Wachtendorf-Kolumne Kehrtwende bei Morningstar oder Opa erzählt von früher

Egon Wachtendorf, Chefredakteur DER FONDS

Egon Wachtendorf, Chefredakteur DER FONDS

//

„Der Ausgabeaufschlag ist eine einmalige Gebühr, die der Erwerber von Investmentfonds zusätzlich zum Kaufpreis des Fonds zahlen muss.“ – Was Millionen Direktbank- und Discount-Kunden seit Jahren schon der Rubrik „Opa erzählt von früher“ zuordnen, steht noch immer wortwörtlich in vielen Börsen-Lexika, auch online.

Ein Anachronismus? Ja und nein. Denn noch immer gibt es mindestens genauso viele Anleger, die diese scheinbar aus der Zeit gefallene Zusatzgebühr ganz selbstverständlich und ohne zu murren bezahlen. Meistens führen sie ihr Depot bei einer Genossenschaftsbank, einer Sparkasse oder einer der früheren Großbanken.

Trotzdem ist es richtig, dass die Ratingagentur Morningstar bei der Berechnung ihrer Fonds-Noten seit Herbst vergangenen Jahres auf die Einberechnung des Ausgabeaufschlags verzichtet. Den letzten Kick, diesen Weg zu gehen, gab vielleicht die letztjährige Verleihung der Morningstar-Awards in Frankfurt: Weil bei dieser vielbeachteten Leistungsschau der Branche der volle Aufschlag ebenfalls Bestandteil der Bewertungsformel war, ging der Einzelsieg insbesondere über kürzere Zeiträume fast immer an einen der generell ohne Agio angebotenen ETFs. Das Raunen im Saal ob dieser Begünstigung war Teilnehmern zufolge deutlich vernehmbar.

Auch bei den klassischen Sterne-Ratings von Morningstar sehen viele aktiv gemanagte Fonds gegenüber direkten ETF-Konkurrenten plötzlich besser aus, bekommen statt drei Sterne plötzlich vier oder statt vier die Bestnote von fünf Sternen. Ein Nebeneffekt, den aber niemand zu hoch hängen sollte: Ob ein Fonds x zum Zeitpunkt y kaufenswert ist oder nicht, hat mit einer rein mathematisch aus Vergangenheitsdaten berechneten Rating-Note wenig bis sehr wenig zu tun.

Bleibt die Frage, wie lange sich das Geschäftsmodell, Fonds nur gegen Ausgabeaufschlag abzugeben, noch halten lässt. Wer argumentiert, jedem Anleger stünde es frei, über die Konditionen zu verhandeln oder ausschließlich bei einer Adresse zu kaufen, die mit diesem Modell aus Opas Zeiten gebrochen hat, macht es sich vermutlich zu einfach. Wäre der Mensch zum Homo Oeconomicus geboren, gäbe es hierzulande deutlich mehr Aktien- als Sparbuch-Besitzer, und statt im Laufe von 35 Jahren 27.977 Euro für den täglichen Coffee to go auszugeben, würde der Durchschnitts-Deutsche dieses Geld auf möglichst sinnvolle Art und Weise fürs Alter zurücklegen. Eine bessere Lösung als der Appell ans eigene Kostenbewusstsein fällt mir, da bin ich ehrlich, allerdings auch nicht ein.