Wenig Spielraum für Aktien „Renditeerwartungen senken, Währungseffekte beachten“

Mihir P. Worah, CIO Asset Allocation und Real Return bei Pimco

Mihir P. Worah, CIO Asset Allocation und Real Return bei Pimco

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Nach der Finanzkrise von 2008 profitierten die Investoren jahrelang von einer Rally an den Finanzmärkten. Die expansive Geldpolitik der Notenbanken in den USA und in anderen Staaten hat die Hausse mit ermöglicht. Das Jahr 2015 markierte jedoch einen Wendepunkt. Die US-Notenbank (Fed) hob erstmals seit neun Jahren ihre Zinssätze an. Den Märkten macht nun zu schaffen, dass die Geldpolitik der Zentralbanken auseinanderdriftet. Anleger sollten daher mit höheren Volatilitäten rechnen und ihre Renditeerwartungen senken.

Um attraktive risikobereinigte Renditen zu erzielen, plädieren wir bereits seit einiger Zeit für ein stärker taktisches Vorgehen. Wir bekräftigen diese Einschätzung, zumal wichtige neue Faktoren an Einfluss gewinnen. Hierzu zählen insbesondere die Wechselkurse, deren Bewegungen zukünftig einen deutlich größeren Einfluss auf die Portfolioergebnisse haben dürften. Außerdem ist zu erwarten, dass sich die Korrelationen zwischen Aktien und Anleihen nicht mehr so beständig im negativen Terrain bewegen werden wie in den vergangenen zehn Jahren.

Basisszenario für 2016

Wir bei Pimco glauben nicht, dass die Weltwirtschaft an der Schwelle zur nächsten Rezession steht. Unser Basisszenario für 2016 beinhaltet vielmehr ein mäßiges BIP-Wachstum von 2,25 bis 2,75 Prozent. Zugleich sollten die Deflationsängste abnehmen. Denn die Inflation in den wichtigsten Wirtschaftsregionen könnte moderat anziehen - von zuvor 1,6 Prozent auf 1,75 bis 2,25 Prozent im laufenden Jahr.

Diese Prognose ist allerdings mit Unwägbarkeiten behaftet. Sie unterstellt, dass der Ölpreis bis Ende 2016 auf 50 US-Dollar je Barrel steigen wird. Schließlich haben die niedrigen Ölnotierungen zum stärksten Nachfragewachstum seit zehn Jahren geführt. Außerdem dürften die aktuell hohen Lagerbestände sinken, da wohl sogar das zusätzliche Angebot aus dem Iran die steigende Nachfrage nicht auffängt.

Fester US-Dollar, schwächerer Yuan

Der US-Dollar dürfte weiterhin zur Stärke neigen, allerdings nicht mehr so deutlich aufwerten wie in der jüngsten Vergangenheit. Gleichzeitig verfügt die Wirtschaft in den USA über das Potenzial, um 2,0 bis 2,5 Prozent zu wachsen. Es ist daher vorstellbar, dass die US-Notenbank die Leitzinsen 2016 mehrmals anhebt und nicht nur einmal, wie dies die Märkte derzeit erwarten. In China könnte der sogenannte Offshore-Yuan hingegen stärker abwerten als die Marktkurse derzeit signalisieren.

Anleger sollten die Bewegungen an den Devisenmärkten genau beobachten und in ihre Investitionsentscheidungen einbeziehen – nicht nur auf der Ebene der Asset Alloacation, sondern auch bei der Auswahl von Einzeltiteln. Denn wenn die Wechselkurse im Vergleich zum Wirtschaftswachstum und zur Inflation stark schwanken, reagieren die Märkte hierauf aus gutem Grund empfindsam - beeinflusst der Währungsfaktor doch sowohl die Gewinne als auch die Verschuldung der Unternehmen. Wechselkurse schlagen sich in der Finanzlage nieder und ziehen Wohlstandseffekte nach sich, mit Rückwirkungen auf die Gesamtwirtschaft und letztendlich die Geldpolitik.

Überschaubares Potenzial für Aktien

Angesichts langsam steigender Zinssätze am Rentenmarkt und der Reduzierung schuldenfinanzierter Aktienrückkäufe dürften sich Aktien schwertun, auch weiterhin überdurchschnittlich hohe Renditen zu erwirtschaften. Wir können uns allerdings vorstellen, dass die zuletzt vernachlässigten wertorientierten Value-Titel wieder in der Anlegergunst steigen.

In regionaler Hinsicht räumen wir Titeln aus Europa und Japan größeres Potenzial ein als dem US-Markt. Europäischen Aktien kommt die expansive Politik der Europäischen Zentralbank zugute. Da europäische Aktien sehr stark auf Wechselkursbewegungen reagieren, könnten die Gewinne bei einer weiteren Abschwächung des Euros durchaus deutlich zulegen.