Weltwirtschaft Chinas Stabilität wiegt schwerer als der drohende Protektionismus

Von links nach rechts: Samy Chaar, Chefvolkswirt, Lombard Odier-Gruppe, Salman Ahmed, Leitender Investmentstratege, und Jan Straatman, Chief Investment Officer bei Lombard Odier IM

Von links nach rechts: Samy Chaar, Chefvolkswirt, Lombard Odier-Gruppe, Salman Ahmed, Leitender Investmentstratege, und Jan Straatman, Chief Investment Officer bei Lombard Odier IM

Mehr Kontinuität im Jahr 2017

Während des größten Teils des Jahres 2016 erwiesen sich die Investoren trotz der hohen

Unsicherheit als überraschend nervenstark, gleichzeitig blieben die Fundamentaldaten des Marktes solide, wodurch der Trend zum langsamen, aber stabilen Wachstum der Weltwirtschaft gestützt wurde. Alles in allem rechnen wir für 2017 mit mehr Kontinuität. Allerdings werden wir die nach wie vor vorhandenen geopolitischen Spannungen, politischen Unsicherheitsfaktoren und wirtschaftlichen Risiken auch künftig genauestens im Auge behalten. Unserer Auffassung nach wird das größte Risiko des Jahres 2017 der Handelsprotektionismus samt seinen Konsequenzen für den Welthandel sein.

Wir gehen von einer Fortsetzung der moderaten Erholung in Europa aus, die durch fiskalische Impulse durchaus an Schwung gewinnen könnte. Die Aussichten für die USA stellen sich positiv dar, da der Ausgang der Präsidentschaftswahlen Hoffnung auf umfangreiche fiskalische Anreize weckt, die – wenn auch nur vorübergehend – das Wachstum spürbar anschieben können. Mit Blick auf die Schwellenländermärkte denken wir, dass die Erholung gerade erst begonnen hat und dass die Erhaltung von Chinas Stabilität schwerer wiegt als der drohende Protektionismus.

Paradigmenwechsel an den Rentenmärkten – was bedeutet das für Investoren?

Wir rechnen mit einer Zuspitzung vieler Herausforderungen, mit denen Anleiheinvestoren konfrontiert sind:

1.    Zum einen dürften die Zinsen in Europa und Japan angesichts der wirtschaftlichen Rahmenbedingungen und der Tatsache, dass die Ankurbelung des Wachstums auf geldpolitische Maßnahmen angewiesen ist, niedrig oder sogar negativ bleiben.

2.    Zum zweiten können wir erhöhte Marktrisiken erkennen, die u.a. mit einer längeren Duration in den Portfolios einhergehen. Untermauert wird diese Hypothese durch die Marktvolatilität, die nach den US-Wahlen zu beobachten war.

3.    Last but not least ist die Liquiditätslage an den Finanzmärkten angespannt. Besonders deutlich wurde dies auch nach den US-Wahlen.

Wie können sich Investoren für diese Herausforderungen rüsten?

Immunität gegen die Verknappung der Liquidität aufbauen

Wir raten Investoren eindringlich, weniger Transaktionen zu tätigen und sichere, hochwertige Portfolios aufzubauen. Zu diesem Zweck sollten sich Investoren unserer Auffassung nach beim Aufbau ihrer Portfolios von den Fundamentaldaten leiten lassen und sorgfältig auf die Minimierung von Ausfallrisiken bei niedrigem Portfolioumschlag achten.

Einbeziehung des Kreditrisikos

Um in einer Welt extrem niedriger oder negativer Zinsen Renditequellen zu finden, sollten Investoren ihre Exposure im Kreditrisiko durch eine Allokation auf Unternehmensanleihen erhöhen. Allerdings sollten sie sich dabei nicht nur auf das höher geratete Investment Grade-Segment dieses Marktes, in dem das Durationsrisiko eine treibende Kraft ist, beschränken. Das Eingehen von Durationsrisiken hat in der Vergangenheit hervorragende Dienste geleistet, aber diese Zeiten sind vorbei. In den USA zeichnet sich nach der Wahl ein rascheres Anziehen der Zinsschraube ab. In Europa wird die Europäische Zentralbank nach der Verlängerung ihrer quantitativen Lockerungsmaßnahmen auf ihrer letzten Sitzung 2017 wohl nun die Steuerung der Renditekurven ins Auge fassen. Wir sind der Überzeugung, dass die Duration die Schlüsselfunktionen, mit denen sie bisher stets assoziiert wurde, künftig nicht mehr adäquat erfüllen wird, sprich: langfristige Renditen, Kapitalerhalt, Diversifikation und Liquidität.

Zur Erzielung deutlich höherer Renditen plädieren wir daher für eine Verlagerung auf niedrigere Bereiche des Bonitätsspektrums. Das sogenannte „Crossover“-Universum, das Emittenten der unteren Investment Grade-Kategorie (BBB) sowie des höherwertigen Hochzinssegments (BB) umfasst, bietet unserer Ansicht nach ein interessantes Mehrertrags-Potenzial gegenüber Investment Grade-Emittenten, allerdings ohne das für (mit B und darunter geratete) High Yield-Bonds typische exzessive Ausfallrisiko.