller.

Wie das seiner Meinung nach aussehen sollte? Wie in Schweden. Da „gibt es für alle Arbeitnehmer einen Fonds für die private Altersvorsorge. Er ist staatlich aufgesetzt und wird größtenteils privat gemanagt. Er kommt ohne Garantien in der Sparphase aus, hat niedrige Kosten und deutlich höhere Renditen als unsere Riester-Produkte“, erklärte der VZBV-Chef der Wirtschaftswoche.

Und weiter:  

Beim schwedischen Modell könnten die Anleger statt im Standard-Altersvorsorgeprodukt ihr Geld auch in rund 800 verschiedene private Fonds anlegen. „Nur ein Bruchteil tut dies — weil der Standard-Fonds so erfolgreich ist. Es hat sich gezeigt, dass Zuschüsse und Steuervorteile als Anreize nicht reichen. Auch die Rendite und damit die Qualität der Finanzprodukte muss stimmen“, schlussfolgert der Verbraucherschützer.