Wie Sie im Jahr 2013 noch gute Erträge bei Unternehmensanleihen erzielen können

Andreas Berndt

Andreas Berndt

// //

Für Unternehmensanleihen war 2012 ein herausragendes Jahr – das Zweitbeste seit Einführung des europäischen Kreditmarkts im Jahr 1999. Lediglich 2009, als sich die Märkte von der Finanzkrise erholten, schnitt der Sektor noch besser ab.

Was Anfang 2012 mit einer Durchschnittsverzinsung von 4,39 Prozent begann (gemessen am BofA Merrill Lynch Euro Corporate Index), endete mit einem Jahres-Ergebnis von 13,03 Prozent: Der Kapitalzuwachs konnte erheblich gesteigert werden, weil einerseits die Risikoprämien schrumpften und andererseits auch das Renditeniveau insgesamt sank – die Kurse also im Umkehrschluss stiegen.

Im Anschluss an ein derart außergewöhnliches Jahr für das Ergebnis von Unternehmenspapieren rentieren diese aktuell mit 1,92 Prozent (Stand: 12. April 2013), wiederum gemessen am BofA Merrill Lynch Euro Corporate Index. Sie verfügen über ein deutlich geringeres Aufwärtspotenzial, was auf die historisch niedrigen Renditen zurückzuführen ist sowie auf Risikoprämien, die sich ihrem Zehn-Jahres-Durchschnitt nähern.

Somit stehen Anleger in Unternehmensanleihen nach mehreren Jahren der überdimensionalen Erträge nun vor entscheidenden Fragen, wie etwa: Sind Renditen von unter 3 Prozent auf relativer Basis noch attraktiv, verglichen mit deutschen Bundesanleihen und anderen Staatsanleihen hoher Qualität? Oder: Wie lässt sich die laufende Rendite steigern, ohne mein Portfolio übermäßigen Ausfall- oder Zinsrisiken auszusetzen?

Wenngleich der außergewöhnliche Aktivismus der Notenbanken zu Verzerrungen der Marktpreise zahlreicher Anlagen geführt hat – von Anleihen über Aktien bis hin zu Immobilien –, sind wir überzeugt, dass ein aktiver Manager auf Instrumente zurückgreifen kann, die es ihm erlauben, das künftige Renditeprofil eines Portfolios für Unternehmensanleihen zu optimieren. Allerdings erfordert der Einsatz dieser Instrumente geringfügig andere Kompetenzen als ein traditionellerer Ansatz für Anleiheninvestments.

Drei Optionen im Unternehmensanleihenbereich

Anleger können grundsätzlich unter drei Optionen wählen: Erstens können sie die Durchschnittslaufzeiten verlängern, was die Portfoliorendite steigert und die Spread- und Zinsrisiken erhöht; in diesem Fall laufen die Anleger allerdings Gefahr, auf mögliche künftige Renditeanstiege oder höhere Risikoaufschläge von Unternehmensanleihen anfälliger zu reagieren.

Die zweite Möglichkeit besteht darin, die Laufzeiten zu verringern, wodurch sich die Risiken eines Portfolios aus Unternehmensanleihen reduzieren lassen und damit auch die Gefahr künftiger Kapitalverluste. Angesichts der steilen Zinsstrukturkurven von Staatsanleihen und der außerordentlich steilen Zinsstrukturkurven von Unternehmensanleihen dürfte diese Methode jedoch den Mehrertrag und die Anfangsrendite verringern und somit auch den potenziellen Gesamtertrag für das Jahr 2013 weiter reduzieren.

Drittens können sie ihrem Vermögensverwalter beim aktiven Portfoliomanagement eine höhere Flexibilität zugestehen mit dem Ziel, das Ertragspotenzial bei gleichzeitiger Kontrolle der Risiken zu steigern. Dieser dritte Weg stellt unserer Meinung nach die beste Alternative dar: Denn in einer Welt der geringen Renditen wird das Generieren von Alpha durch aktives Management grundsätzlich immer wichtiger und kann einen beträchtlichen Anteil des Gesamtertrags ausmachen.

Wir sind der Ansicht, dass ein Portfolio für Unternehmensanleihen heutzutage auf Carry und Roll-Down (eine Ertragsart, die in einem Umfeld steiler Zinskurven entsteht, da die Rendite mit der Restlaufzeit abnimmt) fokussiert sein sollte. Weiter auf umfangreiche Kapitalgewinne infolge einer weiteren Verengung der Spreads zu hoffen ist derzeit wenig aussichtsreich – dies gilt insbesondere für Wertpapiere mit längeren Laufzeiten.

Bei Fonds mit höherem Ermessensspielraum und höherer Anlageflexibilität greifen wir derzeit auf eine Reihe aktiver Strategien zurück, die auf eine Renditesteigerung sowie auf einen gleichzeitigen Schutz der Portfolios in möglichen Downside-Szenarien ausgerichtet sind.

Dazu zählt die Einbeziehung ungehebelter Credit Default Swaps (CDS), die taktische Allokation in „Rising Star“-Kandidaten, die Nutzung von Relative-Value-Chancen zwischen Staats- und Unternehmensanleihen, sowie die Allokation in globale Unternehmensanleihen, unter anderem in Emittenten aus Schwellenländern.