Warum Afrika für Investoren jetzt interessant ist

Sven Richter

Sven Richter

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An einem typischen Vormittag am Wilson Airport außerhalb des Zentrums der 2,7 Millionen Einwohner zählenden kenianischen Hauptstadt Nairobi  warten Reisegruppen aus aller Welt auf ihre Anschlussflüge zu den zahlreichen Wildreservaten des Landes. Nach der Ankunft an ihrem Reiseziel gehen sie gemeinsam mit anderen angereisten Touristen auf Entdeckungsreise. Wenn es hingegen um geschäftliche Dinge in Afrika geht, kreisen die Gedanken vieler Menschen aus nichtafrikanischen Ländern nach wie vor fast ausschließlich um den Tourismus und die überwältigende Tierwelt des Landes.

Afrika mit dem Tourismus gleichzusetzen greift jedoch zu kurz. Dieser von rund einer Milliarde Menschen bevölkerte Kontinent bietet weitaus mehr Potenzial. Bis 2030 werden in Afrika mehr als 1,5 Milliarden Menschen leben, und die Bevölkerung in den Ländern südlich der Sahara wird von derzeit 800 Millionen auf rund 1,3 Milliarden Menschen anwachsen. Dadurch wird auch der afrikanische Verbrauchermarkt größer werden.

Die Kaufkraft steigt

Über 150 Millionen Afrikaner werden derzeit von der Weltbank den mittleren Einkommensschichten zugerechnet. Damit ist nicht das mittlere Einkommen gemeint, das in den Vereinigten Staaten oder in Europa erzielt wird, sondern das typische Einkommen in Schwellenmärkten, die zu den am schnellsten wachsenden Märkten der Welt gehören. In Afrika nimmt die Kaufkraft der Menschen wegen des wachsenden BIPs und der steigenden Pro-Kopf-Einkommen stetig zu. Auf dem Kontinent wirken drei Faktoren in einer besonders schlagkräftigen Kombination als Wachstumstreiber: die Verbraucher, die nicht ausgeschöpften Ressourcen und die sich entwickelnde Infrastruktur.

Die Grafik zeigt den Anteil der Menschen, die den entsprechenden Dollar-Betrag pro Tag ausgeben. Grafik vergrößern.



Oftmals neigen wir dazu, die Wirtschaftsdaten für Afrika als Ganzes zu betrachten, und bedenken dabei nicht, dass Afrika ein Kontinent mit 57 Staaten ist. Dies bedeutet für Unternehmen eine gewisse Sicherheit, da sich ihnen viele Bereiche für Wachstum und Diversifizierung erschließen. Allerdings birgt diese Situation auch gewisse Risiken, da Unternehmen mehr Verständnis für verschiedene Kulturen und die lokalen Bedürfnisse der Verbraucher entwickeln müssen.

Die Bildung verbessert sich

Alle diese Länder weisen jedoch auch gemeinsame Merkmale auf, wie zum Beispiel eine junge Bevölkerung, kontinuierliches Wachstum, höhere Bildungsstandards und eine in Kombination mit dem wachsenden Bruttoinlandsprodukt (BIP) sehr attraktive demografische Dividende. Gerade diese wird für den Kontinent in den  kommenden zwei Jahrzehnten günstige Rahmenbedingungen schaffen.

Unternehmen aus aller Welt sehen Afrika heute als einen vielversprechenden Markt. Viele Unternehmen, wie zum Beispiel Nestlé, Unilever, Heineken, Siemens und Vodafone sind schon seit mehreren Jahren in Afrika aktiv, verstärken jedoch neuerdings ihre Investitionen und stoßen nun auch in Regionen vor, in denen sie bisher nicht tätig wären. Ein Beispiel dafür ist das neue Büro von Visa in Kenia.

Multinationale Unternehmen sind zwar in vielen Ländern vertreten, jedoch gibt es einige Knotenpunkte, die wegen ihrer Kombination von Kaufkraft und Bevölkerung besonders bevorzugt werden. Dies sind das von Nigeria dominierte Westafrika, Ostafrika mit Kenia als Knotenpunkt und Drehscheibe der fortgeschrittenen regionalen Integration sowie das südliche Afrika, das von der großen Volkswirtschaft Südafrikas beherrscht wird.

Lokale Unternehmen überzeugen mit einem soliden Kundenstamm

Doch auch lokale Unternehmen konkurrieren um die Kaufkraft der einheimischen Bevölkerung und können für Anleger ein attraktives Investment sein. Viele  afrikanischen Unternehmen verfolgen ehrgeizige Wachstumsziele und verfügen über einen soliden Kundenstamm. Als Bespiele sind hier der Zementhersteller Dangote Cements in Nigeria und Safaricom, Kenias führender Mobilnetzbetreiber, zu nennen. Mit seinem neuen Zementwerk in Nigeria verfügt Dangote Cements über eine Jahreskapazität von mehr als 20 Millionen Tonnen. Das Unternehmen betreibt das größte Zementwerk südlich der Sahara und verfolgt das Ziel, Nigeria in den Rang eines Nettoexporteurs von Zement zu heben.

Das teilweise im Besitz der Vodafone Group PLC befindliche Unternehmen Safaricom verfügt über 17 Mobilfunkteilnehmer und kann bereits ein erstklassiges Barzahlungssystem in seinem Netzwerk vorweisen.
Von Banken, Telekommunikationsunternehmen bis hin zu Unternehmen im Industrie- und Konsumgüterbereich sind über 560 Unternehmen an den Börsen in Afrika südlich der Sahara notiert (ohne Südafrika). Ein niedriges Verhältnis von Fremd- zu Eigenkapital, stattliche Dividenden von durchschnittlich mehr als 4 Prozent und einem KGV, das vielfach unter 10 liegt, machen Afrika zu einer attraktiven Region für Investoren.