Was fliegt denn da? Teil 3 Königinnen des Luftraums: Wide-Body-Flugzeuge

Boeing 747: Die Airforce One, das Flugzeug des amerikanischen Präsidenten, gehört zu den Jumbo-Jets

Boeing 747: Die Airforce One, das Flugzeug des amerikanischen Präsidenten, gehört zu den Jumbo-Jets

In 12 Kilometern Höhe ist die Atmosphäre für den Menschen lebensfeindlich. Temperaturen von 50°C unter null und ein Luftdruck, der nur noch ein Bruchteil dessen auf Meereslevel ausmacht gehören zu Rahmenbedingungen, die ein Mensch ohne technische Hilfsmittel nicht überleben könnte. Dennoch können Reisen in diesen luftigen Höhen – insbesondere in den Flaggschiffen der Luftfahrtbranche – außerordentlich komfortabel sein.

Die Flaggschiffe der Verkehrsluftfahrt sind in den modernen Wide-Body-Flugzeugen zu sehen. Im Folgenden stellen wir einige Rekordhalter und Meilensteine aus dieser Kategorie vor.

Spricht man über die Königin des Luftverkehrs, denken die meisten – insbesondere die älteren Semester - zuerst an die Boeing 747, oder auch Jumbo-Jet, welcher das erste Flugzeug mit zwei Etagen war. Anfänglich wurde das Oberdeck der 747-100 als Lounge genutzt. Der Erstflug dieses Typs fand bereits 1969 statt (hierzu ein Video Tipp: https://www.youtube.com/watch?v=fGuIJG3j5Hk).

Berühmte Beispiele: Airforce One & Co.

Dieses unverkennbare Flugzeug, welches im vorderen Rumpfabschnitt durch das Oberdeck einen Buckel aufweist, wurde Jahrzehnte stetig weiterentwickelt. Nicht zuletzt wurden auch viele bekannte Spezialanfertigungen auf diesem Flugzeugtyp aufgebaut, wie zum Beispiel die amerikanische Airforce One, also das Flugzeug des amerikanischen Präsidenten – oder besser die beiden Flugzeuge des amerikanischen Präsidenten, oder eine 747-SP namens SOFIA. Diese wird seit 2010 als fliegendes Observatorium von der NASA und dem DLR betrieben. Die aktuell gebaute Boeing 747-8I (Passagierversion), beziehungsweise die 747-8F (Frachtversion) ist insgesamt etwa 75 Meter lang und hat eine Spannweite (von Flügelspitze bis Flügelspitze) von fast 70 Metern. Mit einem maximalen Abfluggewicht von rund 450 Tonnen gehört sie zu den schwersten Verkehrsflugzeugen weltweit.

Einen Rekord hält auch die Boeing 777 – oder genauer ihre beiden Triebwerke, welche die schubstärksten der zivilen Luftfahrt sind. Am Anfang der Verkehrsluftfahrt war es üblich, dass Langstreckenflugzeuge, insbesondere wenn sie große Strecken über offenem Meer zurückzulegen hatten, möglichst viele Triebwerke hatten. Dies lag zum einen daran, dass ausreichend Schub zur Verfügung stehen musste. Ein weiterer bedeutender Faktor ist hierfür aber auch die Zuverlässigkeit der Triebwerke. Dies hat sich mit der modernen Triebwerkstechnik teilweise geändert: Heute genügen an der 777-200LR und der 777-300ER zwei Triebwerke des Herstellers General Electrics anstatt wie bei älteren Langstreckenflugzeugen vier.

Eine GE90 produziert einen Startschub von beeindruckenden 50.000 kg. Der Durchmesser der GE90-115B liegt bei 330 cm. Zur Erinnerung: Der Rumpf eines Airbus A320 liegt bei 396 cm und ist somit nur etwa 3 cm größer als der Gesamtdurchmesser dieses Triebwerks von 393 cm. Eine Boeing 777, die im Moment das größte zweimotorige Passagierflugzeug der Welt ist, bietet bei dichter Bestuhlung Raum für 440 Passagiere (777-200), beziehungsweise für 550 (777-300). Herausragend ist auch die Reichweite dieses Flugzeugtyps. Die 777-200LR wird genutzt um den aktuell längsten Nonstop-Linienflug weltweit anzubieten. Dieser geht von katarischen Hauptsadt Doha ins neuseeländische Auckland und dauert etwa 16 Stunden und 30 Minuten. Hierbei werden über 14.000 Kilometer am Stück zurückgelegt.

Airbus A380: Gigant der Lüfte

Ein weiteres Flugzeug, welches in diesem Artikel natürlich nicht fehlen darf, ist das weltweit größte Passagierflugzeug: Der Airbus A380. Dieser Gigant der Lüfte besitzt ähnlich wie die 747 zwei Etagen. Ein maßgeblicher Unterschied zur Boeing 747 liegt allerdings darin, dass sich das Oberdeck des Fliegers über die gesamte Länge erstreckt und im Gegensatz zur Boeing das Oberdeck weniger eingeschnürt ist. In der Economy Klasse, die sich üblicher Weise auf dem Hauptdeck befindet, gibt es jeweils drei Sitze außen, sowie vier in der Mitte. Insgesamt sind das also zehn Sitze nebeneinander.

Die insgesamt nutzbare Fläche in der Kabine eines A380 liegt bei etwa 550 Quadratmeter, sodass bei reiner Economy-Class Bestuhlung unvorstellbare 853 Personen Platz finden würden. Dennoch gibt es (noch) keinen Airbus A380 in einer solchen Konfiguration. Stattdessen nutzen Airlines das immense Platzangebot, um den von Ihnen angebotenen Service luxuriöser zu gestalten. Beispielsweise können Fluggäste an Bord eines Singapore Airlines A380 sogar eine eigene Suite mieten, um ausgeruht an Ihrem Zielort anzukommen. Hierbei handelt es sich tatsächlich um einen abgetrennten Bereich mit luxuriöser Ausstattung, wie beispielsweise einem eigenen Bett und einem ausgereiften Entertainment-System.

Breiter als ein Fußballfeld

Auch die Ausmaße eines Airbus A380 sind beeindruckend. Die Spannweite des A380 ist mit fast 80 Metern mehr als doppelt so groß wie die eines A320. Damit ist ein A380 breiter als ein Fußballfeld in der Bundesliga. Die rund 570 Tonnen (maximales) Abfluggewicht werden von einem Hauptfahrwerk aus vier Fahrwerksbeinen mit insgesamt 20 Reifen getragen. Jeder dieser Reifen wird folglich mit beinahe 30 Tonnen belastet – und das bei Geschwindigkeiten über 250 km/h. Zum Erreichen der maximalen Reichweite von 15.000 km fasst der Tank des Flugzeugs über 300.000 Liter Kraftstoff – oder auch 250.000 kg. Das würde ausreichen, um mit einem durchschnittlichen Auto 4 Millionen Kilometer zu fahren. Und wer jetzt denkt Langstreckenflüge seien, was den „Environmental-Footprint“ angeht, katastrophal, der irrt sich. Ein A380 verbraucht pro Kopf weniger als 4 Liter Treibstoff auf 100 km. Das schafft sonst kaum ein anderes Fortbewegungsmittel.

Auch in Sachen Innovation können sich Wide-Body-Flugzeuge sehen lassen. Mit der Boeing 787-8 Dreamliner haben modernste Technologien die Lufträume über uns erobert. Einige der technischen Innovationen stellen wir Ihnen im kommenden Artikel vorstellen.

Was fliegt denn da - Teil 1

Was fliegt denn da - Teil 2