Was Sparer über die EZB-Geldpolitik wissen sollten Wie realistisch sind steigende Zinsen?

Mit kleineren Reparaturen allein ist’s nicht mehr gemacht: Nach Abzug der Preissteigerungen verliert auf Sparbüchern deponiertes Vermögen in der Eurozone weiterhin an Wert.  | © Getty Images

Mit kleineren Reparaturen allein ist’s nicht mehr gemacht: Nach Abzug der Preissteigerungen verliert auf Sparbüchern deponiertes Vermögen in der Eurozone weiterhin an Wert. Foto: Getty Images

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EZB-Präsident Mario Draghi lässt sich Zeit. Während die US-Notenbank ihre Leitzinsen in den vergangenen Jahren bereits sieben Mal erhöht hat, steht in der Eurozone weiterhin die Null. Seit dem 11. Juli 2014 verlangt die Europäische Zentralbank (EZB) zudem „Strafzinsen“ auf Bankeinlagen, die zahlreiche Institute auf ihre großen Kunden umlegen. Frühestens ab Sommer nächsten Jahres sollen die Zinsen laut EZB wieder steigen dürfen. Das weckt Begehrlichkeiten. Nach einer Zinswende, hin zu Sätzen, wie wir sie vor der Finanzkrise einmal kannten.

Zwei Optionen für die Notenbanker

Doch was müsste passieren, damit es so weit kommt? Ein Szenario wäre aus Sicht der Notenbanker wohl der eleganteste Ausweg aus dem Zinstief: Die Inflation und das Wirtschaftswachstum ziehen so kräftig an, dass ein höherer Zins am Kapitalmarkt und von den Notenbanken als „angemessen“ erachtet wird. Die Zinsen steigen zwar – aber längst nicht so schnell wie die Inflation. Ein solches Szenario erscheint Flossbach von Storch auf lange Sicht nicht unrealistisch, auch wenn die Inflationsdaten bislang keinen zwingenden Anlass für diese „Zinswende light“ geben. Die Schuldenberge klammer europäischer Staaten blieben finanzierbar. Kreditausfälle im großen Maßstab sind wohl eher nicht zu befürchten, und auch die Preise für Vermögenswerte wie Immobilien oder Aktien klettern weiter.

„Zinswende light“ für Sparer kein Ausweg

Für den Sparer ist dieses Szenario allerdings kein Ausweg. Real, also nach Abzug der Preissteigerungen, verliert ihr Vermögen weiterhin an Wert. Dieses Szenario ließe sich nach Ansicht von Flossbach von Storch wohl auch nicht bis in alle Ewigkeit fortsetzen. Eine andauernde Entwertung des Geldvermögens steigert die Attraktivität von Alternativanlagen wie etwa Aktien, Gold oder Immobilien. Auf lange Sicht könnte es in diesem Szenario zu Preisübertreibungen kommen – zu „Blasen“ an den Finanzmärkten.

Wenn die EZB handeln muss

Die Notenbanken könnten sich daher irgendwann gezwungen sehen, zukünftigen Finanzkrisen durch eine deutlich restriktivere Geldpolitik vorzubeugen. Das würde aber nur in einem anderen Szenario, dem einer echten Zinswende, funktionieren. Die Auswirkungen hat Flossbach von Storch in einer Studie durchgerechnet: Ein Anstieg der Realzinsen –  mit Nominalzinsen, die deutlich über die Inflation steigen – hätte weitreichende Konsequenzen.

In der Studie nehmen die Autoren an, dass die EZB ihr selbst gestecktes Inflationsziel von zwei Prozent nachhaltig erreicht. Gleichfalls steigen die Zinsen – auf das Vorfinanzkrisenniveau des Jahres 2008. Die kurzfristigen Zinsen liegen dann, gemessen am Leitzins der EZB, bei etwa vier Prozent.