Wachtendorf-Kolumne Sieben Fakten über Fonds, die jeder kennen muss

Fordert eine bessere Aufklärung deutscher Fondsanleger: DAS-INVESTMENT-Kolumnist Egon Wachtendorf | © Johannes Arlt

Fordert eine bessere Aufklärung deutscher Fondsanleger: DAS-INVESTMENT-Kolumnist Egon Wachtendorf Foto: Johannes Arlt

Mit Umfragen und Studien ist das so eine Sache. Es gibt sie in Hülle und Fülle, und am Ende transportiert jede einzelne von ihnen eine Botschaft, die dem jeweiligen Auftraggeber am Herzen liegt. Zwei aktuelle Beispiele aus der Investmentbranche machen da keine Ausnahme. „Deutsche Sparer wollen raus aus der Komfortzone“ hat Deka Investments von YouGov ermitteln lassen. „Minizinsen frustrieren Anleger“ weiß wiederum Union Investment aus der Zusammenarbeit mit Forsa. Klar, dass beide Gesellschaften gern helfen würden. Dumm nur, dass die Angesprochenen so furchtbar unwissend sind und deshalb den ersten Schritt hin zu mehr Rendite scheuen.

Die in den Studien offenbarten Wissenslücken zu Investmentfonds sind gewiss nicht neu. Aber immer wieder erschreckend. So bleiben 54 Prozent der Teilnehmer an der YouGov-Umfrage die richtige Antwort auf die Frage schuldig, ob der Kauf einer einzelnen Aktie höhere Risiken birgt als der Kauf eines Aktienfonds. Und sogar 64 Prozent der Befragten wissen nicht, dass der Manager eines aktiven Fonds versucht, einen repräsentativen Vergleichsindex zu übertreffen. Vermutlich wäre, als Antwort-Möglichkeit auf eine andere Frage angeboten, die Performance-Fee bei mindestens jedem Dritten als Schutzheilige der Fondssparer durchgegangen.

Studien dieser Art provozieren immer wieder denselben Reflex: Möge der Staat doch bitte endlich ein Pflichtschulfach Wirtschaft und Finanzen einführen! Ein Ruf, der in der aktuellen politischen Gemengelage aber garantiert einmal mehr ungehört verhallt. Was kein Nachteil sein muss. Denn immer wenn die Politik sich einmischt, wird es kompliziert. Heraus kommen – um beim Thema Basis-Informationen zu Fonds zu bleiben – Konstrukte wie die unsäglichen KIIDs, die kaum ein Anleger verstanden geschweige denn überhaupt je gelesen haben dürfte.

Umso wichtiger wäre es, der staatlich verordneten Papierflut endlich ein Formblatt der anderen Art entgegenzusetzen. „Sieben Fakten zu Investmentfonds, die jeder kennen sollte“ könnte es überschrieben sein und Folgendes müsste draufstehen:

Fakt 1: Fonds sind Sondervermögen. Das bedeutet: Dort angelegtes Geld ist selbst dann vor Verlust geschützt, wenn die Fondsgesellschaft oder die Depotbank pleitegeht.

Fakt 2: Fonds sind flexibel wie kaum eine andere Anlageform. Anteile sind bereits ab 25 Euro pro Monat erhältlich, eine einmal vereinbarte Sparrate kann jederzeit erhöht, gesenkt oder vorübergehend ausgesetzt werden. Die Rückgabe ist börsentäglich möglich.

Fakt 3: Fonds sind bequem – bei sachgemäßer Verwahrung muss sich kein Anleger je wieder um die Wiederanlage von Erträgen oder fällig gewordenen Geldern kümmern.

Fakt 4: Aktienfonds schwanken stärker als Anleihefonds, bieten langfristig aber deutlich höhere Ertragschancen. Sie beteiligen Anleger am Wachstum der Wirtschaft, während die Käufer eines Anleihefonds darauf vertrauen müssen, dass Unternehmen und Staaten das geliehene Geld bei Fälligkeit in voller Höhe zurückzahlen.

Fakt 5: Aktienfonds sind (natürlich!) weniger riskant als der Kauf einer einzelnen Aktie. Zumindest, wenn sie breit über verschiedene Branchen und Länder gestreut sind. Ein Totalverlust ist dadurch nahezu ausgeschlossen.

Fakt 6: Die Ergebnisse, die ein Fonds erwirtschaftet, lassen sich nicht im Voraus berechnen. Aber: Kein Anleger, der in der Vergangenheit 25 oder 30 Jahre lang regelmäßig in einen breit streuenden Aktienfonds eingezahlt hat, hat dabei Geld verloren. Die Ergebnisse fielen dabei fast immer deutlich höher aus als bei einem klassischen Sparkonto.

Fakt 7: Hohe laufende Kosten können die langfristige Rendite einer Fondsanlage deutlich schmälern. Passive Indexfonds – sogenannte ETFs – versprechen Abhilfe, bieten aber keine Gewähr auf einen zufriedenstellenden Ertrag. Das Für und Wider eines Kaufs muss jeder Anleger für sich abwägen.