Wir haben Post: Experten-Stimmen zur Japan-Katastrophe

Koreanische Helfer im Katastrophengebiet von Japan<br>(Foto: Getty Images)

Koreanische Helfer im Katastrophengebiet von Japan
(Foto: Getty Images)

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Hervé Liévore, Franz Wenzel und Eric Chaney, AXA Investment Managers, Research & Investment Strategy Team

Zunächst einmal möchten wir dem japanischen Volk unser aufrichtiges Beileid und Mitgefühl aussprechen. Letztendlich ist die menschliche Dimension der wichtigste Faktor bei jeder Wirtschafts- und Finanzanalyse. Daher sind wir fest davon überzeugt, dass Japan die furchtbaren Folgen der Sendai-Katastrophe schließlich bewältigen wird.

Das schwerste Erdbeben in der Geschichte Japans und der anschließende Tsunami haben unzählige Menschenleben gefordert und großflächige Verwüstungen, auch bei der Infrastruktur, angerichtet. Zudem wurden Atomkraftwerke schwer beschädigt. Wir haben uns um eine Einschätzung der wirtschaftlichen und markttechnischen Folgen dieser Katastrophe bemüht. Gleichzeitig weisen wir darauf hin, dass unsere Schlussfolgerungen zu diesem Zeitpunkt alles andere als hieb- und stichfest sind. Zu ungewiss ist die Lage im Hinblick auf den Nuklearunfall im Werk Fukushima Daiichi.

Unserer Meinung nach wird die japanische Wirtschaft kurzfristig schwer getroffen sein, sich aber dank der umfassenden Geld- und haushaltspolitischen Gegenmaßnahmen bald erholen. Mit diesen Maßnahmen soll zunächst Liquidität ins Finanzsystem gepumpt und in zweiter Linie der Wiederaufbau beschleunigt werden. Die Katastrophe könnte das Wachstum der Wirtschaftsleistung 2011 um 0,5 Prozentpunkte verringern. 2012 könnte der Wiederaufbau das BIP-Wachstum dann bereits in Höhe von einem Prozentpunkt ankurbeln. Was Finanzanlagen angeht, werden japanische Aktien unserer Ansicht nach am stärksten betroffen sein. Kurzfristig könnte der japanische Staatsanleihenmarkt sogar von einer Flucht in sichere Werte und der Intervention der Bank of Japan profitieren. Mittelfristig dürften sich japanische Aktien dann wieder deutlich erholen, wenn der Wiederaufbau an Fahrt gewinnt. Staatsanleihen sollten dagegen wegen der zusätzlichen Schuldenlast niedriger notieren als vor der Katastrophe.

Über Japan hinaus sind die Folgen für die Weltwirtschaft und die Finanzmärkte unserer Meinung nach begrenzt, da die japanischen Einfuhren relativ gering sind und die Finanzmärkte des Landes eher lokal als global orientiert sind. Insofern glauben wir nicht, dass die Sendai-Katastrophe den globalen Aufschwung nachhaltig beeinträchtigen wird.