Warum es sehr wohl krachen kann „Lieber Robert Halver, wir glauben nicht an die Allmacht der Notenbanken“

Georg Oehm gründete 2008 Mellinckrodt & Cie. und ist Verwaltungsrat der Mellinckrodt 2 SICAV in Luxemburg | © Wonge Bergmann

Georg Oehm gründete 2008 Mellinckrodt & Cie. und ist Verwaltungsrat der Mellinckrodt 2 SICAV in Luxemburg Foto: Wonge Bergmann

Börsenexperte Robert Halver erwartet, dass die Notenbanken das Platzen der Finanzblasen verhindern. Wir sind da nicht so sicher. Die Vola-Jungs aus der Computerküche haben den Märkten letzte Woche mal kurz vor Augen geführt, wie es so gehen kann, wenn das, was nicht sein darf eben doch passiert. Es war Flash-Crash-mäßig schnell vorbei, aber ausgestanden ist der Vola-Kryptocrash möglicher Weise noch nicht.

Risiken

1. Ölpreis und US-Steuerreform

Fragt man Volkswirte, wie es sich auf ihr Makro-Szenario auswirken würde, wenn Öl bei 100 US-Dollar und der Euro-Dollar-Kurs bei 1,40 lägen, dann kann man hören, dass das als Horrorszenario für die Notenbanken einzustufen sei. Stagflation, der Horror der 70er Jahres des letzten Jahrhunderts ist das Stichwort. Für Notenbanken ist es nicht besser als Deflation, das andere, schwer zu beherrschende Phänomen.

Ob die Saudis ihren Aramco-IPO bei 80 oder 120 Dollar durchziehen, kann niemand wissen. Auch der Euro hat sich nach den Untergangsprognosen vor einem Jahr gänzlich anders entwickelt als von vielen erwartet. Auch hier kann heute nur schlecht beantwortet werden, ob der Anstieg des Euros sich auch über 1,30 hinweg fortsetzt, oder erstmal der bisherige Anstieg in Ruhe konsolidiert wird und der Dollar in Richtung 1,15 Euro läuft.

Für das Risikomanagement ist das allerdings nur von eingeschränkter Bedeutung. Wenn die Wettbewerbsfähigkeit der Eurozone, insbesondere bei den Südländern, nach dem Amtsende des Italieners Draghi in Gefahr gerät, dürfte dies nicht ohne Auswirkungen auf die volkswirtschaftliche Situation bleiben. Die Szenarien auf der Basis „Weidmann EZB-Präsident“ spielen die Shorties in New York bereits öffentlich durch.

Das ist alles hätte, könnte, Fahrradkette – sicher. Aber dass die steigende Staatsverschuldung der USA durch Steuerreform und Infrastrukturprogramm (Trump wird entgegen den Erwartungen auch das vielleicht durchbekommen) ohne Auswirkungen auf Zinsniveau und Dollarkurs bleiben wird, scheint zumindest unwahrscheinlich. Die USA nehmen 1.000 Milliarden neue Schulden auf und bei den in der Vergangenheit größten Käufern China und Fed ist nicht davon auszugehen, dass diese den Brocken einfach so absorbieren. Ein bisschen vielleicht, wenn sie gedrängt werden, aber wohl kaum alles, denn eigentlich wollen sie nichts davon.