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Wie investieren nach der US-Wahl? „Was Inflation angeht, sollten sich Anleger für einen Anstieg positionieren“

Scott Mather, CIO U.S. Core Strategies, und Libby Cantrill, Head of Public Policy, erörtern den Ausblick von Pimco

Scott Mather, CIO U.S. Core Strategies, und Libby Cantrill, Head of Public Policy, erörtern den Ausblick von Pimco

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Welches dürften die kurzfristigen politischen Schwerpunkte der Regierung Trump und des republikanischen Kongresses sein?

Libby Cantrill: Der Handel ist ein Thema, zu dem sich Trump bereits seit Jahren lautstark äußert. Wir sollten uns auf ein protektionistischeres und handelsfeindlicheres Umfeld einstellen – insbesondere wenn man bedenkt, dass die Exekutive in Sachen Handelsentscheidungen und -verträge mit beträchtlichen Befugnissen ausgestattet ist. So dürfte beispielsweise die Transpazifische Partnerschaft auf Eis gelegt werden. Zudem hat der New Yorker Milliardär angedeutet, dass er das NAFTA-Abkommen (Nordamerikanisches Freihandelsabkommen, 1994 umgesetzt) neu verhandeln oder möglicherweise sogar für einen Austritt der USA sorgen werde.

Wie seine Botschaften während der Wahlkampagne zudem nahelegen, wird der künftige US-Präsident einen Fokus auf eine protektionistische Einwanderungspolitik richten, womit er einem breiteren populistischen Trend rund um die Welt entspricht. Einzelheiten sind jedoch noch nicht bekannt. Neben dem Handel und der Einwanderung dürfte seine Regierung außerdem eine Politik verfolgen, die sich stützend auf die US-Konjunktur auswirkt. Unternehmenssteuerreformen, Einkommensteuerreformen und Infrastrukturausgaben – hier stellte der Immobilien-Mogul Programme im Umfang von bis zu einer Billion US-Dollar über fünf Jahre in Aussicht – sind angesichts der republikanischen Mehrheit sowohl im Repräsentantenhaus als auch im Senat wahrscheinlicher geworden.

Des Weiteren ist mit Initiativen zur Deregulierung des Finanzsektors zu rechnen – etwa mit Anpassungen des Dodd-Frank Act oder des Treuhänder-Gesetzes des US-Arbeitsministeriums. Eine vollständige Außerkraftsetzung ist jedoch unwahrscheinlich. Dennoch könnte eine geringere Zunahme der regulatorischen Belastung zu einer Aufhellung des Geschäftsklimas und höheren Investitionsausgaben beitragen. Zudem dürften Trump und die Republikaner im Kongress eine Aufhebung der Gesundheitsreform Obamacare beabsichtigen. Unserer Erwartung nach dürfte Trump dazu tendieren, den Republikanern im Kongress in vielen der Bereiche nachzugeben, in denen sie bereits die Grundlage für Veränderungen geschaffen haben – wie etwa Steuerreformen und eine Aufhebung von Obamacare. Die Märkte sollten positiv darauf reagieren.

Wie werden die Märkte in den kommenden Tagen, Wochen und Monaten Ihrer Einschätzung nach auf den Sieg des republikanischen Präsidentschaftskandidaten reagieren, und welche Konsequenzen ergeben sich hieraus für die Anleger?

Scott Mather: Es gibt drei Marktfaktoren, die wir streng überwachen: Volatilität, Inflation und Währungsentwicklung. Die Volatilität dürfte – ausgehend von ihrem allgemein niedrigen Niveau, das im laufenden Jahr weitgehend vorherrschte – erheblich zunehmen. Dabei wird sie durch die Notenbankpolitik vermutlich nicht in gleichem Ausmaß eingeschränkt wie in den zurückliegenden Jahren, und wir sehen Potenzial für eine Ausweitung der Risikoprämien und Spreads. Was die Inflation angeht, sollten sich die Anleger sowohl auf kurze als auch auf längere Sicht für einen Anstieg positionieren.

Über die vergangenen Jahre schwankten die Märkte zwischen verschiedenen Stufen der Disinflation und dem Unvermögen, das Inflationsziel der Notenbanker zu erreichen. In Zukunft dürften sie hingegen ein deutlich ausgewogeneres Bild einpreisen und einem möglichen Überschießen der Inflation eine zumindest ebenso hohe Wahrscheinlichkeit beimessen wie einer Unterschreitung, was der zu erwartenden wachstumsfreundlichen Politik und der Zurückhaltung der Zentralbank zu verdanken sein wird. Wir bei Pimco bereiten unsere Portfolios bereits seit einiger Zeit auf diese Entwicklung vor und betonen eine defensive Ausrichtung, die sie gegen einen derartigen Anstieg der Inflationserwartungen absichert. Wir rechnen damit, dass der US-Dollar unter erhöhtem Aufwertungsdruck stehen wird und insbesondere gegenüber den Schwellenländerwährungen zulegt.

In Relation zu den Währungen anderer Industrieländer gestaltet sich der Ausblick uneinheitlicher, da internationale Anleger nach Alternativen zum Greenback als Reservewährung Ausschau halten. In unsere Einschätzung beziehen wir alle Bereiche des Währungsspektrums mit ein, die langfristiges Wertpotenzial bieten könnten. Das gilt insbesondere für die Währungen der Schwellenländer, wie etwa den Mexikanischen Peso – der die Auswirkungen des Wahlausgangs in Anbetracht der Einstellung des künftigen Präsidenten zum Handel besonders heftig zu spüren bekommt – oder den Brasilianischen Real.