Wirtschaftsprüfung für Finanzanlagenvermittler „Dann haben sie bald die Bafin auf dem Sofa sitzen“

Rainer Juretzek

Rainer Juretzek

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DAS INVESTMENT: In der Diskussion ist eine Kontrolle der 34f-Vermittler durch die Bafin anstelle der Gewerbeämter. Welchen Einfluss hätte dies voraussichtlich auf die Prüfpflichten?

Rainer Juretzek: Die Prüfpflichten bleiben dieselben, aber die Ausführung und Kontrolle werden sicher rigoroser. Exakt lässt sich das natürlich nicht vorhersagen, aber Sie können getrost davon ausgehen, dass eine Prüfung, die der Bafin vorgelegt werden muss, anspruchsvoller und wesentlich teurer wird.

Gibt es denn einen branchenweiten Standard für den Prüfbericht?

Nein, die Frist zur Einreichung des Prüfberichtes für das Geschäftsjahr 2013 endete für die Vermittler erst am 31. Dezember 2014. Die Aufsichtsbehörden sind noch mit der Auswertung beschäftigt. Wie die Kammern auf die eingegangenen Prüfberichte höchst unterschiedlicher Konzeption und Qualität reagieren, ist noch nicht klar. Es liegt jedoch auf der Hand, dass „Schmalspurlösungen“ für 180 Euro, die in der Branche angeboten werden, nicht zielführend sind. Ich hörte davon, dass Prüfberichte von Vermittlern, die vom Steuerberater auf lediglich zwei Seiten abgefasst wurden, gleich wieder zurückgeschickt wurden.

Wo liegt das Problem?

Für Sätze unter 500 Euro können Sie diese Dienstleistung, wie sie die FinVermV vorsieht und wie sie in einem Katalog des Instituts der Wirtschaftsprüfer auf 30 Seiten beschrieben ist, einfach nicht seriös erbringen, wenn man die üblichen Stundensätze für Wirtschaftsprüfer anlegt. Das geht auch elektronisch nicht. Die Daten, die dann geliefert werden, kann sich der Prüfer gar nicht mehr ansehen, er kann in den Prüfvordruck nur noch Name und Adresse einfügen und einen Stempel darunter machen. Letzten Endes geht das nur, wenn beispielsweise der Pool, die Richtigkeit der Auswertungen und Protokolle bescheinigt. Dann frage ich mich, wer ist eigentlich der Prüfer?

Wo hakt es inhaltlich?

Die Billiglösungen etwa von manchen Pools stellen auf eine Risikoklassen orientierte Portfolio-Optimierung ab, die auf einer Angemessenheitsprüfung basiert; das ist nach meinem Dafürhalten wahrscheinlich zu beanstanden. Die Hauptfehler sind in der Geeignetheitsprüfung und in der Risikotragfähigkeit zu finden, die einfach nicht ausreichend – oder gar nicht – durchgeführt werden. Die Datenerhebung reicht eben in den allermeisten Fällen nicht aus, um daraus eine Risikotragfähigkeitsprüfung abzuleiten.

Was müsste eine seriöse Prüfung kosten?

Ein normaler Preis läge eher bei 700 Euro, es sind nach der FinVermV immerhin 12 Paragraphen zu prüfen, wenn dann noch Probleme und Nachfragen auftauchen, die einen Blick in die Kundenakten erfordern, sind Sie eigentlich schnell bei über 1.000 Euro. Das Wirtschaftsministerium ist vor Einführung der Prüfpflicht von 1.000 bis 1.200 Euro Kosten ausgegangen, das war nicht realitätsfremd, wenn man die Prüfpflicht ernst nimmt.