Wachtendorf-Kolumne Vier Gewissheiten der Geldanlage – und was sie im Ernstfall wert sind

Egon Wachtendorf, Chefredakteur DER FONDS | © Axel Baumhöfner

Egon Wachtendorf, Chefredakteur DER FONDS Foto: Axel Baumhöfner

Wer hätte sich 2006 vorstellen können, dass ein so merkwürdiger Milliardär wie Donald Trump Präsident der Vereinigten Staaten werden würde? Eine eher rhetorische Frage, die „Der Spiegel“ da Ende 2016 einem durchaus lesenswerten Leitartikel zum Thema Globalisierung voranstellte. Die Antwort: Vermutlich kaum jemand.

Aber genauso wenig haben 1996 die Deutschen damit gerechnet, 2006 von einer im Osten sozialisierten CDU-Frau regiert zu werden. Oder im Herbst 1980, zehn Jahre später in der „Tagesschau“ den Vollzug der deutschen Einheit vermeldet zu bekommen. Die Franzosen und die Engländer, nebenbei bemerkt, auch nicht. Die Welt dreht sich beständig weiter, und dass sie dabei mitunter eine Richtung einschlägt, die einer breiten Mehrheit zuvor undenkbar erscheint, gehört gewissermaßen dazu. Wer dies einkalkuliert und beim nach vorne gerichteten Blick das Unerwartete erwartet, offenbart Oscar Wilde zufolge einen „durch und durch modernen Geist“.

Eine solche Geisteshaltung dürften Anleger in den kommenden Jahren dringend benötigen. Denn während sich die Menschen auf der einen Seite mit den Kapriolen der Politik arrangieren, so klammern sie sich auf der anderen umso stärker an scheinbar unverrückbare Gewissheiten der Ökonomie. „Immobilie gleich Substanz“ lautet eine davon – ungeachtet der Tatsache, dass an vielen Orten der Welt die Kaufpreise für Eigentumswohnungen längst ins Absurde gestiegen sind. Natürlich können sie noch weitersteigen. Sie werden aber auch wieder fallen, in Shenzhen, London und Vancouver genauso wie in Berlin, München oder Braunschweig.

Sind Staatsanleihen und Lebensversicherungen im Zeitalter von Nullzins und Schuldenkrise noch sicher? Der Glaube daran lebt weiter, keine Frage. Allen, die ihm anhängen, empfehle ich den Aufsatz „Das wertlose Versprechen 100-jähriger Anleihen“ von Daniel Stelter.

US-Konzerne wie Amazon, Apple, Facebook und Google haben die Welt erobert und schicken sich an, sie unter sich aufzuteilen. Was kann man mit dem Kauf ihrer Aktien falsch machen? Vielleicht nichts, wie in den vergangenen zehn Jahren. Vielleicht aber auch eine ganze Menge – zumindest dann, wenn Bewertungen an der Börse irgendwann einmal wieder eine deutlich größere Rolle spielen sollten als heute. Denn da sieht es für das Quartett mit Kurs-Buchwert-Verhältnissen, die von 4,6 (Google) bis 20,7 (Amazon) reichen, nicht gut aus.

Sollte es tatsächlich so weit kommen, wankt auch ein vierter Grundsatz. Nämlich jener, der besagt, dass Indexfonds – kurz ETFs – die ideale Geldanlage für jedermann sind. Denn in aller Regel nehmen in diesen Produkten jene Unternehmen den größten Platz ein, die sich von ihren Fundamentaldaten am weitesten nach oben entfernt haben. Das schafft viel Raum für Bewegungen nach unten. Von möglichen Liquiditäts-Engpässen, wenn Millionen panischer ETF-Verkäufer plötzlich durch die gleiche Tür wollen, ganz zu schweigen.

Wem das bis hierhin zu philosophisch war: Es geht auch volksnäher. Stellen Sie sich vor, Bayern München tritt in der nächsten Saison zu einem Bundesliga-Spiel in der Provinz an und verliert mit sechs Toren Unterschied. Völlig ausgeschlossen? Sagen Sie das nicht. In den 70er Jahren ist dies dem Dauer-Meister – damals immerhin schon mehrfacher Europapokal-Sieger – gleich reihenweise passiert: null zu sechs bei Kickers Offenbach, null zu sechs bei Eintracht Frankfurt und eins zu sieben bei Fortuna Düsseldorf. Dazu gab‘s noch eine Null-zu-Sieben-Klatsche auf eigenem Platz gegen Schalke 04.

Es wird eines Tages wieder passieren. Die Frage ist nur wann.