„Zentralbanken richten weiter Schaden an“

Steen Jakobsen, Chefvolkswirt der Saxo Bank

Steen Jakobsen, Chefvolkswirt der Saxo Bank

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Die Zentralbanken geben sich entschlossen, die Krise an den Finanzmärkten in Schach zu halten. Die US-Notenbank Fed hat der US-Wirtschaft sogar zu einer leichten Erholung verholfen. Langfristig richtet das Vorgehen der Zentralbanken aber weiterhin Schaden an. Es ist ein finanzpolitisches Experiment, das nach der Lehman-Pleite eingeleitete wurde und auch im vierten Jahr seiner Existenz wenig vorzuweisen hat.

Die Wirkung geldpolitischer Maßnahmen auf die Wirtschaft tritt meist erst mit Verzögerungen ein. Somit werden wir erst in den kommenden Monaten spüren, welche Folgen die massiven geldpolitischen Stimuli der Zentralbanken auf die Wirtschaft haben. Das dürfte im 2. und 3. Quartal 2012 zumindest in Europa und den USA zu einer positiven konjunkturellen Dynamik führen.

Gleichzeitig mehren sich an den Finanzmärkten aber die Sorgen über die wirtschaftlichen Entwicklungen darüber hinaus. Es ist offensichtlich, dass die Zentralbanken früher oder später wieder auf die Notenpresse als ihrem einzigen geldpolitischen Instrument zurückgreifen werden. Zusammen mit den wachsenden sozialen und geopolitischen Spannungen wird das die Krise erheblich verschärfen.

Deutliche geldpolitische Trendwende ist die Einführung eines Inflationsziels durch die Bank of Japan. Diese Maßnahme markiert insofern einen Wendepunkt, als dass Japan erstmals seit 30 Jahren bereit ist, Inflation hinzunehmen und sogar zu fördern. Falls das Land damit erfolgreich ist, könnte dies das Ende des starken Yen bedeuten. Gute Nachrichten für den Nikkei und die Weltkonjunktur.

Europa

Auch wenn die Eurozone Ende vergangenen Jahres in eine Rezession gerutscht ist, gehen wir bei der Saxo Bank davon aus, dass Europa weiterhin wachsen wird – wenn auch nur schwach. Die erneute konjunkturelle Belebung in den USA wird letztlich auch auf Europa übergreifen. Zugleich wird auch Asien die Wachstumsentwicklung in Europa über die Exportnachfrage stützen.

Oberflächlich betrachtet sieht die Lage an den Märkten nach den Liquiditätsmaßnahmen der Europäischen Zentralbank (EZB) gut aus. Doch die spanische Regierung hat bereits angekündigt, die Bedingungen des neuen fiskalpolitischen Pakts der Europäischen Union (EU) kaum erfüllen zu können.

Ein Europa mit zwei Geschwindigkeiten wird daher immer realistischer. Der Ausgang der Parlamentswahlen in Frankreich könnte die Spielregeln in Europa indes grundlegend verändern.