Wachstumsmotor China: Reich in der Mitte

Wer sich eine Rolex-Uhr leisten kann, kauft sich auch eine. <br> Chinesen auf Shopping-Tour durch die Nanjing Road. <br> Quelle: Getty Images

Wer sich eine Rolex-Uhr leisten kann, kauft sich auch eine.
Chinesen auf Shopping-Tour durch die Nanjing Road.
Quelle: Getty Images

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East Nanjing Road ist eine der teuersten Einkaufsstraßen der Welt. Umgerechnet 238 Euro pro Quadratmeter zahlen Pächter monatlich, um ihre Waren und Dienstleistungen an der begehrten Luxusmeile in Schanghai anbieten zu dürfen. An kaufkräftigen Kunden mangelt es den Ladenbesitzern nicht: Hunderte neureicher Chinesen strömen täglich in die Boutiquen, um sich mit Louis-Vuitton-Taschen, Hugo-Boss-Anzügen, Prada-Stiefeln und Hermès-Kleidern auszustatten.

Spielkasinos und Restaurants der gehobenen Preisklasse sind ebenfalls gut besucht. Die schöne, neue Konsumwelt hat längst eine der letzten Hochburgen des Kommunismus erreicht – sehr zur Freude westlicher Fondsmanager. „China könnte das größte Investment-Thema im kommenden Jahr werden“, prognostiziert Investmentlegende Anthony Bolton, Ex-Manager des Fidelity European Growth und heute für den nur in Großbritannien vertriebenen China Special Situations Fonds der Gesellschaft verantwortlich. Zweistellige Wachstumszahlen und das Verhalten westlicher Investoren, die fieberhaft chinesische Vermögenswerte kaufen, haben den Asien-Experten überzeugt. „Ich habe es noch nie erlebt, dass so viel Geld so schnell von einem Ende der Welt ans andere fließt“, sagt er.

Für die Begeisterung der Investoren gibt es gute Gründe: Kaum ein anderes Land wächst derart rasant wie China – und keines ist auch nur annähernd so groß.

Ashley Davies, China-Analyst bei der Commerzbank, rechnet für 2011 mit einer Wachstumsrate von 8,2 Prozent. Andere Experten gehen von 7 bis 8 Prozent aus. Das mag im Vergleich zu den 2010er-Zahlen mager aussehen, da waren es nach jüngsten Schätzungen 10,2 Prozent. Im Vergleich zu westlichen Industrieländern, deren Wirtschaft jährlich nur um etwa 2 Prozent wächst, erscheinen jedoch auch diese Wachstumsraten enorm. 2009 löste China Deutschland als Exportweltmeister ab

Den größten Beitrag des chinesischen Bruttoinlandprodukts (BIP) liefern Exporte. Kaum ein Spielzeug, Autoradio oder Oberhemd aus dem günstigen Preissegment, das derzeit nicht aus China stammt. Bereits 2009 löste China Deutschland als Exportweltmeister ab. Denn durch die sehr geringen Löhne war die Volksrepublik in den vergangenen Jahren stets in der Lage, Massenware zu unschlagbar günstigen Preisen zu produzieren. Doch auch wenn die Löhne und Gehälter chinesischer Arbeitnehmer im internationalen Vergleich nach wie vor niedrig sind, steigen sie kontinuierlich. Hat ein durchschnittlicher Arbeitnehmer 1979 noch gerade einmal 668 Yuan verdient, kam er 30 Jahre später fast auf das 50-Fache: 32.736 Yuan. Allein in den fünf Jahren zwischen 2004 und 2009 hat sich das durchschnittliche Einkommen verdoppelt. Zum Vergleich: In Deutschland sind die Löhne seit 1979 um 173 Prozent gestiegen, von 2004 bis 2009 um gerade einmal 10 Prozent.