Wachtendorf-Kolumne Ich kaufe jetzt Apple, Amazon und Google, weil …

Egon Wachtendorf, Chefredakteur DER FONDS | © Axel Baumhöfner

Egon Wachtendorf, Chefredakteur DER FONDS Foto: Axel Baumhöfner

Es ist ein Streit, der Anleger schon seit Generationen beschäftigt: Wie viele Aktien sollte ein langfristiger Investor idealerweise im Depot halten? Eine möglichst große Anzahl, um die Risiken breit zu streuen? Oder nur sehr wenige, um sich von jedem einzelnen gekauften Unternehmen ein exaktes Bild machen zu können?

Letzteres praktiziert Warren Buffett mit seinem kongenialen Partner Charlie Munger seit Jahrzehnten höchst erfolgreich in der Investment-Holding Berkshire Hathaway. Diversifikation sei etwas für nichtwissende Investoren, ätzt Munger in diesem Zusammenhang gern und fügt hinzu: „Falls Du ein Experte bist, ist es verrückt.“

Verrückt oder nicht – auch mit breiter Streuung lassen sich beeindruckende Ergebnisse erzielen. Das hat eine andere Investoren-Legende hinreichend unter Beweis gestellt: Peter Lynch, von 1977 bis 1990 Manager des Fidelity Magellan. In seinem Portfolio hielt Lynch zeitweise Aktien von 1.300 verschiedenen Unternehmen. Trotzdem erzielte er mit dem Magellan eine durchschnittliche Rendite von 29 Prozent pro Jahr.

Tatsächlich gibt es viele Bereiche, in denen es verrückt wäre, nicht ausreichend zu streuen. Die Biotech-Branche etwa ist ein Beispiel, das jedem sofort einleuchtet. Wer dort in einem frühen Stadium auf nur zwei oder drei Medikamente-Entwickler vertraut, riskiert den Totalverlust – mag er sie zuvor auch noch so genau durchleuchtet haben.

Eine Feststellung, die im Grunde genommen für den gesamten Technologie-Sektor gilt. Aus heutiger Sicht erscheint der Aufstieg von Apple, Amazon oder Google zu Weltmarken vielleicht logisch und gewissermaßen unaufhaltsam. So logisch und unaufhaltsam, dass mittlerweile sogar Buffett bedauert, dort nicht beziehungsweise nicht früher eingestiegen zu sein. Es hätte jedoch – Stand 1999 oder 2000 – alles auch ganz anders kommen können. Vielleicht wäre dann heute an der Technologiebörse Nasdaq Excite oder Lycos das Maß aller Dinge und Google nur eine Fußnote bei Wikipedia.

Breit streuen oder nur eine Handvoll Firmen ins Portfolio? Eine Frage, die letztlich keine große Rolle spielt, wie die Erfolge von Buffett und Lynch zeigen. Entscheidend ist es zu wissen, was man kauft und warum man es kauft. Wer den Grund – um mit Peter Lynch zu sprechen – nicht in maximal drei Sätzen so plausibel erklären kann, dass es auch ein Elfjähriger versteht, wird irgendwann Probleme bekommen.

Warum nochmal genau kauft momentan alle Welt Finanzinstrumente, die den Index der 500 größten börsennotierten US-amerikanischen Unternehmen eins zu eins nachbilden?