Wachtendorf-Kolumne Zehn aus 43 – mehr als ein Lotterie-Spiel

Egon Wachtendorf, Chefredakteur DER FONDS | © Axel Baumhöfner

Egon Wachtendorf, Chefredakteur DER FONDS Foto: Axel Baumhöfner

Es ist eine Steilvorlage – für beide Seiten. Vor wenigen Tagen hat der Acatis Aktien Global Fonds UI seinen 20. Geburtstag gefeiert. Seit der Auflegung am 20. Mai 1997 konnte Fondsmanager Hendrik Leber den Anteilspreis um knapp 470 Prozent steigern. Der Vergleichsindex MSCI World kommt im selben Zeitraum nur auf 244 Prozent. Für die Anhänger aktiven Fondsmanagements ein klarer Beleg, dass sich auf diese Weise eine deutliche Mehrrendite erzielen lässt.

Genauso gut können sich aber auch die Verfechter der Indexfonds-Idee auf die jüngste Momentaufnahme in der Anlage-Kategorie „Aktienfonds International“ berufen. Die aktuelle Bestenliste des Münchner Datenanbieters FWW über 20 Jahre enthält insgesamt 43 Fonds, von denen neben dem Spitzenreiter aus dem Hause Acatis gerade einmal neun weitere den MSCI World schlagen konnten. Alle anderen stehen zum Teil deutlich schlechter da, 14 Fonds haben nicht einmal eine Verdoppelung des eingesetzten Kapitals geschafft. Ein Armutszeugnis für aktives Management. Warum also nicht einfach per ETF den Index kaufen und so elegant dem Risiko aus dem Weg gehen, einen derartigen Rohrkrepierer im Depot zu haben?

Natürlich wird es einem Anleger nur sehr selten gelingen, aus einer Gruppe von Fonds, die wie im Fall der global anlegenden Aktienfonds mittlerweile mehr als 500 Angebote umfasst, ausgerechnet jenen herauszufiltern, der nach fünf, zehn oder 20 Jahren das Feld anführt. Einen Fonds zu erwischen, der es mit dem Index aufnehmen kann und diesen Wettstreit über verschiedene, ausreichend lange Zeiträume auch gewinnt, ist dennoch weniger Lotterie-Spiel als es aussieht.

Um zu dieser Überzeugung zu gelangen, muss man sich die aktuelle 20-Jahres-Liste der globalen Aktienfonds nur etwas genauer ansehen. Vorne liegen neben dem Acatis Aktien Global Fonds UI fast ausnahmslos Fonds, die wie der Comgest Monde oder der Lingohr-Systematic einer klar definierten, über den abgefragten Zeitraum stets beibehaltenen Anlagestrategie folgen und zudem eine vergleichsweise hohe Kontinuität beim handelnden Personal aufweisen. Dazu gehört übrigens – trotz dreier Managerwechsel seit 1997 – auch der nicht in der FWW-Auflistung enthaltene Klassiker Templeton Growth: Dessen US-Original erzielte in den vergangenen 20 Jahren ein Plus von 245 Prozent.

Abgeschlagen am Tabellenende liegen dagegen – neben auffallend vielen österreichischen Angeboten – Fonds, die in den vergangenen Jahrzehnten durchaus dem einen oder anderen Bruch ihrer Management-Philosophie ausgesetzt waren oder die wie der Metzler Wachstum International bis heute unter ihrer wenig verantwortungsvollen Anlagepolitik zu Zeiten der Dotcom-Blase leiden.

Die beschriebenen Feinheiten bei der Fondsauswahl herauszuarbeiten und vor allem nachzuhalten, erfordert deutlich mehr Aufwand, als einfach nur den Index zu kaufen und mit dessen Entwicklung mitzulaufen. Er dürfte sich allerdings auch künftig lohnen. Vielleicht sogar mehr denn je. Denn wer garantiert, dass der Run auf S&P 500, Dax oder Euro Stoxx 50, der die dort enthaltenen Aktien derzeit auf immer neue Höhen treibt, noch weitere 20 Jahre lang andauert?