Wachstum anstreben – zum richtigen Preis Die Value-Growth-Debatte geht weiter

Ken van Weyenberg ist Anlagespezialist bei Candriam Investors Group (Foto: Ans Brys)

Ken van Weyenberg ist Anlagespezialist bei Candriam Investors Group (Foto: Ans Brys)

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Auf eine signifikante Beschleunigung des US-Wirtschaftswachstums im zweiten Halbjahr 2013 (plus 3,3 Prozent auf Jahresbasis) folgte ein dramatischer Einbruch im ersten Quartal 2014 ( minus 2,9 Prozent auf Jahresbasis).

Diese Under-Performance, die größtenteils auf die ungünstigen Witterungsbedingungen zurückzuführen war, hatte wesentliche Auswirkungen auf die Aktienmärkte.

US-amerikanische “Growth-Aktien” (im MSCI USA Growth gelistet), die bis Anfang März Quelle einer starken Markt-Performance waren, verloren im Rahmen der Korrektur, die zwischen Anfang März und Mitte April aufgrund der Spannungen in der Ukraine erfolgte, rund 6 Prozent.

“Value-Aktien” (MSCI USA Value) blieben dagegen über diesen Zeitraum mehr oder weniger unverändert. Diese ausgeprägte Rotation, die für viele Aktienanleger überraschend kam, war jedoch nur von kurzer Dauer. Nach der Korrektur holten die Growth-Aktien die Value-Aktien wieder ein (und schlossen bis Ende Juli die Lücke von etwa 8 Prozent).



In Europa ist der Trend jedoch weniger offensichtlich. In der ersten Phase der Markt-Rallye und bis Ende Februar übertrafen Value-Aktien (MSCI Europe Value) Growth-Werte  (MSCI Europe Growth) und während der ersten Korrektur war der Unterschied zwischen den beiden Anlagestilen vernachlässigbar.

Seit der Jahreswende beträgt der Unterschied, obwohl europäische Value-Aktien etwas zugelegt haben, unter 1 Prozent (berücksichtigt man die Dividendenerträge, so war die Performance von Value-Aktien etwa 2 Prozent besser).

Zusammensetzung von Value- und Growth-Index

Viel hängt offensichtlich von der Zusammensetzung der MSCI-Indizes ab. Die Auswahl des Value-Index beruht auf drei Variablen: Kurs-Buchwert-Verhältnis, geschätztes Kurs-Gewinn-Verhältnis und Dividendenertrag.

Die Auswahl von Growth-Aktien basiert auf verschiedenen Faktoren, darunter langfristiger Gewinn, kurzfristige Gewinnschätzungen, interne Wachstumsrate und langfristiges Umsatzwachstum.

Keine Überraschung: In den Vereinigten Staaten führen insbesondere die Sektoren Finanzen, Gesundheitsfürsorge und Verbrauchsgüter im MSCI USA Value, während der Growth-Index mehr an IT und Luxusgütern orientiert ist.

In diesem Artikel geht es jedoch hauptsächlich um Europa, wo der Unterschied zwischen den beiden Anlagestilen nicht so eindeutig ist. Der Value-Index umfasst in Europa insbesondere Titel aus den Bereichen Finanzen, Energie und Rohstoffe, während der Growth-Index überraschenderweise viele Verbrauchsgüter- und Gesundheitsdienstleister-Aktien enthält.

Ebenfalls bemerkenswert ist das Fehlen von Versorgungsunternehmen in den Growth-Indizes, sowohl in den USA als auch in Europa. Seit Jahresbeginn schnitt der Versorgungssektor in beiden Regionen am besten ab und brachte 12 bis 15 Prozent (per 31.07.2014).