Wachtendorf-Kolumne Deutschlands Ausgaben-Millionäre und die Altersarmut

Egon Wachtendorf, Chefredakteur DER FONDS

Egon Wachtendorf, Chefredakteur DER FONDS

Der Zinseszinsrechner, in fernen D-Mark-Zeiten Anfeuerungs-App auf dem Weg zur ersten Million, ist zum Motivations-Killer geworden. Geld zurücklegen für die Altersvorsorge? Weil in 35 Jahren bei einem Zinssatz von 0,5 Prozent aus 10.000 Euro 11.907 Euro werden? Ein schlechter Witz.

Natürlich, wer 35 Jahre lang Zeit hat, darf in diesem Animations-Spiel auch weiter mit 6 Prozent rechnen. Das ist nach wie vor ein realistischer Wert, wenn das Geld nicht träge auf dem Konto herumliegt, sondern einen gutbezahlten Job in der Wirtschaft angeboten bekommt. Etwa über einen breit streuenden Aktienfonds, dessen Manager beim Einkauf diszipliniert auf den Preis und bei der Verwaltung nicht minder streng auf die Kosten achten. Wer regelmäßig spart und auf diese Weise 30 Jahre lang jeden Monat 200 Euro investiert, kann im Jahre 2052 – inklusive einer fünfjährigen Puffer- und Abrufphase – mit einem Endkapital von 197.000 Euro rechnen. Kein Witz.

Bleibt neben der Unsicherheit, ob die Auszahlung 2052 möglicherweise in einer anderen Währung erfolgt, nur noch folgende Frage: Woher soll ein normal verdienender Arbeitnehmer in der heutigen Zeit 200 frei verfügbare Euro nehmen?

Mögliche Antworten bietet der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft. Auf der Internet-Seite 7 Jahre länger listen seine Lobbyisten in einem Lebenskostenplaner penibel auf, wofür die Deutschen ihr Geld ausgeben und vor allem, was sie im Laufe der Jahre dafür bezahlen. Rechnet man sämtliche dort aufgeführten 24 Positionen auf 35 Jahre hoch, kommt man auf die beeindruckende Summe von 1.098.395 Euro.

Vieles davon ist unverzichtbar, beispielsweise die Ausgaben für Nahrungsmittel, Miete und Energie, die sich allein schon auf 456.120 Euro summieren. Zwar lässt sich auch dort etwas sparen, doch viel eher bieten sich zwei andere Kostenblöcke an: Für die beiden Themen „PKW“ und „Hund“ geben die Deutschen in 35 Jahren durchschnittlich 319.900 Euro aus. Ein Wahnsinn, auch wenn ich für diese Einschätzung von Tuning-Fans und Tierfreunden verbale Prügel beziehen sollte.

Vorschlag zur Güte: Fangen Sie beim Sparen mit dem täglichen Coffee to go an. Der schlägt den Berechnungen zufolge in 35 Jahren mit 27.977 Euro zu Buche. Das ist bereits ziemlich genau ein Drittel der Summe, die Sie aufwenden müssen, um 360 Raten à 200 Euro leisten zu können. Für den Rest findet sich eine Lösung. Man muss es nur wollen.

Verpassen Sie keinen Beitrag aus unserem wöchentlichen Online-Magazin DER FONDS und melden Sie sich hier kostenlos per E-Mail an.