Yerlin Syzdykov von Pioneer „Wir sehen die besseren Chancen bei Hartwährungsanleihen“

Unternehmenssitz von GDTV Guangdong Television in Guangzhou im Süden Chinas: Anleihen von chinesischen Firmen sind wichtiger Bestandteil des Pioneer-Fond. Foto: Johannes Eisele

Unternehmenssitz von GDTV Guangdong Television in Guangzhou im Süden Chinas: Anleihen von chinesischen Firmen sind wichtiger Bestandteil des Pioneer-Fond. Foto: Johannes Eisele

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Die einfachen Zeiten sind Vergangenheit. Die Ära, in der wahllos Kapital in die Anleihemärkte der Schwellenländer floss, sei vorbei, meint Yerlan Syzdykov.

Der Manager des Pioneer Funds – Emerging Markets Bond sieht die Asset-Klasse in einer neuen Phase, die er jedoch keineswegs für uninteressant für Anleger hält. Statt Gießkannenprinzip sei jetzt Selektion angesagt. Denn gut ausgewählte Anleihen versprechen immer noch hohe Erträge.

Solide Finanzstrukturen

Denn die Rahmenbedingungen des Markts haben sich grundsätzlich nicht verschlechtert. Aus einem Nischenmarkt hat sich ein Segment mit über 3 Billionen US-Dollar Volumen etabliert. Vor allem der Anteil an Lokalwährungs- und Unternehmensanleihen hat sich in den vergangenen Jahren stark vergrößert.

Das überdurchschnittliche Wirtschaftswachstum in vielen Emerging Markets kommt den Firmen zugute. „Ihre Finanzstrukturen sind solider geworden, und ihre Kreditwürdigkeit hat sich verbessert“, so Fondsmanager Syzdykov. Zudem habe sich die Investorenbasis verbreitert, was für mehr Stabilität in der Kursentwicklung sorgt.

Pioneer Investments managt bereits seit mehr als 15 Jahren Emerging-Markets-Bond-Mandate. Seit 2011 hat die US-Gesellschaft ihren gesamten Emerging-Markets-Bereich in London gebündelt. Ziel ist es, Synergieeffekte zu nutzen, wenn Aktien- und Anleihe-Manager eng zusammenarbeiten.

Der Pioneer Funds – Emerging Markets Bond startete im Sommer 2000 und ist mit knapp 2 Milliarden Euro Volumen Pioneers Flaggschiff unter den Schwellenländeranleihefonds.Syzdykov kann global in allen Emerging Markets in Staats- und Unternehmensanleihen investieren. Er kann flexibel agieren.

Seine Benchmark dient ihm nur als Performance-Vergleich. Schwerpunktmäßig kauft er Hartwährungsanleihen, darf aber auch bis zu einem Drittel des Fondsvolumens in Lokalwährungen anlegen. Zurzeit macht er davon kaum Gebrauch.

„Wir sehen die besseren Chancen und die geringere Volatilität bei Hartwährungsanleihen“, erklärt Syzdykov. Ähnlich klar ist seine Ausrichtung bei den Emittenten: Im Portfolio trafen Ende Juli 190 Unternehmensanleihen auf neun Staatsanleihen.

Im Unternehmensbereich sieht der Fondsmanager deutlich mehr Möglichkeiten, einen selektiven Ansatz zu nutzen und so die Erträge  zu steigern.

Grundlage für die Einzeltitelauswahl ist ein mehrstufi ger Investmentprozess. An erster Stelle steht die Makroanalyse. Hier werden die einzelnen Länder untersucht: ihre Kreditwürdigkeit, die wirtschaftliche und fi skalische Lage, aber auch die politische Situation.

Aus den Ergebnissen strickt Syzdykov die Länderallokation im Fonds. Erst dann werden mithilfe eines hausinternen Researchs interessante Investments eruiert.Die Sektoranalyse untersucht die Konjunkturzyklen der einzelnen Märkte und ermittelt auf diese Weise die attraktivsten Sektoren für die aktuelle Phase.

Anhand einer fundamentalen Analyse werden dann die besten Einzeltitel selektiert. Je nachdem, wie stark die Analysten von einer einzelnen Anleihe überzeugt sind, wie hoch ihre Liquidität ist und wie attraktiv ihr Risiko-Rendite-Potenzial, erfolgt die Gewichtung im Portfolio. Allerdings ist kaum eine Anleihe mit mehr als einem Prozent gewichtet.

Im vergangenen Jahr hat sich gezeigt, dass sich die Fondsstrategie nicht nur in guten Zeiten auszahlt. Nach der Tapering-Ankündigung der amerikanischen Notenbank im Mai 2013 zogen die Investoren ihr Kapital aus den Schwellenländeranleihen ab, der Pioneer Funds – Emerging Markets Bond kam jedoch mit einem blauen Auge davon.

Im gesamten Kalenderjahr machte er nur ein Minus von 3,9 Prozent und hat mittlerweile schon wieder neue Höchststände erreicht.