Wachtendorf-Kolumne Mark Mobius 2.0: Nur gucken, nicht anfassen

Hinterfragt das Comeback von Schwellenländer-Ikone Mark Mobius: DAS-INVESTMENT-Kolumnist Egon Wachtendorf | © Johannes Arlt

Hinterfragt das Comeback von Schwellenländer-Ikone Mark Mobius: DAS-INVESTMENT-Kolumnist Egon Wachtendorf Foto: Johannes Arlt

Wer kann sich Mark Mobius bei der Gartenarbeit vorstellen, oder Spatzen fütternd auf einer Parkbank? Eben. Nicht sonderlich überraschend also, dass es mit dem im Januar angekündigten Ruhestand des langjährigen Schwellenländer-Chefs von Franklin Templeton nun doch nichts wird. Wogegen grundsätzlich zunächst einmal nichts spricht: In aktuellen TV-Auftritten wirkt Mobius topfit, und für einen Profi-Investor sind 81 Jahre nun wahrlich kein Alter. Warren Buffett ist 87, sein kongenialer Partner Charles Munger 94. Der legendäre Gründer von Pioneer Investments, Phil Carret, ging sogar mit 100 noch regelmäßig ins Büro und hielt Ausschau nach unterbewerteten Aktien.

Mehr erstaunen da schon die Umstände des Comebacks. Eigenen Angaben zufolge haben Mobius gleich zwei neue Leidenschaften gepackt: das Thema Technologie und die Vorliebe für nachhaltige Investments. Vor allem Letzteres verwundert, wenn man noch eine seiner Aussagen aus dem 2008 von Erwin Wagenhofer gedrehten Dokumentarfilm „Let’s make money“ im Ohr hat: „Ich glaube nicht, dass ein Investor verantwortlich ist für Ethik, Umweltverschmutzung oder was auch immer eine Firma verursacht, in die er investiert. Das ist nicht seine Aufgabe. Seine Aufgabe ist es zu investieren und für seine Kunden Geld zu verdienen.“

Zugegeben, zum Teil hat Mobius diese Aussage schon vor zehn Jahren relativiert. Umso ehrenvoller, wenn er ökologisches und soziales Verhalten sowie den Führungsstil eines Unternehmens nun sogar in den Mittelpunkt seines Handelns rücken will – zum Schaden künftiger Kunden dürfte es kaum sein. Womit wir aber neben dem nötigen Verantwortungsbewusstsein wieder bei der zweiten Hauptaufgabe eines Investors oder Fondsmanagers wären: eine konkurrenzfähige Performance abzuliefern.

In diesem Punkt sieht es, Mobius betreffend, ziemlich mau aus. Zumindest dann, wenn man nicht seinen allerersten, 1987 lediglich für US-Amerikaner aufgelegten Schwellenländerfonds zum Maßstab nimmt, sondern den vier Jahre später für europäische Anleger nachgeschobenen Templeton Emerging Markets. Dessen Anteilspreis gewann zwischen dem 28. Februar 1991 und dem 15. April 2016 – jenem Tag, an dem Mobius die Verantwortung für das Tagesgeschäft an Stephen Dover abgab – gerade einmal 198 Prozent hinzu. Andere Fonds schafften deutlich mehr, der Capital Emerging Markets beispielsweise landet für diesen Zeitraum bei 672 Prozent.

Der in ehrfurchtsvoll gehauchten Beinamen wie „Indiana Jones der Geldanlage“ oder „Yul Brynner der Wall Street“ gipfelnde Mythos Mobius beruht in erster Linie darauf, als erster Investor in Ende der 80er Jahre für Kapitalanleger noch völlig unzugängliche Regionen gegangen zu sein. Das ist verdienstvoll, gewiss. Aber es rechtfertigt kaum einen Vertrauensvorschuss für künftige Investments.

Schon gar nicht im Sektor Technologie – der zwar mittlerweile in vielen Schwellenländern recht gut erschlossen ist, für Mobius selbst jedoch weitgehend Neuland bedeutet. Abzulesen am 1995 aufgelegten Templeton Korea, dessen Factsheet noch Ende 2017 als verantwortlichen Fondsmanager Mark Mobius nennt. Während der Vergleichsindex MSCI Korea für den Bereich Informationstechnologie einen Anteil von knapp 48 Prozent ausweist, waren es im Templeton Korea im Oktober 2017 weniger als ein Prozent. Entsprechend sieht die Langfrist-Performance aus: Auf Sicht der vergangenen 20 Jahre hat sich im Templeton Korea eingesetztes Kapital verdoppelt, bei der Konkurrenz dagegen mehr als versechsfacht. Im Durchschnitt wohlgemerkt, der Spitzenreiter Baring Korea Trust schaffte 850 Prozent.

Nun liegt es an Mark Mobius, diesen verheerenden Eindruck in den kommenden Jahren zu korrigieren. Eine Empfehlung, den Versuch schon in der Startphase mit eigenem Geld zu begleiten, lässt sich jedoch beim besten Willen nicht aussprechen.