Wenn das Schließfach nicht mehr da ist Wohin mit den Wertsachen?

Andreas Görler ist Senior Wealthmanager bei der Wellinvest Pruschke & Kalm in Berlin

Andreas Görler ist Senior Wealthmanager bei der Wellinvest Pruschke & Kalm in Berlin

Grundsätzlich war die Nachfrage nach Bankschließfächern immer recht stabil. Doch in letzter Zeit herrscht ein enormer Mangel. Insbesondere Volksbanken und Sparkassen schließen ihre Filialen. Die Kunden müssen mit ihren Schließfächern in andere Filialen umziehen, sofern dies möglich ist. Die vorhandenen Räumlichkeiten in einer Bankfiliale lassen oft keine Erweiterung zu. Ein Schließfachbereich befindet sich in der Regel im Tresorraum, der nicht beliebig vergrößert werden kann. Die Kosten für den Bau- oder Ausbau von Tresoranlagen sind hoch.

In Deutschland gibt es als Alternative zum Bankschließfach verschiedene Verwahrmöglichkeiten für Wertgegenstände oder Dokumente, die von privaten Firmen angeboten werden. Insbesondere größere Wertgegenstände finden in Bankschließfächern ohnehin keinen Platz. Wenn der ständige Zugriff nicht notwendig ist, gibt es in jeder größeren Stadt private Anbieter für Schließfächer, gesicherten Lagerhallen etc.

Hier hat man die Wahl zwischen relativ sicheren Lagerräumen und hochgesicherten Tresoranlagen. Während Lagerräume in der Regel jeden Tag über 24 Stunden einen Zugriff ermöglichen, hat man bei Tresoranlage an Wochenenden keine oder eingeschränkte Zugangszeiten. Man muss allerdings berücksichtigen, dass die Kosten hierfür deutlich höher sind als bei einem Bankschließfach. Ein bekannter Anbieter aus Stuttgart berechnet für ein fünf Zentimeter hohes Fach knapp 30 Euro im Monat. Das ist viermal so hoch, wie das Angebot einiger Banken für Fächer gleicher Größe, wobei Banken meist jährlich abrechnen.

Für den einen oder anderen Kunden mag es allerdings ein wichtiges Zusatzargument geben. Für private Anbieter besteht keine Meldepflicht von Schließfächern. Wenn man seine Wertsachen immer in der Nähe haben will, kann man sich privat Wand- oder Möbeltresore sowie Standtresore einbauen oder installieren lassen.

Sicherlich kann es sinnvoll sein, Goldmünzen, wertvollen Familienschmuck, der nicht permanent getragen wird, oder wichtige Dokumente in einem Bankschließfach oder einem stabilen, feuersicheren Wand- oder Möbeltresor aufzubewahren. Die zuständige Versicherungsgesellschaft sollte vorab informiert und eine Zusatzversicherung abgeschlossen werden, da die Standarderstattungsbeträge für Wertsachen, die aus privaten Wohnungen gestohlen werden sehr gering sind. Außerdem sollten Unterlagen, die im Schadensfall den Wert der Wertsachen belegen, getrennt aufbewahrt werden. Grundsätzlich empfehle ich allerdings nicht, zu große Bargeldmengen oder Wertgegenstände im Haus oder der Wohnung aufzubewahren.