Westafrika Elfenbeinküste wird zum Hoffnungsschimmer der Region

Kakaoernte in der Elfenbeinküste. Die Preise für Kakao sind noch immer hoch. (Foto: Getty Images)

Kakaoernte in der Elfenbeinküste. Die Preise für Kakao sind noch immer hoch. (Foto: Getty Images)

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Westafrika leidet schwer unter dem Einbruch der Rohstoffpreise, der 2014 begann. Die regionalen Wirtschaften haben ihre Abhängigkeit von Rohstoffen im vergangenen Jahrzehnt zwar zu einem gewissen Grad reduziert. Das Ausmaß des Preiszerfalls ließ ihnen aber keine Chance, heil aus den aktuellen Turbulenzen in dieser Anlagekategorie herauszukommen. Die derzeitige makroökonomische Situation bleibt jedoch allgemein gesünder als diejenige am Ende vergangener Rohstoffzyklen.

Grund dafür sind die eingeführten makroökonomischen Reformen, die ohne Zweifel einen positiven Einfluss hatten. Weitere zielorientierte Wirtschaftsreformen und Unterstützung von internationalen Finanzinstitutionen wie dem Internationalen Währungsfonds (IWF) und der Weltbank dürften den Weg für eine langsame und nachhaltige wirtschaftliche Erholung ebnen.

Elfenbeinküste: Eindrückliche Wirtschaftsreformen auf dem Weg

Die Elfenbeinküste erscheint immer mehr als der Silberstreifen am Horizont der Region. Das Land wird politisch immer stabiler und die Präsidentschaftswahlen im vergangenen Monat verliefen ruhig. Die Kakaopreise sind noch immer hoch und die Regierung von Präsident Alassane Ouattara hat eine eindrückliche Serie von Wirtschaftsreformen auf den Weg gebracht. Letztere machen das Land in den „Ease of Doing Business“-Rankings 2015 der Weltbank zu einem der bemerkenswertesten Performer.

Unsere Gespräche mit verschiedenen Unternehmern haben gezeigt, dass Reformdruck und Reform von höchster Regierungsstelle zwar sehr stark sind, gleichzeitig aber auf den verschiedenen Verwaltungsebenen besser durchgesetzt werden müssen. Viele Investitionsvorhaben können aus administrativen Gründen noch nicht in die Tat umgesetzt werden.

Der regionale Aktienmarkt (BRVM) in Abidjan wird deutlich interessanter. Börseninfrastruktur und -dienstleistungen müssen jedoch genauso wie Aufsicht, finanzielle Berichterstattung und Interaktion zwischen Unternehmensführung und Anlegern noch besser werden. Nur so kann dieses Interesse in Investitionsströme umgemünzt werden. Gute Absichten sind allerdings klar vorhanden. Wir hoffen, in Kürze einige Verbesserungen zu sehen, die uns eine Kapitalallokation in vielversprechende Gelegenheiten ermöglichen.

Ghana: Im Taumel von Goldpreis und Wahlversprechen

Die Probleme in Ghana begannen während der Parlamentswahlen 2012, als populistische wirtschaftspolitische Maßnahmen zu einem starken Anstieg der Regierungsausgaben führten. Der drastische Zerfall des Goldpreises, Verzögerungen bei der Ölproduktion und der darauffolgende Ölpreiszerfall führten zu einer unkontrollierten Vergrößerung des Haushalts- und Leistungsbilanzdefizits. Eine Folge davon war unter anderem eine rasante Währungsabwertung, die ihrerseits den Inflationsdruck erhöhte – ein Teufelskreis setzte ein.

Die Central Bank of Ghana (CBG) verschloss die Augen vor ihren Inflationszielen und erwarb immer größere Mengen an ausgegebenen Staatsschulden, um die lokalen Renditen zu deckeln. So war das Vertrauen in die lokalen Behörden schnell verloren und die Intervention des IWF im April 2015 wurde unausweichlich. Es scheint, dass der Markt dadurch in den letzten Monaten etwas Vertrauen zurückgewonnen hat. Außerdem wurden einige Reformen durchgebracht.

Schwieriges Jahr 2016 für Ghana erwartet

Unser kürzliches Treffen mit Regierungsbeamten konnte uns jedoch nicht von deren Bekenntnis zum IWF-Programm und Beurteilung der aktuellen makroökonomischen Risiken im Land überzeugen. Darüber hinaus halten Bankmanager vor dem Hintergrund der Wahlen im Jahr 2016 eine weitere Welle nicht nachhaltiger Staatsausgaben für wahrscheinlich. Vom IWF vorangetriebene Maßnahmen, einschließlich einer wesentlichen Verringerung des Haushaltsdefizits sowie höherer Zinsen, werden als Risiko für die Wirtschaft betrachtet. Der anfängliche Anflug von Optimismus nach der IWF-Intervention scheint wieder verpufft zu sein: Der Großteil unserer Gesprächspartner erwartet ein schwieriges Jahr 2016.

Im Bankensektor wurden unsere Zweifel über die Nachhaltigkeit der unerwartet besseren Performance bestätigt. Die Regierung ist gegenüber vielen Wirtschaftsakteuren im Zahlungsverzug, insbesondere was Fremdwährungskredite betrifft. Der Bausektor befindet sich laut Einschätzung zahlreicher Banken in einer „Blase“. Und die großen Erdöllieferanten haben mit den niedrigen Ölpreisen einen herben Schlag erlitten.

Darüber hinaus haben zahlreiche ausgegebene Kredite in Lokalwährung einen variablen Zinssatz. Dieser begünstigt die Banken, bis die Schuldner die steigenden Zinssätze nicht mehr bezahlen können. Unserer Ansicht nach ist die Mehrheit dieser problematischen Kredite weit davon entfernt, als notleidende Kredite angesehen zu werden. In vielen Fällen sind die Rückstellungen noch unzureichend. Zudem kommen Liquiditätsfragen auf, welche die Regierung dazu veranlassen, gewisse Kreditrisiken in die eigene angespannte Bilanz aufzunehmen.

Ghana bleibt also in einer schwierigen Situation. Der Gegenwind wird sich in nächster Zeit zwar etwas legen, insbesondere wenn die Öl- und Gasproduktion ansteigt. Aber die Regierung bewegt sich auf dünnem Eis. Trotz interessanter Titelideen warten wir mit einem Einstieg in den lokalen Markt Ghanas, bis sich die makroökonomische Situation weiter verbessert. Durch Rohstoffanlagen halten wir dennoch ein indirektes Engagement.