Wolfgang Gerke über Family Offices „Panik-Gold gibt es hier nicht“

Wolfgang Gerke

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Rätselhafte Offices: Mit der Studie „Mythos Family Office 2010“ gewährt das Bayerische Finanz Zentrum zusammen mit Complementa Investment-Controlling und JP Morgan Asset Management zum zweiten Mal Einblicke in die Arbeit von Family Offices.

Die diskreten Dienstleister managen die Vermögen wohlhabender Familien. Die Studie belegt, dass sie recht gut durch die Krise gekommen sind. Zudem haben die Autoren aus den 64 verwalteten Vermögen eine durchschnittliche Asset Allocation gebildet (siehe Grafik). DAS INVESTMENT sprach mit Wolfgang Gerke, Präsident des Bayerischen Finanz Zentrums.

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DAS INVESTMENT.com:
Sie haben jetzt die zweite Studie über Family Offices vorgelegt. Gab es Überraschungen?

Wolfgang Gerke: Vielleicht ist es die größte Überraschung, wie viele Organisationen diesmal an der Umfrage teilgenommen haben. Die Quote hat sich im Vergleich zum Vorjahr von 25 auf 64 Offices mehr als verdoppelt.

DAS INVESTMENT.com: Was haben Sie aus den Antworten gelernt?

Gerke: Insbesondere haben wir herausgefunden, welche Anlageklassen in den Portfolios vertreten sind und welche Vorlieben es gibt. Die Branche ist in dieser Hinsicht sehr heterogen, aber insgesamt sehr gut durch die Krise gekommen. Sie geht nicht blauäugig, sondern sehr strukturiert an die Sache heran. Lücken gibt es dagegen noch bei der Performance-Kontrolle und -Steuerung. Das ist aber bei solch komplexen Anlagen kein Wunder.

DAS INVESTMENT.com: Bilden Sie trotz aller Heterogenität doch bitte eine Schnittmenge.

Gerke: Der größte Unterschied zum Privatanleger ist die viel größere Klaviatur. Hier werden alle Asset-Klassen betrachtet. Ob sie am Ende mit ins Portfolio kommen, ist eine andere Frage. Family Offices sind sehr strategisch denkende Anleger, die in der Finanzkrise nicht vor lauter Panik gleich das ganze Portfolio umgekrempelt haben. Sie mussten das auch gar nicht, weil sie zuvor richtig investiert waren und deshalb keine Liquiditätsprobleme bekamen.

DAS INVESTMENT.com: Was haben sie besser gemacht?

Gerke: Der Privatanleger interessiert sich meist erst für riskantere Assets, wenn sie schon sehr teuer sind. Sie sind etwa der Deutschen Telekom und den Hightech-Werten hinterhergerannt. Family Offices haben eine viel konstantere Politik und erhöhen nicht mal eben die Aktienquote auf 80 Prozent und fahren sie im nächsten Jahr auf null zurück.

DAS INVESTMENT.com: Was ist, wenn der Anleger konstant 5 Prozent im Jahr haben will?

Gerke: Das ist eher eine seltene Wunschvorstellung. Die Renditeziele sind schon sehr vom Marktumfeld geprägt. Da bleiben die Anleger realistisch. Es gibt zwar auch einige aggressive, die über 20 Prozent erwarten. Aber das ist eher eine Minderheit. Üblich sind zwischen 5 und 15 Prozent. 

DAS INVESTMENT.com: Wie definiert ein Family Office den Begriff aggressiv?

Gerke: Ich verstehe darunter, dass jemand das Risiko bewusst sucht, um natürlich auch höhere Chancen zu haben.

DAS INVESTMENT.com: Bitte etwas genauer. Was war das Heißeste, was Ihnen untergekommen ist?

Gerke: Ich möchte hier keine Einzelpositionen nennen, sondern es mal pauschal sagen. Manch einer hat eine Yacht im Portfolio oder ein Gestüt. Oder jemand hat ein goldenes Händchen für alte Uhren. Das sind sicherlich keine sicheren Renditebringer, anders als bei Pensionskassen aber erlaubt.

DAS INVESTMENT.com: Dann kommen wir einmal zum Gold. Wie stehen die gut Betuchten zu dem Thema?

Gerke: Sie sehen es nicht so irrational wie viele Privatanleger, die sich ja förmlich in Gold verlieben können. Für Family Offices ist Gold eine Assetklasse wie viele andere auch. Und sie sehen Gold auch keineswegs als risikolos an. 

DAS INVESTMENT.com: Also nichts mit sicherem Hafen?

Gerke: Nein, Panik-Gold gibt es hier nicht. Hier interessiert es nur, wie sich Gold im Vergleich zu anderen Anlagen und zur Inflation verhält und wie es somit das Gesamtrisiko senken kann. Das ist das, was ich bei anderen Investoren auch gern sehen würde.