Wahl in Italien Verbesserte Konjunktur beruhigt Investoren

Galleria Vittorio Emanuele II in Mailand: Laut aktuellen Prognosen wächst die Wirtschaft Italiens 2018 um 1,5 Prozent. | © Getty Images

Galleria Vittorio Emanuele II in Mailand: Laut aktuellen Prognosen wächst die Wirtschaft Italiens 2018 um 1,5 Prozent. Foto: Getty Images

Am 4. März werden die italienischen Parlamentswahlen abgehalten. Daran beteiligt sind folgende drei große Blöcke:

  • Mitte-Rechts: Eine Koalition von Parteien, der die Forza Italia (FI), die Lega Nord und die Fratelli d'Italia (Brüder Italiens) angehören und die vom früheren Premierminister Silvio Berlusconi für die Forza Italia und Matteo Salvini von der Lega Nord angeführt wird.
  • Mitte-Links: Ihre Basis bildet die Partito Democratico oder PD (Demokratische Partei) mit ein paar kleineren Parteien, wobei die PD von Matteo Renzi angeführt wird.
  • Unabhängige, gegen das Establishment gerichtete Bewegung: Die von Luigi di Maio angeführte Fünf-Sterne-Bewegung (Movimento 5 Stelle oder M5S), die eine Koalition mit anderen Parteien ablehnt.

Die Schwierigkeit für jede dieser Parteien ist ein neues, unerprobtes Wahlrecht. Erstmals seit dem Jahr 2001 haben Wähler die Möglichkeit, nicht nur für eine Partei zu stimmen, sondern nach einem Mehrheitswahlsystem einen Kandidaten aus ihrem örtlichen Wahlkreis zu wählen. Ein Drittel der Sitze wird nach dem Mehrheitswahlsystem vergeben und die verbleibenden Sitze werden nach einem vollen Verhältniswahlsystem verteilt. Theoretisch könnte ein Anteil von nur 40 Prozent der Stimmen, abhängig vom Abschneiden der Kollegen in Einer-Wahlkreisen ausreichen, damit eine einzelne Partei oder eine Koalition eine absolute Mehrheit im Parlament erringt.

Die Fünf-Sterne-Bewegung ist gegenwärtig die größte Partei in Italien, besonders nachdem gravierende interne Richtungskämpfe zu einem freien Fall der Partito Democratico bei den Meinungsumfragen führten. Die Mitte-Rechts-Koalition liegt deutlich vor den beiden anderen Blöcken, was zu einem großen Teil auf die Beteiligung Silvio Berlusconis zurückzuführen ist. Obwohl die Mitte-Rechts-Koalition einer Mehrheit wahrscheinlich näher sind als jede andere Verbindung, wird sie vermutlich kämpfen müssen, um im Süden Italiens genügend Stimmen zu erhalten.

Prognose: Patt im Parlament

Wir bleiben bei unserer Einschätzung, dass eine Pattsituation im Parlament, gefolgt von langwierigen Verhandlungen zwischen den politischen Parteien, das wahrscheinlichste Ergebnis der italienischen Parlamentswahl sein wird. Am wahrscheinlichsten ist eine Koalition zwischen PD/Forza Italia und anderen Parteien der Mitte. Ein überraschendes Ergebnis zugunsten der populistischen Parteien könnte erneut Fragen zur Stabilität der Eurozone aufwerfen.

Die italienische Wirtschaft entwickelt sich gut, auch wenn sie der übrigen Eurozone hinterherhinkt. Die Bank von Italien prognostizierte jüngst, dass die Konjunktur in diesem Jahr um 1,5 Prozent wachsen wird und dass das Plus in den darauffolgenden zwei Jahren ebenfalls über einem Prozent liegen dürfte. Italiens Staatsverschuldung hat sich bei rund 132 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) stabilisiert. Der Leistungsbilanzüberschuss beläuft sich auf 2,8 Prozent des BIP.

Deutliches Plus beim Einkaufsmanagerindex

Italiens Nettoposition bei internationalen Investitionen hat sich, obwohl sie noch immer negativ ist, von rund 35 Prozent des BIP im Jahr 2008 auf weniger als 10 Prozent  im dritten Quartal 2017 verbessert. Der Einkaufsmanagerindex für das verarbeitende Gewerbe Italiens erreichte mit 59 Punkten im Januar nahezu ein Sieben-Jahres-Hoch. Der Bankensektor ist zwar noch immer mit notleidenden Krediten belastet. Die Zahl neuer notleidender Hypotheken ist im dritten Quartal 2017 jedoch auf 1,7 Prozent gesunken – unter das Niveau vor der Finanzkrise.

Was könnte dies für die Märkte bedeuten?

Die Finanzmärkte haben bisher trotz der Unsicherheit über das künftige Wahlergebnis und die mangelnde Klarheit, welche politischen Programme das neue Parlament vorantreiben wird, kaum Reaktionen gezeigt. Es könnte zu einem maßvollen Anstieg der Volatilität kommen, sobald der Wahltermin näher rückt. Ein Sieg der äußersten Rechten ist jedoch unwahrscheinlich.

Wir bei BlackRock sind ungeachtet der verhaltenen geopolitischen Risiken insgesamt in europäischen Staats- und Unternehmensanleihen untergewichtet. Grund dafür ist die Zinspolitik der Europäischen Zentralbank (EZB). Gegenüber europäischen Aktien nehmen wir eine neutrale Haltung ein. Speziell im Fall Italiens beschränkt der Umstand, dass die italienischen Fundamentaldaten erfreulich sind, das Risiko deutlicher Kursrückgänge bei Risikoanlagen. Trotz der Herabstufung auf „neutral“ waren die Gewinne in Europa angesichts der Aufwertung des Euro im Laufe des Jahres 2017 hoch. Ein Gewinnwachstum von 15 Prozent im vierten Quartal 2017 und solide Aussichten für 2018 werfen ein gutes Licht auf europäische Aktien.

Italienische Aktien haben in vergangenen Monaten unterstützt durch das über dem Trend liegende Wachstum sowohl gegenüber Aktien der Eurozone als auch gegenüber US-Aktien eine Outperformance erzielt. Derzeit werden italienische Aktien mit einem Bewertungsabschlag von 20 Prozent gegenüber ihrem Fünf-Jahres-Durchschnitt gehandelt und erscheinen im Vergleich zu ihren historischen Werten nicht teuer.

Falls sich unser Basisszenario, eine Pattsituation im Parlament, bei den Parlamentswahlen verwirklicht, wird die Reaktion des Marktes wahrscheinlich vom Abschneiden der etablierten Parteien im Vergleich zu den gegen das Establishment gerichteten Parteien abhängen. Ein gutes Wahlergebnis für die gegen das Establishment gerichteten Kräfte könnte Risikoanlagen beeinträchtigen. Der Einfluss dürfte jedoch begrenzt sein, da das wahrscheinlichste Ergebnis von Koalitionsverhandlungen eine große Koalition zwischen PD und FI mit ausdrücklicher Unterstützung der kleinen Parteien ist.