Währungen 2013: Wider den Euro-Pessimismus

Frank Naab, Portfoliomanager beim Bankhaus Metzler.

Frank Naab, Portfoliomanager beim Bankhaus Metzler.

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Selbst nach den überaus klaren Aussagen des EZB-Präsidenten Mario Draghi von Ende Juli („Die EZB wird alles tun, um den Euro zu erhalten. Und glauben Sie mir, es wird ausreichen.“) sowie den nachfolgenden Konkretisierungen fragen sich viele Anleger weiterhin: Wird der Euro überleben?

Um diese Frage zu beantworten, müsste man aber zunächst einmal die theoretische Frage klären, ob der Euro überhaupt überleben kann. Und wenn er es kann, dann schließt sich die normative Frage an, ob er es auch soll. Zunächst zur theoretischen Frage. Spätestens mit der „Kriegserklärung“ der EZB an das systemische Risiko eines Zusammenbruchs der Währungsunion ist klar, dass der Euro überleben kann.

Die Ankündigung der Europäischen Zentralbank, unter Auflagen, aber unbegrenzt (das ist ein wesentlicher Unterschied zu den bisherigen Programmen) Anleihen der Peripheriestaaten mit Kapitalmarktzugang und einer maximalen Laufzeit von drei Jahren zu kaufen, ist aus heutiger Sicht bereits als Teilerfolg zu werten. Ohne dass auch nur ein Cent ausgegeben werden musste oder Hilfsgelder aus den Rettungsschirmen geflossen wären, hat sich die Lage auf den Anleihemärkten in Italien und Spanien, aber auch Portugal deutlich entspannt.

Wir zweifeln nicht daran, dass die EZB über die Staatsanleihenkäufe dafür Sorge tragen wird, dass – sehr wohl in Übereinstimmung mit ihrem Mandat – ihr geldpolitisches Signal auch in die Peripherie der Eurozone durchdringt. Täte sie dies nicht, stünde der Fortbestand des Währungsraums und der Währung letztendlich doch auf dem Spiel. Die normative Frage, ob der Euro überleben soll, ist schwieriger zu beantworten, da hier individuelle Interessen den Ausschlag geben.

Letztlich entscheidend sind aber die Interessen der politischen Entscheidungsträger. Und diese haben mehrfach erkennen lassen, dass sie alles tun werden, um den Euro zu retten – unabhängig davon, ob Griechenland am Ende die Währungsunion vielleicht doch noch verlassen muss. Das Interesse am Fortbestand der Einheitswährung überwiegt noch immer jegliche Bedenken. Sicherlich ist die Frage, ob die Rettung des Euro unter allen Umständen gerechtfertigt ist, eher politischer als wirtschaftlicher Natur.

Den Staaten an der Peripherie der Europäischen Währungsunion (EWU) wird es aber leichter fallen, die notwendigen Strukturreformen (mit Unterstützung von EZB und ESM) umzusetzen, wenn der Euro bleibt. Tatsächlich belegen die jüngsten Daten, dass die südlichen EWU-Länder auf dem Weg zu mehr Wettbewerbsfähigkeit bereits ein gutes Stück vorangekommen sind. Augenscheinlich kann der Euro also nicht nur überleben.