Wer wird Fußballweltmeister? Eine ökonomische Analyse

Quelle: Pixelio.de / Wolfgang Pfensig

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An diesem Freitag rollt der Ball wieder. Und damit drängt sich die alles entscheidende Frage auf: Wer wird Fußballweltmeister in Südafrika? Eine Möglichkeit, um Licht in das Dunkel zu bringen, sind Umfragen unter Fans. Nach der Verletzung von Michael Ballack glaubt immerhin noch jeder Vierte, dass Deutschland Fußballweltmeister wird. Auf Wettbörsen werden Spanien, Brasilien und Argentinien hoch gehandelt. Deutschland gehört zum erweiterten Kreis der Titelfavoriten. Mit Umfragen und Wetten ist es aber so eine Sache. Niemand weiß, wie die teilnehmenden Personen zu ihrem Urteil gelangen. Möglicherweise spielt Wunschdenken eine nicht unerhebliche Rolle. Andere mögen die "Fundamentalfaktoren" wie Spielstärke und Taktik eingehend analysieren. Aber auch hier scheiden sich schnell die Geister: Zählt ein hervorragend aufspielender Messi besser als ein schlecht aufgelegter Maradona als Trainer? Alternativen zu Umfragen und Wettbörsen sind deshalb gefragt.
Im Folgenden stellen wir ein Prognosemodell vor, das auf ökonomischen Überlegungen beruht. Dieser Ansatz wurde von den Professoren Jürgen Gerhards und Gert C. Wagner entwickelt und bereits mit Erfolg eingesetzt. Die Grundidee ist so gut wie einfach: Die Stärke einer Mannschaft spiegelt sich am Besten in dem Transferwert ihrer Spieler wider. Auch auf dem internationalen Transfermarkt gilt das Gesetz von Angebot und Nachfrage. Je höher der Preis für einen Spieler, desto größer werden seine fußballerischen Fähigkeiten eingeschätzt. Basierend auf diesem Kriterium ist Spanien mit einem Mannschaftswert von 650 Millionen Euro unangefochten Titelfavorit. Danach folgen England (448 Millionen), Frankreich (367 Millionen), Brasilien (353 Millionen), Argentinien (347 Millionen) und Italien (319 Millionen). Deutschland landet mit 292 Millionen Euro auf Rang 7. Hoffnung für Deutschland: Unsere Risiko-Ertrags-Analyse Die beiden Professoren Gerhards und Wagner konzentrieren sich in ihrer Analyse auf die gesamte Spielstärke einer Mannschaft. Wir gehen einen Schritt weiter und beziehen die Verteilung der Transferwerte einzelner Spieler in unsere Überlegungen mit ein. Ein aus deutscher Sicht unerfreuliches Beispiel soll diesen Schritt verdeutlichen helfen. Michael Ballack wurde im englischen Pokalfinale grob gefoult. Der Rest der Geschichte ist leider nur allzu gut bekannt. Die deutsche Mannschaft muss in Südafrika ohne ihren Kapitän auskommen. Bei allem Respekt vor Bastian Schweinsteiger und seinen Fähigkeiten: Die Chancen für Deutschland ganz weit vorne zu landen, haben sich dadurch verringert. Aber auch andere Mannschaften könnten vom Verletzungspech hart getroffen werden. Stellen Sie sich folgende Konstellation vor. Cristiano Ronaldo und Lionel Messi verletzen sich bereits in der Vorrunde und können nicht mehr spielen. Vielleicht erfüllen sie aber auch einfach nicht die Erwartungen und bleiben unter ihren Möglichkeiten. Die Folge: Die faktische Spielstärke von Portugal und Argentinien sinkt überdurchschnittlich stark im Vergleich zu anderen Mannschaften. Wie unsere Berechnungen zeigen, geht der Transferwert Portugals bei Verletzung von Ronaldo um rund 26 Prozent zurück. Noch stärker ausgeprägt wäre der Ballack-Effekt lediglich beim Ausscheiden von Eto’o für Kamerun (Messi: -23 Prozent). Auch die Verletzungen von Drogba und Robben in den vergangenen Tagen würden die Elfenbeinküste und die Niederlande bei einem Ausfall spürbar schwächen. Homogenere Mannschaften sind England (-12 Prozent), Italien (-12 Prozent), Spanien (-10 Prozent) und Deutschland (-9 Prozent).