Zinserhöhungen ab 2019? M&G-Manager erwartet straffere EZB-Geldpolitik

Mario Draghi (rechts) und Vítor Constâncio bei der EZB-Pressekonferenz am 8. März 2018 in Frankfurt: Der Präsident der Zentralbank und sein Vize verzichteten beim Begründen ihrer jüngsten Zinsentscheidung auf die Formulierung, dass die Notenbank ihre milliardenschweren Anleihenkäufe ausweiten könnte, falls sich die Rahmenbedingungen verschlechtern. | © European Central Bank

Mario Draghi (rechts) und Vítor Constâncio bei der EZB-Pressekonferenz am 8. März 2018 in Frankfurt: Der Präsident der Zentralbank und sein Vize verzichteten beim Begründen ihrer jüngsten Zinsentscheidung auf die Formulierung, dass die Notenbank ihre milliardenschweren Anleihenkäufe ausweiten könnte, falls sich die Rahmenbedingungen verschlechtern. Foto: European Central Bank

Stefan Isaacs, M&G

Der Leitzins in der Eurozone bleibt vorerst bei 0,0 Prozent. Das hat der EZB-Rat der Europäischen Zentralbank (EZB) auf seiner gestrigen Sitzung beschlossen. Demnach bleibt neben dem Zinssatz für die Hauptrefinanzierungsgeschäfte auch der für die Spitzenrefinanzierungsfazilität (0,25 Prozent) und die Einlagefazilität (-0,4 Prozent) unverändert.

Auf dem aktuellen Niveau dürften die EZB-Leitzinsen „für längere Zeit“ bleiben, kommentieren die Frankfurter Währungshüter ihre aktuelle Entscheidung. Eine geldpolitische Wende mit den ersten Zinserhöhungen der EZB seit März 2016 erwartet Stefan Isaacs, Vize-Chef für das Retail-Geschäft mit Rentenfonds bei M&G Investments, frühestens im nächsten Jahr.

Spekulation über Anleihekäufe

Mindestens bis Ende September dieses Jahres will die EZB den Nettoerwerb von Anleihen im derzeitigen Umfang von monatlich 30 Milliarden Euro fortsetzen. Das Programm laufe aber auch „erforderlichenfalls darüber hinaus“ weiter. Ein Ende sei erst dann zu erwarten, wenn „der EZB-Rat eine nachhaltige Korrektur der Inflationsentwicklung erkennt, die mit seinem Inflationsziel im Einklang steht“.

„Die Zentralbank räumte zwar ein, dass wachsender Protektionismus und ein starker Euro Risiken mit sich bringen, hob aber trotzdem ihre Wachstumsprognose für 2018 auf 2,4 Prozent an“, kommentiert M&G-Manager Isaacs. Er betont: „Der EZB-Rat verzichtete auf die Aussage, das Anleihekaufprogramm bei Bedarf in Umfang und Dauer auszuweiten zu wollen.“

Straffere Geldpolitik erwartet

„Von hier aus dürfte sich die EZB vorsichtig in Richtung einer strafferen Geldpolitik bewegen“, prognostiziert Isaacs. „Ein nächster Schritt könnte die Ankündigung sein, das Programm weiter zurückzufahren, bevor es in der zweiten Jahreshälfte ganz eingestellt werden könnte.“

„Dieser Ansatz steht im Einklang mit einem Wirtschaftswachstum über dem Trend, einer konstant schrumpfenden Produktionslücke sowie einer Inflation, die langsam in Richtung Zielmarke steigt“, so Isaacs weiter. „Im Ergebnis könnten die Renditen von Staatsanleihen weiter unter Druck geraten, besonders die kurzen Laufzeiten. Das sollte zyklischen Branchen entgegenkommen und Risiko-Assets unterstützen.“