„Warren Buffett hält es nicht anders“: Schumpeter und das Gold

Georg Graf von Wallwitz

Georg Graf von Wallwitz

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Josef Schumpeter war nicht nur der bunte, sondern auch der junge Hund der Österreichischen Schule der Wirtschaftswissenschafen. Er wurde im Alter von 23 promoviert, legte mit 25 eine globale Darstellung der Wirtschaftswissenschaft überhaupt vor (Das Wesen und der Hauptinhalt der theoretischen Nationalökonomie, 1908), wurde mit 27 jüngster Professor des k.u.k.-Reiches und zu Anfang des Jahres 1919, im zarten Alter von 36, schließlich erster Finanzminister der eben aus der Taufe gehobenen Republik Österreich. Er wäre gerne Sohn eines österreichischen Adeligen gewesen, er war eitel, ehrgeizig und jedenfalls nicht nur an Ökonomie interessiert.

In einer Selbstbeschreibung hat er einmal angegeben, sein Ehrgeiz sei es, begehrtester Liebhaber Wiens, bester Herrenreiter Österreichs und größter Ökonom der Welt zu werden. Er habe nur zwei dieser Lebensziele erreicht, meinte er einmal in einem seiner seltenen selbstkritischen Momente. Wir können nur ahnen, welches er nicht geschafft hat, aber da wir uns das erste und das letzte nicht als besonders schwierig vorstellen, ist unsere Vermutung klar.

Schumpeter war Finanzminister in einer Zeit, in der die vordringlichsten Ziele die Rettung der k.u.k.-Währungsunion, die Geldwertstabilität und die Konsolidierung des hoffnungslos überschuldeten Haushalts waren. Es passiert eben nichts Neues auf der Welt. Schumpeter hatte eine Reihe von Ideen, wie sie heute mühsam wieder neu entwickelt werden von Leuten, denen das Historische nicht nahe liegt. Beispielsweise versuchte er eine einmalige Vermögensabgabe von etwa 25 Prozent durchzuführen, die auf einen Schlag die Staatsfinanzen sanieren würde.

Dadurch würden zwar viele Grund- und Fabrikbesitzer zum Verkauf gezwungen sein, aber Schumpeter sah das als einen Preis an, den er gerne zahlen lassen würde angesichts der Vorteile: Der Haushalt wäre so saniert, dass es glaubwürdig wäre, dass keine neue Vermögenssteuer kommt. Die Währung wäre stabilisiert, weil es keinen Grund gibt für den Staat, Geld zu drucken. Das würde ausländisches Kapital anlocken, zumal durch die notwendigen Verkäufe von Land und Industrie ansprechende Vermögenswerte auf den Markt kommen würden. Neue Eigentümer würden auch die verkrusteten Gesellschaftsstrukturen durchmischen und am Ende wäre alles gut für Österreich.

Natürlich ist es anders gekommen. Die Konservativen haben sich den Plänen widersetzt. Die Krone (gemeint ist die Währung) ist zerfallen und der Haushalt blieb eine Katastrophe.

Goldstandard spielte für Schumpeter keine Rolle

So zog sich Schumpeter bald zurück, nahm aus dem Finanzministerium aber noch eine Banklizenz mit und wurde, jedenfalls für einige Jahre, reich. Keine Rolle spielte bei Schumpeter die Rückkehr zu einem wie auch immer gestalteten Goldstandard. Ganz abgesehen davon, dass die Goldreserven Österreichs im Krieg zu einem guten Teil aufgebraucht worden waren, war Schumpeter doch zu sehr Ökonom, um sich auf so einen starren Mechanismus einzulassen. Eine Währung, die an Gold gebunden ist, kann nicht mit der Entwicklung der Wirtschaft atmen. Wenn die Wirtschaft wächst und die Geldmenge gleich bleibt, steigt der Goldpreis und am Ende haben nur die Goldhändler etwas davon. Gold war für ihn ein zufällig ausgewählter, archaischer Maßstab für Wert, der keinen Platz in der modernen Ökonomie hat.