Willis Towers Watson-Studie Versicherungen: „Vertrieb ist der zentrale Punkt bei der Digitalisierung“

Michael Klüttgens, Leiter der Versicherungsberatung bei Willis Towers Watson in Deutschland

Michael Klüttgens, Leiter der Versicherungsberatung bei Willis Towers Watson in Deutschland

ARTIKEL-INHALT 

Die Versicherungsbranche versucht mit Hochdruck, den bestehenden Rückstand bei der Digitalisierung ihres Geschäftsmodells im Vergleich zu Unternehmen aus anderen Bereichen des Finanzdienstleistungssektors zu verringern. Das zeigt die aktuelle Digitalisierungsstudie von Willis Towers Watson und Mergermarket, die unter 200 Führungskräften von Versicherungen in Amerika, Asien und EMEA (Europa, naher Osten und Afrika) durchgeführt wurde.

Fast 50 Prozent der Befragten rechnen in den kommenden drei Jahren mit einem oder mehreren Zukäufen im Segment neuer Technologien. Fast 75 Prozent sagen, dass es dem Versicherungssektor in der Vergangenheit nicht gelungen ist, die digitale Transformation prägend mitzugestalten.

Hauptgründe für Verzögerungen

Als Hauptgrund für die langsame digitale Entwicklung gilt neben der komplexen Regulierung, die 42 Prozent als Hürde angeben, vor allem der Kostenfaktor: 32 Prozent der Befragten identifizieren den langen Entwicklungszeitraum bis zur Kommerzialisierung von neuen Technologien als Hindernis. 24 Prozent geben an, dass vor allem das Gesamtvolumen der benötigten Investitionen beim Umsetzen von digitalen Innovationen eine wichtige Rolle spielt.

Michael Klüttgens, Leiter der Versicherungsberatung bei Willis Towers Watson in Deutschland, fügt hinzu: „Außerdem hatten Banken in der Vergangenheit engeren Kontakt zu ihren Kunden und sind den Versicherern deshalb voraus. Die Qualität und Quantität des Informationsaustausches von Versicherern und ihren Kunden, die möglicherweise nur einmal im Jahr ihren Vertrag verlängern, ist einfach nicht vergleichbar und gilt ebenfalls als Hürde.“

Nutzen für den Kundendialog

Die Versicherer erkennen jedoch, wie wichtig eine nachhaltige digitale Infrastruktur ist, um besser mit Kunden interagieren zu können. „Zugleich verstehen sie, dass eine digitale Infrastruktur zukünftig auch ein essenzieller Vertriebskanal sein wird, der entweder durch eigene interne Innovation, Joint Ventures oder aber auch M&A-Aktivitäten, also Zukäufe und Übernahmen, umgesetzt werden kann. Diejenigen, die noch zögern, laufen immer mehr Gefahr, hinter der Entwicklung zurückzufallen und insbesondere die jüngeren Generationen an innovativere Wettbewerber zu verlieren“, ergänzt Klüttgens.

Knapp die Hälfte (49 Prozent) der Befragten erwarten mindestens eine Akquisition in den kommenden drei Jahren, da sie sich auf diese Weise digitale Technologien aneignen wollen. 14 Prozent gehen sogar von mehr als einer Akquisition aus. „Ein Zukauf von Unternehmen, die über innovative Technologien beziehungsweise Lösungen verfügen, ist ein essentieller strategischer Baustein, um die digitale Transformation zu meistern“, erklärt Carsten Hoffmann, Head of Innovation & Business Development für die Versicherungsberatung von Willis Towers Watson in Deutschland.

„Dabei geht es nicht nur um die Beschleunigung von Innovationen, sondern auch um einen wichtigen Perspektivwechsel, den die jungen Unternehmen in erfrischender Form mitbringen: Sie stellen den Kunden kompromisslos in den Mittelpunkt und beschleunigen so den internen Kulturwandel im Versicherungsunternehmen.“