Wealthpilot-Chef Marco Richter „Das bringt dem Berater 70 Prozent Zeitersparnis“

Geschäftsführer von Wealthpilot Marco Richter während seines Vortrags über Digitalisierung im Rahmen des Finanzplaner Forums Rhein-Ruhr | © Axel Jusselt

Geschäftsführer von Wealthpilot Marco Richter während seines Vortrags über Digitalisierung im Rahmen des Finanzplaner Forums Rhein-Ruhr Foto: Axel Jusselt

DAS INVESTMENT.com: Warum hängt die Branche der Finanzdienstleister bei der Digitalisierung hinterher?

Marco Richter: Tatsächlich ist die Digitalisierung im Wealth Management in anderen Ländern schon viel weiter. Die USA sind seit jeher der Entwicklung um mindestens zehn Jahre voraus. Durch die sehr weit fortgeschrittene Etablierung des Finanzplanungsansatzes kamen dort schon viel früher digitale Lösungen auf den Markt. In Australien und Großbritannien haben die gesetzlichen Verschärfungen die Entwicklung vorangetrieben.

Wo hapert es?

Richter: Da gibt es viele Dinge: Das Kernbank-System großer Banken ist häufig Jahrzehnte alt und war nie für das ausgelegt worden, was es heute leisten soll. Innovationen in diese überalterten Systeme einzubringen, ist extrem schwierig. Auch habe ich in den 20 Jahren, die ich Teil der Branche bin, den Eindruck gewonnen, dass man hierzulande zu wenig über den Tellerrand blickt, und die Entwicklungen in anderen Ländern verschläft.  Zudem war der Druck, sich zu verändern, vor allem durch die auskömmlichen Margen bisher einfach noch nicht hoch genug. Aber jetzt schmelzen die Margen zusammen und der Gesetzgeber setzt die ganze Branche mit Mifid II unter Druck. Es braucht offensichtlich einen regulatorischen Anschub, um die dringend notwendige digitale Unterstützung in der Beratung in Angriff zu nehmen.

Wo setzt die Digitalisierung an?

Richter: Sie setzt bereits bei der Gewinnung der Daten an. In Zukunft werden diese nicht mehr händisch erfasst und weiterverarbeitet, sondern automatisch über Schnittstellen gewonnen werden. Im weiteren Prozess haben wir noch ein absolutes Silodenken; die einzelnen Programme stehen meist isoliert nebeneinander. Die Digitalisierung schafft hier Mehrwert durch eine Vernetzung der Daten und intelligente Analyse. Wie groß der Effizienzgewinn ist, zeigt das Beispiel einer klassischen Kontoeröffnung. Momentan erfolgt sie bei einer Bank weitestgehend von Hand und dauert in manchen Fällen Tage. Bei einem digitalen Anbieter dauert sie im Schnitt acht Minuten.

Was kann die Digitalisierung im Beratungsprozess verbessern?

Richter: Ganz klar: Personalisierung und Effizienz. Durch mehr Effizienz bekommt der Berater mehr Zeit für das eigentliche Relationship Management. Der große Treiber in der Digitalisierung ist zudem die Personalisierung. Ich kann dem Kunden ein viel individuelleres Angebot machen und gleichzeitig im Hintergrund in den Abläufen effizienter werden. Die Lösung des scheinbaren Widerspruchs von Automatisierung und Individualität ist der große Reiz der Digitalisierung.