Zinsen statt Miete – ein Risiko?

Bekommen wir in Deutschland angesichts der Minizinsen für Baufinanzierung bald amerikanische Verhältnisse? (Foto: Bloomberg)

Bekommen wir in Deutschland angesichts der Minizinsen für Baufinanzierung bald amerikanische Verhältnisse? (Foto: Bloomberg)

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„Haus kaufen ohne eigenes Geld“ titelte die „Bild“-Zeitung Ende November vergangenen Jahres. „Minizinsen machen es möglich.“ Das Boulevardblatt druckte eine Serie über Menschen, die den Kaufpreis ihrer Immobilie komplett fremdfinanziert hatten.

So etwas weckt Begehrlichkeiten. „Die niedrigen Zinsen verleiten natürlich schon manch einen Mieter, sich zu überlegen, ob er statt Miete nicht besser Zinsen zahlen sollte“, sagt Max Herbst, Chef der FMH-Finanzberatung.

Amerikanische Verhältnisse in Deutschland?

Drohen deshalb amerikanische Verhältnisse? Vor der Finanzkrise haben Käufer ohne Vermögen in den USA teure Immobilien finanziert, die sie später wegen steigender Zinsen und Arbeitslosigkeit weit unter Wert versteigern mussten.

Herbst: „Nein, in Deutschland ist die Kreditvergabe seit zehn, zwanzig Jahren relativ unverändert.“ Die Banken achteten sehr stark auf die Bonität und langfristige Bedienbarkeit des Kredits.

„Viele Institute unterstellen für die Bedienbarkeit noch einen rechnerischen Zinssatz von 6 Prozent. Wer den nicht locker bedienen kann, hat Schwierigkeiten, einen Kredit für 3 Prozent zu bekommen“, so Herbst weiter.

Dennoch ist die Kreditvergabe im vergangenen Jahr gestiegen. „Aber nur sehr leicht“, sagt Stephan Gawarecki, Vorstandssprecher der Dr. Klein & Co. Stiftung Warentest hat die Firma im April 2013 zum „Besten Anbieter für Immobilienkredite“ gekürt.

Verschärfte Bonitätsanforderungen


Auch Gawarecki sieht keine Zeichen für eine beginnende Kreditblase: „Seit Ausbruch der Finanzkrise haben Banken ihre Bonitätsanforderungen für die Kreditvergabe deutlich verschärft“, sagt er. Eine Lockerung, insbesondere vor dem Hintergrund von Basel III, sei nicht zu erwarten.

Und eine Immobilienblase? „Grundsätzlich nicht. Es gibt zwar einzelne Standorte, wo die Immobilienpreise stark gestiegen sind, etwa in Berlin, München oder Hamburg“, sagt Peter Haueisen, Leiter des Bereichs Baufinanzierung der Allianz. „Aber die Preise laufen den Mieten nicht davon.“  Lediglich über einen längeren Zeitraum leicht steigende Zinsen könnten zu einer kleinen Immobilienblase führen. „Aus Angst, dass die Zinsen bald so hoch sein könnten, dass man sich den Hauskauf nicht mehr leisten kann, würde die Nachfrage nach Objekten steigen“, so Herbst. „Das könnte für einige Monate eine Spirale in Gang setzen.“

Er glaube nicht an die steigenden Mieten, die manch ein Investor bekommen müsse, damit sein überteuerter Kaufpreis sich rechne: „Wenn die Zinsen in ein paar Jahren um 2 bis 3 Prozentpunkte höher sind als heute, überlegt man zweimal, ob man kauft oder mietet.“ Dann lasse die Nachfrage nach, was zu einer kleinen Preisbereinigung führen dürfte.