Weltwirtschaft 2013: Ist es wirklich so schlimm?

Frank Naab, Leiter des Portfoliomanagements bei Metzler

Frank Naab, Leiter des Portfoliomanagements bei Metzler

// //

„Die Europäische Zentralbank schmeißt die Notenpresse an“, „China vor dem Absturz“ und „Amerika auf dem Weg in die nächste Rezession“. So, oder so ähnlich, lauteten die Schlagzeilen der vergangenen Wochen. Der Ausblick für die Weltwirtschaft scheint also trübe zu sein. Doch ist dies wirklich so? Wir sind der Meinung, dass etwas weniger Aufgeregtheit einer sachlichen Betrachtung dienlich wäre.

So hätte sich denn auch feststellen lassen, dass die EZB sich satzungsgemäß für die Finanzstabilität in der Eurozone einsetzt, China sein Wachstumsmodell wandelt und die USA Schritte ergreifen, um ihr Haushaltsdefizit zu senken. Wie so oft im Leben gibt es also unterschiedliche Blickwinkel auf denselben Sachverhalt. Oder, anders formuliert: Information benötigt Interpretation.

Welche Konjunktureffekte sich aus den vorgenannten Entwicklungen ergeben, ist also alles andere als ausgemacht, und die jeweiligen Ergebnisse hängen eng mit den wirtschaftspolitischen Annahmen zusammen. Jeder Konjunkturexperte täte daher gut daran, die seinen Prognosen zugrunde liegenden Hypothesen explizit zu nennen.

Wesentliche Annahmen unserer Analyse sind, dass sich erstens die Unsicherheiten im Euroraum im Rahmen der Staatsschuldenkrise sukzessive verringern, dass zweitens die zum Jahreswechsel gesetzlich angelegte Defizitreduktion in den USA nicht vollständig greift und dass drittens die Schwellenländer das Wachstum weiterhin mit einer antizyklischen Geld- und Fiskalpolitik unterstützen.

Unseres Erachtens gibt es gute Gründe für diese Annahmen – und bereits erste Anzeichen dafür, dass sich die Weltkonjunktur schon bald stabilisieren wird. Zunächst einmal ist aber richtig, dass sich der weltweite Handel in den vergangenen Monaten verringert hat.

Der RWI/ISL-Index, der auf Angaben von 72 internationalen Häfen beruht und ca. 60 % des weltweiten Containerumschlags abbildet, ist von Mai bis August zwar um 3,4 Punkte gesunken, was aber angesichts eines Rückgangs des Index während der Finanz- und Wirtschaftskrise 2008/2009 von 16 Punkten in drei Monaten nicht dramatisch erscheint.

Daraus schlussfolgern wir, dass die derzeitige Schwäche der Weltkonjunktur nur vorübergehend ist und bald zu Ende gehen wird. Zumindest deuten auch wichtige Frühindikatoren wie der OECD Composite Leading Indicator (CLI) darauf hin. Dieser umfasst verschiedene, der Wirtschaftsentwicklung vorlaufende Größen wie Auftragseingänge und Baugenehmigungen für 29 OECD-Mitgliedstaaten und sechs wichtige Nicht-Mitgliedstaaten (Brasilien, Russland, Indien, China, Indonesien und Südafrika).