6 Trends und Empfehlungen Was die Parteien bei Krankenversicherung, Rente und Altersvorsorge planen

Bürgerversicherung, Garantien bei der betrieblichen Altersvorsorge, Altersversorgung von Selbstständigen und die Vergütung von Finanzberatern – vor der bevorstehenden Bundestagswahl äußern sich die Parteien auch zu Fragen, die die Versicherungswirtschaft betreffen. Diese Fragen nehmen sogar einen ganz zentralen Raum ein: Der demographische Wandel hat das Thema Rente und Altersvorsorge zu einem besonders dringlichen Anliegen erhoben.

Das jüngst beschlossene Betriebsrentenstärkungsgesetz hat die Bedeutung der nicht-staatlichen Altersvorsorge in Deutschland zwar gestärkt. Im Boot sitzt jedoch nicht allein die Politik, sondern auch die Akteure der Versicherungswirtschaft. Von diesen wird politischerseits erwartet, dass sie bei der Suche nach praktikablen Lösungen für die Altersvorsorge mitwirken und sichtbare Veränderungen in der Branche herbeiführen. Andernfalls drohen ihnen weitreichende staatliche Markteingriffe. Davor warnt die Kommunikationsagentur Instinctif Partners. Sie hat sich die Wahlprogramme der wichtigsten Parteien angesehen, deren Aussagen zum Themenkreis Versicherungen verglichen und daraus Empfehlungen für Versicherer und Vermittler abgeleitet.

Lösungsansätze, um das Problem von Altersarmut anzugehen, die zukünftig vielen Menschen droht, haben laut Analyse von Instinctif Partners alle großen Parteien in der Schublade. Sowohl CDU/CSU, SPD, Die Linke, Bündnis 90/Die Grünen, FDP als auch die AfD thematisieren Rente, private und betriebliche Altersvorsorge. Ebenso äußern sie sich zum Thema Bürgerversicherung, also einer Krankenversicherung, die allen Menschen unabhängig von ihrem Einkommen offen stehen könnte. Zum Thema Vermittlervergütung haben alle größeren Parteien mit Ausnahme der AfD etwas zu sagen.

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6 Trends und Empfehlungen

Auf Basis der Parteiprogramm-Analyse formuliert Instinctif Partners sechs Thesen zur Richtung, in die die Reise geht, und spricht konkrete Empfehlungen für Versicherer und Vermittler aus:

  • Dass demnächst eine Deutschlandrente eingeführt wird, ist unwahrscheinlich. Allerdings ist der Markt mit in der Pflicht, die Menschen zu mehr Vorsorge zu animieren und zu beweisen, dass die Versorgung auch mit den bestehenden Mitteln sichergestellt werden kann. Andernfalls droht ein staatliches Konkurrenzprodukt zur privaten Altersvorsorge.
  • Auch wenn eben das Betriebsrentenstärkungsgesetz beschlossen wurde: Die Betriebsrente könnte – abhängig vom Wahlergebnis – noch einmal auf die Agenda kommen. Dann mit der Frage, ob und wie Unternehmen außerhalb von Tarifverträgen betriebliche Altersvorsorge anbieten müssten. Dafür sollten Produktgeber und Vermittler sich schon einmal Lösungen einfallen lassen.
  • Zwar wollen CDU/CSU und FDP das jetzige duale Versicherungssystem beibehalten. Sollte es allerdings keine schwarz-gelbe Koalition geben, wird das Konstrukt der privaten Krankenversicherung unter Druck geraten.
  • Bei der Frage nach der Vermittlervergütung ist die Forderung nach strikten Trennung von Provisions- und Honorarberatung zwar vorerst beigelegt worden. Aber der Wind weht trotzdem in Richtung Honorarberatung. Vermittler sollten sich also um transparente und qualitativ hochwertige Beratung bemühen – und Versicherer sollten Nettopolicen als Alternative populärer. Wenn auf dem Gebiet kein Wandel sichtbar wird, drohen schmerzhafte staatliche Eingriffe.
  • Zwar kommen aufsichtsrechtliche Fragen, die sich etwa mit Details von Solvency II oder Mifid II befassen, in den Wahlprogrammen nicht direkt vor. In einem zukünftigen Koalitionsvertrag könnten sie aber sehr wohl eine Rolle spielen. Marktteilnehmer sollten jetzt schon einmal ihre Positionen erklären.
  • Die großen traditionellen Parteien CDU/CSU, FDP und SPD fordern mehr Transparenz bei der Vorsorge. Es ist wahrscheinlich, dass eine Bürgerplattform eingeführt wird, die Menschen eine Übersicht über ihre Alterseinkünfte bietet. Vermittler von Finanzanlageprodukten sollten sich in die Ideenfindung einbringen.

Auf einer eigens eingerichteten Internetseite analysiert Instinctif Partners den Bundestagswahlkampf. Die Seite bietet einen Überblick über Parteiprogramme, kommunikative Trends und Wahlkampf-Highlights. Außerdem präsentiert sie Analysen zu Versicherungen, Gesundheit, Finanzen, Landwirtschaft und Ernährung.