Wohin mit dem Geld? Cash ist die teuerste Anlageklasse

Urlauber in Havanna, Kuba: Bis die Notenbanken die Zinsen wieder anheben, können Anleger ihr Geld großzügig ausgeben | © Getty Images

Urlauber in Havanna, Kuba: Bis die Notenbanken die Zinsen wieder anheben, können Anleger ihr Geld großzügig ausgeben Foto: Getty Images

„Cash is king“, lautet ein gern genutztes Bonmot in Investment-Kreisen. Für David Buckle ist Cash zurzeit allerdings alles andere als eine Königsanlage, sondern vielmehr die unattraktivste Asset-Klasse. „Keine Anlageklasse ist teurer als Cash“, sagt der Leiter Investment Solutions Design bei Fidelity International.

Grund hierfür ist das prekäre Zinsumfeld. Zwar rechnet Buckle den Notenbanken durchaus ihr schnelles und bestimmtes Handeln in der Finanzkrise an. Er bezweifelt jedoch, dass auch zehn Jahre später die Zinsen sich immer noch auf einem Notfallniveau befinden müssen. „Lange Phasen niedriger Zinsen haben Folgen, auch solche, die nicht beabsichtigt sind. Dazu zählt der Einfluss auf das Investorenverhalten“, beklagt Buckle.

Negative Realzinsen drücken Lebensstandard

Die Kaufkraft in den westlichen Nationen hat in den vergangenen Jahren gelitten. Um die Kaufkraft von Sparern zu erhalten muss der reale Zinssatz, also der Zinssatz minus Inflationsrate, positiv sein. „Jeden Tag, an dem dieser negativ ist, können wir etwas weniger Waren für unser Geld kaufen. Kurzfristig ist das nicht so schlimm, langfristig jedoch schon“, so Buckle und gibt ein Beispiel: In der Eurozone muss man für Waren, die 2009 noch 110 Euro kosteten, heute 111 Euro zahlen. In Cash investiert haben die 100 Euro im gleichen Zeitraum nicht einen Euro an Wert gewonnen, sondern mit Blick auf die Geldentwertung verloren. „In den USA liegen die realen Zinsen bei minus 1,4 Prozent, in Europa sogar bei minus 2,3 Prozent. Noch nie waren die Raten so tief. Sie liegen 4 bis 5 Prozent unter dem typischen Niveau“, rechnet Buckle vor.

Wenn man sich jetzt entscheiden müsste, ob man sein Geld ausgibt oder auf dem Tagesgeldkonto deponiert, würde man wahrscheinlich angesichts des desaströsen realen Zinsniveaus das Geld lieber in die Geschäfte tragen. Allerdings ist eine solche Entscheidung nicht nötig, denn es gibt viele Möglichkeiten, das Geld zu investieren. Diese bergen zwar höhere Risiken, dafür liegen die erwarteten Renditen über dem Zinsniveau. „Mit dem Streben nach Rendite steigen die Volatilität der Kapitalanlage und das Verlustpotenzial. Das hat Einfluss auf das Erreichen von langfristigen Zielen. Dies ist kaum ein Umfeld für erhöhte Konsumausgaben“, meint Buckle. Damit könnte die unbeabsichtigte Folge aus der langen Phase negativer Realzinsen seiner Meinung nach eher dazu führen, dass sich das Investorenverhalten verändert, als dass der Konsum stimuliert wird.

Anhaltende Nachfrage stützt Preise risikoreicher Assets

Investoren, die in diesen Zeiten nach Rendite streben, agieren nach Buckles Ansicht durchaus vernünftig. Je mehr Investoren dies tun, desto stärker steigt die Nachfrage nach risikoreicheren Assets und treibt deren Preise weiter nach oben – wenn auch auf zunehmend bedenkliche Niveaus. Zudem sind die Aussichten für langfristige Erträge gedrückt, kurzfristig sprudeln die Erträge jedoch. Anleiherenditen fallen und liefern einen anormalen hohen positiven Ertrag. „Zudem ermöglichen es die sehr niedrigen Zinsen Unternehmen, günstig Geld aufzunehmen und zu wachsen, was wiederum die Aktienkurse antreibt“, ergänzt Buckle. Als Folge freuen sich Investoren über stattliche Erträge aus Aktien, Unternehmensanleihen und sogar aus Staatsanleihen. Solche Erträge könnten künftig schmaler ausfallen, was eine Flucht in Cash verstärken würde. „Wenn man einen Kurskollaps erwartet, wäre der Wechsel zu Cash tatsächlich richtig, aber bis dahin würde ein Wechsel einfach nur zur Verschlechterung des Lebensstandards beitragen“, warnt Buckle.

Altersvorsorge in Gefahr

Er appelliert daher an die Notenbanken, die Auswirkungen der ultralockeren Geldpolitik zu bedenken – vor allem auf die Altersvorsorge. „Ich befürchte die Situation wird sich bald verschlechtern. Bei betrieblichen Vorsorgeplänen mit fester Leistungszusage sind zwar die Arbeitnehmer nicht direkt vom niedrigen Zinsniveau betroffen, die Arbeitgeber haben aber zu kämpfen, um diese Leistungen zu erbringen. Bei den moderneren beitragsorientierten Leistungszusagen bekommen die Rentner das Zinsniveau direkt zu spüren“, argumentiert Buckle.

Sein zweiter Appell geht an die Anleger. Er erwartet zwar, dass die Notenbanken die Zinsen irgendwann anheben. Dann werden die Anleger wieder zu sicheren Assets greifen und das Risiko eines Kurseinbruchs steigt. Bis es soweit ist, könne es aber noch dauern. In der Zwischenzeit sollte genau geprüft werden, ob ein Cash-Investment wirklich sinnvoll ist. Denn angesichts niedriger Zinsen uns höherer Inflation verlieren Cash-Bestände aktuell beständig real an Wert, betont Buckle.

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