Wachstumstreiber Konsum Europas Verbraucher sind in Hochstimmung

Im Frühjahr herrschte noch Shopping-Laune auf der Oxford Street in London: Die Verbraucherstimmung in der Eurozone verbessert sich stetig – nur in UK ist der Konsum unter Druck.  | © Getty Images

Im Frühjahr herrschte noch Shopping-Laune auf der Oxford Street in London: Die Verbraucherstimmung in der Eurozone verbessert sich stetig – nur in UK ist der Konsum unter Druck. Foto: Getty Images

Der Fidelity-Frühindikator hat sich im Juli kaum bewegt. Insgesamt lässt die wirtschaftliche Dynamik jedoch nach. Nur im Teilbereich Konsum und Arbeitsmarkt steckt noch ausreichend Musik drin. Hier fließen sowohl Umfrageergebnisse zur Verbraucherstimmung als auch harte Daten zur Arbeitslosigkeit ein. Für Anna Stupnytska ist der Fokus auf den Konsum ein Zeichen zur Vorsicht, auch wenn die Volkswirtin von Fidelity International darin noch nicht unbedingt Vorboten einer Rezession sieht: „Wenn der Konsumbereich sich sehr stark entwickelt, während andere Indikatoren nachlassen, ist das ein typisches Zeichen für die Spätphase eines Zyklus.“ Erst im Laufe des Jahres werde sich jedoch zeigen, ob wir es tatsächlich mit einem Zyklusende oder einer Verlangsamung in einer mittleren Phase zu tun haben.

Konsumparty in der Eurozone, schwache Währung auf der Insel

Optimistisch stimmt sie vor allem die Lage in Europa. Die rückläufige Arbeitslosigkeit und niedrige Inflation treiben den Konsum an. „Die Eurozone startet mit großer Wachstumsdynamik ins zweite Halbjahr. Die Verbraucherstimmung hat sich stetig verbessert und im Juni ein Nachkrisen-Hoch erreicht. Seit 2007 waren die Konsumenten nicht mehr so zuversichtlich. Nicht nur der aktuelle Stimmungsindikator, sondern auch die Pläne für größere Anschaffungen in den kommenden zwölf Monaten sind auf einem so hohen Wert wie seit zehn Jahren nicht mehr. „Das ist die Folge der anhaltenden Fortschritte auf dem Arbeitsmarkt, der insgesamt besseren Aussichten für die Wirtschaft sowie der schwindenden politischen Risiken“, listet Stupnytska auf.

Verhaltener ist ihre Einschätzung für Großbritannien. Hier war der Konsum immer ein wichtiger Teil der Wirtschaft, vor allem nach dem Brexit-Votum hat er das Wachstum am Laufen gehalten. „Seitdem hat die Abwertung des Pfund Sterlings die Inflation nach oben getrieben und zu real schrumpfenden Löhnen geführt. Das bringt den Konsum unter Druck“, beobachtet Stupnytska. Damit sich die britische Wirtschaft nicht weiter abkühlt, müssen ihrer Ansicht nach andere Bereiche wie das verarbeitende Gewerbe und die Exportwirtschaft einspringen.

Leichte Konsummüdigkeit in den USA

Im Shopping-Land USA ist das Verbrauchervertrauen nach wie vor hoch. Allerdings sieht Stupnytska Anzeichen, dass die Konsumausgaben in den kommenden Monaten sinken könnten. Das Umsatzwachstum im amerikanischen Einzelhandel war schon im Mai und Juni rückläufig. Der Markit-Einkaufsmangerindex für Konsumgüterbestellungen fiel auf den niedrigsten Wert seit 2015. Auch das reale Gewinnwachstum war im ersten Halbjahr eher träge, allerdings hat es jüngst wieder etwas angezogen, nachdem die Inflation gesunken ist. Vor dem Hintergrund der Rekord-Autoverkäufe in den vergangenen Jahren überrascht es Stupnytska kaum, dass einige Kennziffern im Konsumbereich nachgeben. Sie erwartet, dass auch im Laufe des restlichen Jahres die US-Wirtschaft eher negativ überraschen wird. „Das stellt die US-Notenbank vor ein Dilemma. Sie müsste in ihrem Zinserhöhungszyklus pausieren und ihren Kurs neu überdenken“, meint die Fidelity-Expertin.

Chinas Umorientierung Richtung Konsum läuft

In China hat der Konsum noch einen besonderen Stellenwert. Lange war das Wirtschaftswachstum durch Investitionen und Exporte getrieben. Erst seit einigen Jahren versucht die Regierung, den Konsum stärker in den Vordergrund zu rücken. „Es gibt einige Anzeichen, dass dieser Wechsel bei den Wachstumstreibern stattfindet, allerdings erfolgt er sehr langsam. „Der Anteil des privaten Konsums am Bruttoinlandsprodukt liegt mittlerweile bei über 40 Prozent. Auch andere Faktoren wie Online-Verkäufe und das Verbrauchervertrauen lassen auf einen regen chinesischen Konsumenten schließen“, argumentiert Stupnytska. Die gute wirtschaftliche Lage habe es der Regierung erlaubt, die Geldpolitik zu straffen und das Kreditwachstum einzudämmen. Ob sich diese Maßnahmen positiv auf das Wirtschaftswachstum auswirken, werde sich aber erst Ende 2017 oder Anfang 2018 zeigen.