Wachtendorf-Kolumne Altersvorsorge à la Marc Faber – keine gute Idee

Egon Wachtendorf, Chefredakteur DER FONDS | © Axel Baumhöfner

Egon Wachtendorf, Chefredakteur DER FONDS Foto: Axel Baumhöfner

Mit seinen Marktprognosen liegt Crash-Prophet Marc Faber – von wenigen Ausnahmen abgesehen – seit 25 Jahren permanent daneben. Und auch mit folgender Aussage erweist er der angesprochenen Zielgruppe kaum einen Gefallen. „Die junge Generation tut mir leid“, gab er jüngst gewohnt provokant dem Nachrichten-Portal Business Insider zu Protokoll. Junge Menschen verdienten in Relation weniger Geld als damals ihre Eltern und hätten zudem heute kaum eine Möglichkeit, dieses Geld zu vermehren.

Doch war in den 90ern, was die Themen Vermögensaufbau und private Vorsorge angeht, wirklich alles besser? Natürlich, Nullzins war ein Fremdwort und bei „Systemkrise“ fiel einem bestenfalls der gerade zu Grabe getragene Kommunismus sowjetischer Prägung ein. Aber sonst?

Wer damals etwas fürs Alter zurücklegen wollte, tat dies im Rahmen einer klassischen Lebensversicherung und wird damit bei Fälligkeit im Jahre 2025 oder 2030 trotz günstigerer Voraussetzungen als heute kaum reich werden. Wobei diese Gruppe im Vergleich zu jenen Sparern, die 1991 oder 1992 in die damals so beliebten Ost-Immobilien investierten oder den Steuerspar-Versprechungen der Göttinger Gruppe und anderen Abzockern des Grauen Kapitalmarkts auf den Leim gingen, allemal das bessere Ende für sich hat.

Und was ist mit jenen, die noch cleverer zu sein glaubten und ihr überschüssiges Geld an die Börse getragen haben? Wer unverschämtes Glück hatte, konnte das Thema Altersvorsorge mit einer einmaligen Investition von wenigen tausend Euro abhaken – die Amazon-Millionäre lassen grüßen. Landete aber stattdessen die Aktie der Deutschen Telekom oder von EM.TV im Depot, war der Traum vom sorgenfreien Ruhestand recht schnell wieder zu Ende.

Das Einzelwertrisiko durch den Kauf eines Fonds zu reduzieren, war schon damals eine gute Idee. Allerdings half ihre Umsetzung herzlich wenig, wenn der Sparer dem Zeitgeist und auch so mancher Berater-Empfehlung folgte und sein Geld erst einem Neue-Markt-Fonds, dann einem der total hippen Total-Return-Produkte und schließlich ab 2007 angesichts der fast schon hysterisch geführten Peak-Oil-Debatte einem Rohstoff-Investment anvertraute.

Ja, es ist anno 2017 für einen 25- oder 30-jährigen Millenial nicht leicht, sein Geld nachhaltig und vor allem sicher zu vermehren. Doch war dies 1991 oder 1999 auch nicht viel einfacher. Immerhin können die Jungen aus den Fehlern der Eltern-Generation lernen. Und eine der Lehren lautet: Wenn plötzlich alle das Gleiche tun, kommt selten etwas Gutes dabei heraus. Das sollte bedenken, wer heute als Berufseinsteiger im Blätterwald die x-te Abhandlung darüber liest, für die private Altersvorsorge gäbe es nichts Besseres als ETF-basierte Fondssparpläne.

Davon abgesehen bleibt es natürlich eine gute Idee, zu diesem Zweck auf breit – aber nicht zu breit – streuende Investmentfonds zurückzugreifen. Sich von Miesepetern wie Marc Faber abschrecken zu lassen und überhaupt nichts mehr zu tun, ist jedenfalls keine Alternative.